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Die Dolmetscherin

Die Dolmetscherin
polit-thriller , usa 2005
original
the interpreter
regie
sydney pollack
drehbuch
charles randolph, scott frank
cast
nicole kidman,
sean penn,
catherine keener,
jesper christensen, u.a.
spielzeit
121 Minuten
kinostart
21. April 2005
homepage
bewertung

8 von 10 Augen

 

Silvia Broome (Nicole Kidman) arbeitet als Dolmetscherin für die Vereinten Nationen an deren Hauptsitz in New York. Als sie eines Abends zufällig Ohrenzeugin eines Mordkomplotts gegen einen afrikanischen Staatschef wird, informiert sie die US-Behörden, die auch sofort den Agenten Tobin Keller (Sean Penn) abstellen. Allerdings nicht zu ihrem Schutz, wie Silvia zunächst annimmt, sondern vielmehr um die Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen zu überprüfen. Denn aufgrund ihrer politischen Vergangenheit gerät sie bald selbst ins Zwielicht und in den Verdacht, hier vielleicht ganz eigene Interessen zu vertreten. Von gegenseitigem Vertrauen kann zwischen den beiden aufeinander Angewiesenen nicht die Rede sein, und ihre unterschiedlichen Weltanschauungen machen die Angelegenheit auch nicht leichter: Hier der desillusionierte Amerikaner nach dem 11. September, dort die UNO mitsamt all ihren Widersprüchen. Es bedarf einer Reihe dramatischer Ereignisse, bevor Silvia und Tobin damit beginnen den jeweils anderen besser zu verstehen.

Für wen das bisher mehr nach Charakterdrama als nach einem handfesten Politthriller klingt, der hat so Unrecht nicht. Denn getragen wird "Die Dolmetscherin" (ein im Übrigen zwar korrekt übersetzter, aber doch etwas unglücklich-sachlicher deutscher Titel) in erster Linie tatsächlich von seinen beiden Hauptdarstellern. Was auch nicht überrascht, denn Kidman hat sich in den letzten Jahren zweifellos in die erste Schauspielliga gespielt und von Sean Penn erwartet man eh nichts Geringeres mehr als Brillanz - wobei niemand den Fehler machen sollte, seinen hier stets etwas müde wirkenden Agenten Keller als Lustlosigkeit des Schauspielers zu werten, ist dies doch lediglich die konsequente Darstellung eines gebeutelten und ausgebrannten Charakters.
Hier stehen sich zwei Menschen gegenüber, deren gut begründete Überzeugungen Stück für Stück ins Wanken geraten, bis sie sich zum Schluss hin schließlich fast umkehren. Daraufhin finden sich die Beiden in einer Situation wieder, die sich vorher keiner auch nur hätte vorstellen können. Dass der Weg dorthin weitgehend glaubhaft und nachvollziehbar verläuft, ist die größte Leistung des Films und neben den beiden Protagonisten natürlich auch der Arbeit der Autoren zu verdanken. Und dass diese Bewusstseinswerdung in einen Film eingebettet wird, der gleichzeitig auch als spannender Thriller funktioniert, liegt wiederum an der Arbeit von Sydney Pollack.
Der Altmeister des Politthriller-Genres (nach dem enttäuschenden "Begegnung des Schicksals" zurück aus sechsjähriger Leinwand-Abstinenz) bleibt sich treu und inszeniert hier weitgehend im Stile seiner Klassiker aus den siebziger Jahren - also mehr "Die drei Tage des Condors" und weniger "Die Firma". Das heißt dann Verdächtige beschatten, Sicherheitsmaßnahmen ergreifen und über allem die Frage danach, wem denn der Tod des ins Visier geratenen Staatschefs am meisten nützen würde. Manch einer wird das Tempo des Films daher vielleicht auch als altmodisch einstufen und die mangelnden Action-Sequenzen beklagen (derer es genau genommen nur zwei gibt). Aber "altmodisch" ist grundsätzlich nicht immer etwas Schlechtes und es passt hier einfach sehr gut für einen Film, der sich auf seine Geschichte und Figuren konzentriert.
Da schlucken wir dann auch den bemerkenswerten Zufall, dass Silvia Broome genau im entscheidenden Moment Zeugin einer Verschwörung in einer Sprache wird, die außer ihr kaum jemand im UN-Gebäude versteht. Und wir verzeihen auch Mr. Pollack die kleine Eitelkeit, nun unbedingt noch eine Nebenrolle in seinem eigenen Film übernehmen zu müssen.

Absolut zeitgemäß ist dagegen die Story selbst, die sich mit der Wandlung des ehemaligen Hoffnungsträgers eines afrikanischen Landes zum machtbesessenen Diktator beschäftigt. Eine Wandlung, die hier als typisch und fast unvermeidlich geschildert wird, und obwohl hier keine Namen genannt und ein Fantasie-Staat samt Fantasie-Sprache zur Hilfe genommen wird, kann man diese problemlos im gesamten Umfeld Zentralafrikas positionieren und z.B. mit "Robert Mugabe" etikettieren.
Recht großen Raum nimmt dabei das Dilemma der UN ein, der ja nun oft genug vorgehalten wird, nur ein zahnloser Tiger zu sein, der zwar viel redet, aber eben nicht handelt. Obwohl diese Kritik sicher auch berechtigt ist, zeichnet "Die Dolmetscherin" ein insgesamt positives Bild dieser trotz allem unverzichtbaren und von vielen hoch motivierten Menschen getragenen Institution. Dass man andernfalls auch wohl kaum die bisher einmalige Erlaubnis erhalten hätte, direkt im sonstigen Sperrgebiet der Vereinten Nationen inmitten New Yorks zu drehen, wird bei der Ausrichtung des Films aber natürlich auch eine Rolle gespielt haben. Denn schon allein durch die bisher so im Kino nicht gesehenen Aufnahmen innerhalb der UN-Gebäude erhält der Zuschauer doch einige interessante neue Eindrücke und das Gefühl, hier ein noch relativ unverbrauchtes und frisches Thema ansprechend präsentiert zu bekommen.

Volker Robrahn

9

Ich kann nicht verstehen, dass man diesen Film langweilig findet.

Zugegeben, es geht nichts kaputt (außer dem Bus vielleicht) und es gibt keine Special Effects. Daher verlässt sich der Film voll auf seine ganz hervorragenden Schauspieler und seine gut und vielschichtig erzählte Geschichte, was ich äußerst wohltuend fand. Eins der filmisch schönsten Dramen, die in den letzten Jahren auf der Leinwand erzählt wurden.

Actionfans sollten allerdings einen großen Bogen darum machen.

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