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Die Bucht

Die Bucht
dokumentation , usa 2009
original
the cove
regie
louie psihoyos
drehbuch
mark monroe
cast
richard o'barry,
joe chisholm,
mandy-rae cruikshank, u.a.
spielzeit
86 Minuten
kinostart
homepage
Drei Tage vor seinem deutschen DVD-Start hat "Die Bucht" den Oscar für den besten Dokumentarfilm gewonnen, und damit seinen triumphalen Siegeszug beendet, in dessen Verlauf der Film so ziemlich jede Auszeichnung mitgenommen hat, die es für ihn zu gewinnen gab. Und das mit Recht, denn "Die Bucht" ist schlicht und ergreifend eine der besten und beeindruckendsten, vor allem aber aufrüttelndsten Dokumentationen der letzten Jahre, und angesichts seines unfassbaren Themas kann man nur hoffen, dass der Oscar-Gewinn dazu beitragen wird, noch einmal nachträglich die öffentliche Wahrnehmung für den Film und sein Anliegen zu steigern.

Bei seinem Kinolauf war es dem Film bereits gelungen, einiges an Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, vor allem dank einer für einen Dokumentarfilm ziemlich ungewöhnlichen Werbekampagne, die quasi wie bei einem Thriller ein systematisch vertuschtes Geheimnis ankündigte, jedoch nicht verriet, was dieses genau war. Von monatelangen Undercover-Dreharbeiten, erheblichen Risiken und einer schockierenden Enthüllung war da die Rede. Und tatsächlich ist nichts davon übertrieben: Sowohl die Entstehung als auch die Enthüllungen dieses Films sind nichts anderes als unglaublich.
Zentrum des Geschehens ist die japanische Küstenstadt Taiji, wichtigste Versorgungsstätte für die globale Delphin-Showindustrie, und Hauptprotagonist des Films ist Ric O'Barry, der einst als Trainer von "Flipper" (bzw. der insgesamt fünf Delphine, die diesen TV-Star "darstellten") mitverantwortlich für die Entstehung der weltweiten Popularität der hochintelligenten Säugetiere war. Es ist von enormer tragischer Ironie, dass ausgerechnet O'Barry heutzutage der berühmteste und engagierteste Aktivist gegen die Haltung von Delphinen für Show- und andere Zwecke ist. Wie es zu diesem enormen Sinneswandel kam, erklärt O'Barry an einer Stelle des Films - und wer in diesem Moment nicht vor Erschütterung schlucken muss, hat kein Herz mehr.

O'Barry ist es, der den Regisseur von "Die Bucht" Louie Psihoyos und seine Organisation, die "Oceanic Preservation Society" nach Taiji holte und sie darauf aufmerksam machte, was dort vor sich geht. Über mehrere Monate im Jahr finden hier immer wieder straff organisierte Treibjagden auf Delphine statt, bei denen hunderte der Tiere an der Küste der Stadt zusammengepfercht und eingeschlossen werden. Hier wählen Delphin-Trainer aus der ganzen Welt Tiere aus, die dann in die zahllosen Delphinshow- oder "Schwimmen mit Delphinen"-Einrichtungen rund um den Globus verbracht werden.
Wie am Anfang des Films erläutert wird, sind diese Shows, in denen sich Abermillionen von Touristen jedes Jahr an den so sympathischen Tieren und ihren Kunststücken erfreuen, tatsächlich eine Höllenqual für die Delphine - eine Wahrheit, die man als Mensch hinter dem vermeintlichen Dauerlächeln dieser Tiere kaum vermuten würde. Aber die Kommunikation und Wahrnehmung von Delphinen basiert vor allem auf ihrem Gehör, ein unglaublich sensibles Organ, und eigentlich braucht es nicht viel um sich klar zu werden, was für ein schrecklicher Dauerstress es für solch sensible Ohren sein muss, permanent in einem mit rumorenden Wasserpumpen ausgestatteten Show-Pool eingeschlossen zu sein und dabei das laute Gejubel von hunderten begeisterter Zuschauer über sich ergehen lassen zu müssen.
Dass eine Delphin-Show eigentlich einer systematischen Delphin-Folter gleichkommt, ist eine Wahrheit, über die sich wohl die wenigsten gewahr sind, aber dies klar zu machen, ist für "Die Bucht" nur eine Randnotiz. Dem Filmteam ging es um das, was in Taiji mit den zahllosen Tieren passiert, die eben nicht für den Export als Show-Delphine in alle Welt ausgewählt werden, der Ausschussware, sozusagen. Sie werden von den lokalen Fischern weitergetrieben in eine kleine (dem Film seinen Titel gebende) Bucht, die durch ihren felsigen Zugang schwer einsehbar ist und deren gesamte Zugänge eingezäunt und sehr gut bewacht sind. Der Grund dafür ist klar: Niemand in Taiji möchte, dass an die Öffentlichkeit dringt, was in dieser Bucht vor sich geht. Die enormen Sicherheitsmaßnahmen, die Stasi-artige Überwachung und Drangsalierung jedes Tierschützers, der im Ort auftaucht, soll genau das verhindern, was das Team von "Die Bucht" um jeden Preis erreichen wollte: Filmaufnahmen von den Geschehnissen in dieser Bucht zu machen, echte und erschütternde Beweise dafür liefern, dass dort systematisch jedes Jahr tausende von Delphinen abgeschlachtet werden.

Abwechslungsreich und sehr packend kombiniert "Die Bucht" die Erzählung über seine unglaublichen Dreharbeiten mit der Präsentation der skandalösen, ja schockierenden Hintergründe des weltweiten Fischhandels und wie ohnmächtig und zahnlos ihm die internationalen, politischen Organe gegenüberstehen. Eines der zentralen Anliegen des Films ist es zu offenbaren, was für ein erbärmliches Schmierentheater die Internationale Walfang-Kommission ist, die rein theoretisch auch für den Schutz von Delphinen (die im Prinzip als kleine Wale zu klassifizieren sind) zuständig ist, dank der dreisten Winkelzüge und Manipulationen der führenden Fischfang-Nation Japan diese aber komplett außen vor lässt. Sonderlich dienen könnte die Kommission den Delphinen wohl ohnehin nicht, wenn man sich besieht, wie machtlos diese Institution schon in Bezug auf den Schutz der Wale ist.
Während man beim Zuschauen immer wieder fassungslos den Kopf darüber schüttelt, wie die japanische Fischerei-Lobby die internationalen Bemühungen zum Schutz der Weltmeer-Bewohner ad absurdum führt, staunt man im steten Wechsel damit nicht weniger fassungslos (diesmal aber auf positive Weise fasziniert) über die Tricks und Finten, mit denen das Team von "Die Bucht" seine alles entscheidenden Dreharbeiten zu ermöglichen versucht. In bester "Ocean's 11"-Manier wird da ein einmaliges Team aus besonderen Spezialisten zusammengetrommelt, von Delphin-Aktivisten über Profi-Surfer bis hin zu Weltrekordhaltern im Freitauchen, die einen grandiosen Plan aushecken, wie es ihnen trotz Dauer-Beobachtung durch die örtliche Fischerei-Stasi (anders kann man diese Leute aufgrund ihrer empörenden Einschüchterungsmethoden kaum bezeichnen) gelingen kann, Kameras und Mikrofone in die Bucht zu schmuggeln, um das erhoffte Filmmaterial aufzeichnen zu können. Da nimmt man dann auch gern die Hilfe von Hollywoods führender Spezialeffekte-Schmiede "Industrial Light & Magic" an, um HD-Kameras in täuschend echten Felsen-Attrappen zu verstecken.

Unterdessen gehen die aufeinander aufbauenden, schockierenden Enthüllungen des Films immer weiter. Denn die Delphine werden selbstverständlich nicht bloß geschlachtet, sondern anschließend zwecks Verspeisung in den Fischhandel eingebracht. Allerdings findet sich natürlich kaum ein Mensch, der freiwillig Delphin essen würde. Mit ein wenig Umetikettierung ist das Problem schnell umgangen. Delphin ist allerdings aufgrund der immer stärker zunehmenden Verschmutzung der Ozeane inzwischen das so ziemlich giftigste Fleisch, das man aus dem Meer fischen kann. Warum das so ist und was das für verheerende Folgen für Menschen haben kann, die dieses Fleisch regelmäßig konsumieren, auch das verdeutlicht "Die Bucht" so eindrücklich, dass man den nächsten geplanten Besuch im Sushi-Restaurant erst einmal auf unbestimmte Zeit verschiebt.

"Die Bucht" macht auf absolut meisterhafte Weise genau das, was eine Dokumentation machen sollte: Kurzweilig, packend und brillant auf den Punkt inszeniert, rüttelt er sein Publikum nachhaltig auf für ein Thema, das von den Mainstream-Medien systematisch totgeschwiegen wird, macht wütend und fassungslos, und sorgt vor allem dafür, dass man das Gesehene und Gehörte wohl nie wieder vergessen wird. In gewisser Weise ist der Film spannender und "unterhaltsamer" als jeder fiktionale Polit-Thriller, nicht nur weil das, was man hier sieht, die Wahrheit ist, sondern auch und vor allem, weil das Material so meisterhaft montiert und präsentiert wird.
Ob "Die Bucht" und die von ihm erzeugte öffentliche Aufmerksamkeit dazu in der Lage sein wird, das unfassbare Geschehen in Taiji endlich zu beenden, muss man leider bezweifeln. Dennoch ist dies ein Film, den man gesehen haben sollte. Nicht nur, um sich selbst die Augen zu öffnen über das, was im internationalen Fischhandel und auf seinen politischen Ebenen tatsächlich vor sich geht; sondern auch und vor allem, weil dieser Film so verdammt gut gemacht ist, dass man lange suchen muss, um eine vergleichbar großartige Dokumentation zu finden.

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Frank-Michael Helmke

Danke, dass ihr auf diesen Film aufmerksam gemacht habt!

10

Wirklich super gemachte Doku zu einem sehr traurigen Thema!Das abschlachten in dieser Bucht hat mir echt den Magen umgedreht.Ich werde nie wieder Delphinarien oder ähnliche Orte besuchen.Ich verstehe nicht warum die Japaner anscheinend NIEMAND stoppen kann unfassbar!!

10

Auch von mir vielen Dank für diese Rezension!

Tolle Doku - bitte ansehen und wenn möglich an die Save Japan Dolphins Organisation spenden.

3

Großartig gemacht. Stimmiger und sehr spannender Handlungsbogen.
Allerdings auch hoch manipulative Meinungsmache.

"Dokumentation" ist das nicht unbedingt.

wieso ist es ok schweine und hühner zu töten aber nicht delphine? es ist ein teil der japanischen kultur. was geht uns das an? in china essen sie hunde und maden, in deutschland isst man wurst mit sauerkraut und in japan delpfin.
ich empfehle jedem die south park-folge "whale whores" (staffel13) anzusehen. da wird diese angelegenheit auf witzige weise thematisiert.
http://www.southpark.de/

8

Wirklich ein fieser Film, vor allem für einen Veggie wie mich.
Übel auch, dass "Gourmets" in aller Welt kein Problem damit hätten, wenn das im Sushi Schälchen Walfleisch wäre.
Dumm für sie alle, dass sie stattdessen tatsächlich hochkonzentrierten Delphin-Quecksilbercocktail genießen.
Vielleicht würden sie´s lassen,
wenn sie zuvor mal einen Blick in "The Cove" geworfen hätten.
Hochachtung an das Team vor Ort, die sich der Gefahr zum Trotz nicht davon abhalten ließen, diese Schweinerei zu dokumentieren.

10

An badman: wenn dir jemand Menschenfleisch vorsetzen würde mit der lahmen Begründung es wäre seine Kultur, würdest da auch sagen na klar toete Menschen ist ja deine Kultur ? Naiv bist du gar Ni ...

Der Film ist mehr als gelungen, Dass er die Leute auch wachrütteln wird kann man nur hoffen, verschließen doch viele aus Faulheit lieber die Augen ...

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