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Die Brücke am Kwai

Die Brücke am Kwai
antikriegsfilm , großbritannien 1957
original
the bridge on the river kwai
regie
david lean
drehbuch
pierre boulle
cast
alec guinness,
sessue hayakawa,
william holden,
jack hawkins,
geoffrey horne, u.a.
spielzeit
160 Minuten
kinostart
homepage

Was macht einen guten Kriegsfilm aus? Die Tatsache, dass er möglichst detailliert darzustellen vermag, wie der Krieg wirklich war und ist? Wenn der Film dazu noch das Prädikat "Anti-Kriegsfilm" verdient, denkt man als Kinogänger vielleicht an ein Beispiel jüngerer Zeit: "Der Soldat James Ryan". Wer erinnert sich nicht an die ersten 30 Minuten, in denen uns - oft in Großaufnahme - gezeigt wurde, wie sich amerikanische und deutsche Soldaten gegenseitig die Köpfe einschießen? Zweifellos: "Der Soldat James Ryan" ist ein guter Film. Aber muss ein Film, der dem Zuschauer die Sinnlosigkeit und Kälte des Krieges vorführen soll, zwangsläufig in allen Einzelheiten die Grausamkeiten einer Schlacht zeigen? Das berühmteste Gegenbeispiel ist David Leans "Die Brücke am Kwai".

Im Jahr 1943 sollen britische Kriegsgefangene für die Japaner eine Brücke über den Fluss Kwai bauen. Diese Brücke ist so wichtig, weil sie die geplante Eisenbahn-Linie zwischen Bangkok und Rangun, im heutigen Birma, verbinden wird.
Nun führt der englische Kommandant Nicholson (Alec Guinness, "Doktor Schiwago", "Krieg der Sterne") seine Leute in das Lager des japanischen Kommandanten Saito (Sessue Hayakawa). Saito ist dafür verantwortlich, die Brücke binnen weniger Monate fertig zu stellen. Dafür verlangt er von seinen Gefangenen, dass sie mit vollem Einsatz arbeiten - auch die Offiziere. Doch hier treffen die beiden Kommandanten erstmals aufeinander: Nicholson beruft sich auf die Genfer Konvention, die es verbietet, gefangenen Offizieren körperliche Arbeiten aufzubürden. Saito dagegen fühlt sich dem nicht verpflichtet, da Japan der Konvention damals nicht zugestimmt hatte. Der erste Akt eines Zweikampfes sondergleichen beginnt.

"Die Brücke am Kwai" verzichtet fast gänzlich auf Elemente des typischen Kriegskinos: Schießereien und blutige Kampfeinlagen sind hier Mangelware - und dennoch ist der Film ein einziger Konflikt. Hier treffen zwei Männer aus verschiedenen Kulturkreisen aufeinander. Sie mögen sich nicht, sie haben völlig unterschiedliche Auffassungen, und trotzdem sind sie aufeinander angewiesen. Auf den zweiten Blick wird aber deutlich, dass sie sich sehr ähnlich sind; und genau das ist es, was diese Beziehung so eindrucksvoll macht.
Da ist Saito, der stolze und mächtige Kommandant der Japaner. Er ist durch das hierarchische Denken seiner japanischen Heimat geprägt: Stolz, Ehre und Würde sind ihm das Wichtigste im Leben. Wie die meisten Japaner im zweiten Weltkrieg verachtet er die Engländer im Lager, da sie sich gefangen nehmen ließen, anstatt Selbstmord zu begehen. Sessue Hayakawa spielt die Rolle dieses Mannes, der die Briten mit traditionellem Samurai-Schwert empfängt, eindrucksvoll. 1957 war er als bester Nebendarsteller für den Oscar nominiert, war aber von all den Nominierten dieses Films der einzige, der letztendlich keine Trophäe in Händen hielt.
Sein britischer Gegenüber, Alec Guinness alias Colonel Nicholson, heimste den begehrten Oscar als bester Hauptdarsteller ein. Seine Leistung hier trug entscheidenden Anteil daran, dass Guinness in späteren Jahren als Epitom des stolzen Engländers angesehen wurde, eine Identifikation, mit dem britschen Empire, die ihm schließlich den Ritterschlag der Königin einbrachte. Ein echter Gentleman, stolz, mit guten Manieren versehen, aber auch dominant und mit dem nötigen Durchsetzungsvermögen.
Nicholson und Saito bestehen auf ihren Positionen; sie sind Dickköpfe, wie sie im Buche stehen. Dazu passt auch, dass jeder den anderen als "verrückt" bezeichnet. Beide fühlen sich im Recht, denken keine Sekunde daran, auf den anderen zuzugehen. Der britische Militär-Arzt Clipton (James Donald) fragt sich nicht ohne Grund: "Sind sie beide verrückt, oder werde ich verrückt? Oder ist es die Sonne?" Die Kommandanten wollen nicht ihr Gesicht verlieren - es geht nur noch um das Prinzip. Selbst als Nicholson schon drei Tage in grausamer Einzelhaft verkommt, besteht er auf seiner Forderung, die Offiziere nicht an der Arbeit mitwirken zu lassen.

Doch während es Saito neben seinem Stolz anfangs darum geht, Arbeitskräfte für den Brückenbau zu gewinnen, denkt Nicholson an etwas anderes: Wie kann die Moral der Truppe auch in Gefangenschaft aufrecht erhalten werden? Wie können die Männer ihren Status als Soldaten bewahren? Nicholson möchte seine Einheit nicht zu Sklaven werden lassen, und so setzt er alles daran, den Japanern die britische Überlegenheit zu demonstrieren.
Dies ist ein Hauptanliegen des Films. Wie schafft man es in solch einer Hölle, Mensch zu bleiben? Die Sonne brennt unerbittlich, die hygienischen Verhältnisse sind katastrophal, und jeden Tag versuchen die japanischen Besatzer die Gefangenen aufs Neue zu erniedrigen. "Die Brücke am Kwai" zeigt, wie Menschen in dieser Ausnahmesituation des Krieges denken, wie sie leben, mit was für Gedanken sie sich herum schlagen. Der wichtigste Punkt ist aber die Würde. Was auch passiert, mit welchen Schwierigkeiten sich Nicholson auch konfrontiert sieht - der englische Gentleman bewahrt seine Würde. Selbst als Saito ihn in einem unbeherrschten Moment ins Gesicht schlägt, behält er die Fassung - die Zivilisation siegt über das Chaos im Lager.

Schließlich setzt sich der Engländer durch: die Offiziere müssen nicht körperlich arbeiten. Doch dabei belässt Nicholson es nicht; er will die Brücke besser bauen, um der Mannschaft eine Aufgabe zu geben. Sie sollen nicht das Gefühl verlieren, Soldat zu sein.
Zusammen mit einigen Offizieren beschließt Nicholson den Bau einer Brücke, wie sie die Japaner niemals bauen könnten. Er ist sich der Tatsache durchaus bewusst, dem Feind damit zu helfen. In dieser Situation kommt es dem Offizier jedoch darauf an, ein Beispiel zu setzen: "Wir können diesen Barbaren eine Lektion in westlicher Effizienz erteilen, das wird sie beschämen. Wir werden ihnen zeigen, zu was britische Soldaten in der Lage sind!"
Es ist immer noch Krieg. Aber dieser Krieg wird anders ausgetragen; die Gefangenen kooperieren quasi mit dem Feind - und dennoch kämpfen sie gegen die Japaner, indem sie ihnen im Lager im Punkt der Würde überlegen sind. Hier siegt der Mensch über den Soldaten, das humane Denken über den Krieg. Später arbeiten neben den Offizieren selbst viele Verletzte an der Brücke mit. Die Genfer Konvention ist vergessen, jetzt geht es um den englischen Stolz. Nicholson und seine Männer sind Herren über sich selbst, sie haben eine Aufgabe - und diese wollen sie bestmöglich erfüllen.

Die Brücke wird entgegen jeglicher Befürchtung noch rechtzeitig fertig, die englischen Gefangenen haben ein Kunstwerk geschaffen. Am Tag vor der offiziellen Einweihung lässt Nicholson ein Schild anbringen: "Diese Brücke wurde von Soldaten der britischen Armee entworfen und gebaut. Februar bis Mai 1943". Hier ist etwas geschaffen worden, das auch nach dem Krieg Bestand haben kann. Eine der bedeutendsten Szenen des Films ist wohl das Zusammentreffen Saitos und Nicholsons auf der fertigen Brücke. Etwas zurückhaltend bescheinigt der Japaner seinem Gefangenen die Schönheit der Brücke. Nicholson ist ob der Arbeit seiner Leute sichtlich gerührt und sinniert über die vergangenen Wochen. Erneut zeigt David Lean, wie sich der Mensch immer wieder über den Krieg hinweg setzt.
Doch ausgerechnet englische Soldaten sollen Nicholsons Werk vernichten: um die Pläne der Japaner zu durchkreuzen, ist ein Spezial-Trupp unterwegs, der die Brücke sprengen soll. Als es zum Showdown kommt, zeigt sich abermals der Mensch im Soldaten Nicholson. Er bemerkt die Sprengvorrichtungen an "seinem Werk" und versucht zusammen mit Saito, die Brücke zu retten. Nicholson stellt sich gegen seine Landsmänner, gegen sein Land, um das Werk seiner Einheit zu erhalten.

"Die Brücke am Kwai" basiert auf dem gleichnamigen Roman des französischen Autors Pierre Boulle, der auch schon die Idee zum "Planet der Affen" hatte. Auch für das Drehbuch zeichnet er verantwortlich, obwohl ihm inoffiziell weitere Schreiber zur Seite standen.
Der Film war der große Gewinner der Oscar-Verleihung 1957. Insgesamt sieben Auszeichnungen (Bester Film, bestes Drehbuch, Hauptdarsteller, Kamera, Musik, Regie und Schnitt) konnte David Leans Machwerk sein Eigen nennen.
Die Produzenten präsentieren im Film jedoch nur einen Teil der historischen Wahrheit. Natürlich - Lean kann nur einen kleinen Teil dessen zeigen, was sich im Krieg an den Schienen der sogenannten "Todesbahn" abgespielt hat. An der echten Thailand-Burma-Railway arbeiteten zwischen Sommer 1942 und Herbst 1943 fast 69.000 Kriegsgefangene, darunter vor allem Briten, Holländer und Australier. Nachdem die Japaner wegen des zunächst langsamen Voranschreitens die "Operation Speedo" - Arbeitshetze ohne Rücksicht auf die Gefangenen - ins Leben gerufen hatten, wurden weitere 100.000 Menschen aus den besetzten Gebieten China, Malaysia und Korea herangezogen. Bis zur Fertigstellung starben nach offiziellen Angaben 16.000 Kriegsgefangene sowie fast 50.000 Asiaten. Doch es gibt keine Zahlen, die belegen, wie viele Menschen dem Bau der Bahnlinie in Wirklichkeit zum Opfer gefallen sind.
Die Brücke am Kwai gab es wirklich, allerdings war das Original aus Stahl und wurde erst nach Kriegsende von den Amerikanern zerstört. Hollywood baute "seine" Brücke in Sri Lanka aus Bambus nach. Für damalige Verhältnisse war dies ein echtes Mammut-Projekt: 1000 Eingeborene fällten mit Hilfe von 35 Elefanten etwa 1200 Bäume, um die Kulisse für den Film zu erbauen. Damals war die Brücke, die 35 Meter hoch und 130 Meter lang war, die größte der Filmgeschichte.

Was ist das Besondere an diesem Film? Actionszenen gibt es zwar, und die Sprengung der Brücke war für damalige Verhältnisse sicherlich eine hervorragende Arbeit im Filmgeschäft. Aber in "Die Brücke am Kwai" dominieren doch die Charaktere - die Menschen sind die Handlung. Die Beziehung zwischen Saito und Nicholson ist mit Sicherheit eine der bemerkenswertesten der Filmgeschichte und war nur mit solch hervorragenden Schauspielern wie Guinness und Hayakawa zu erreichen; eigentlich hätte man ihnen den Oscar zusammen verleihen müssen.
Jedes Kind kennt wohl die Melodie des "Colonel Bogey March", in Deutschland besser als "River Kwai Marsch" ein Begriff; in jeder Folge des "Traumschiff" wird das Kapitänsdinner durch dieses Lied eingeläutet, und der Magenbitter Underberg machte den flotten Pfiff ebenfalls zu seiner Erkennungsmelodie. Zur Zeit des Erscheinens von "Die Brücke am Kwai" war der Song in England ein großer Hit.
Neben Guinness und Hayakawa wirken eine Reihe weiterer hochklassiger Darsteller im Film mit. William Holden, Jack Hawkins und der junge Geoffrey Horne sind nur Beispiele der guten Besetzung.
All das macht diesen Film wohl zu einem der besten seines Genres. Und auch heute gilt "Die Brücke am Kwai" als einer der besten Kriegsfilme aller Zeiten - auch ohne viel Blut und Explosionen.

Christian Schultz

ich finde diese rezension großartig....ich möchte auch so schreiben können..hab nämlich eine hausaufgabe für die schule auf....kann sie bsw verstweh diese nicht......danke

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