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Die Bücherdiebin

Die Bücherdiebin
historisches drama , usa/deutschland 2013
original
the book thief
regie
brian percival
drehbuch
michael petroni
cast
sophie nélisse,
geoffrey rush,
emily watson,
ben becker,
heike makatsch,
ben schnetzer, u.a.
spielzeit
130 Minuten
kinostart
13. März 2014
homepage
http://www.diebuecherdiebin-derfilm.de
bewertung

7 von 10 Augen

bücherdiebin 1Es gibt zahlreiche Bücher über einzelne Schicksale während der Nazizeit und noch immer stößt dieses Thema auf großes Interesse. So verkaufte auch der Deutsch-Australier Markus Zusack von seinem Roman „Die Bücherdiebin“ weltweit mehrere Millionen Exemplare. Zwar befragte der erst 1975 geborene Zusack für sein Buch die Zeitzeugen aus der eigenen Familie, doch handelt es sich hinsichtlich der Figuren und der Haupthandlung um eine fiktive Geschichte und nicht um historisch verbürgte Aufzeichnungen. Trotzdem ist die Ähnlichkeit zu realen Personen aus Werken wie „Schindlers Liste“, „Der Pianist“ oder auch den Tagebüchern der Anne Frank nicht zu übersehen. Obwohl also sowohl der Roman als auch seine jetzt vorliegende Adaption sich auf einem Gebiet bewegen, welches den meisten Kinogängern vertraut sein dürfte, gelingt es auch der Geschichte der „Bücherdiebin“ noch einmal zu beeindrucken und angesichts der Härte und Grausamkeit dieser Zeit auch zu schockieren.
 

bücherdiebin 2Kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges wird die neunjährige Liesel Meminger (Sophie Nélisse) von ihrer leiblichen Mutter aus der Not heraus in eine Pflegefamilie gegeben. Die erste Zeit bei ihren neuen Eltern ist nicht leicht, denn der sanftmütige Hans (Geoffrey Rush) bemüht sich zwar sehr um das Mädchen, dessen Ehefrau Rosa (Emily Watson) gibt sich jedoch unbarmherzig und sieht in Liesel offenbar nur ein weiteres zu stopfendes Maul. Auch in der Schule bleibt die bisherige Analphabetin eine Außenseiterin und freundet sich lediglich mit dem Nachbarsjungen Rudy an. Vor allem durch die Bemühungen ihres Pflegevaters wächst in Liesel jedoch die Begeisterung fürs Lesen und schon bald saugt sie sämtliche Bücher auf, derer sie habhaft wird – manchmal auch auf unerlaubte Weise. Als die neue Familie schließlich beschließt den verfolgten Juden Max (Ben Schnetzer) aufzunehmen und zu verstecken, spielen Liesels Bücher bald eine noch größere Rolle. Doch von der draußen stetig lauernden Bedrohung können auch die nur mühsam ablenken...

 

Es stimmt Vieles an der Inszenierung dieser Geschichte, allem voran die Leistung des versammelten Schauspielerensembles. Mit Geoffrey Rush und Emily Watson konnte man zwei starke Persönlichkeiten verpflichten, die ihren Charakteren gewaltiges Charisma verleihen und diese stets glaubhaft auf der schmalen Linie zwischen Schwäche und Stärke, Verständnis und Härte balancieren lassen. Vor allem die Figur von Emily Watson offenbart dabei nach und nach, was tatsächlich unter ihrer groben und rauen Schale steckt und warum ihre Rosa in der Tat eine Frau ist, die ihren Hans aufrichtig liebt. Doch auch die junge Hauptdarstellerin Sophie Nélisse liefert eine beachtenswerte Leistung und spielt ihre Rolle mit einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit. Der Druck, dem die zerbrechliche Familie durch das immer repressivere Regime ausgesetzt ist, die Angst vor den möglicherweise sie denunzierenden Nachbarn, die bedrückende Atmosphäre öffentlicher Bücherverbrennungen sowie die kleinen aber bedeutenden Aktionen dagegen – all das weiß in dieser Adaption durchaus zu fesseln.

bücherdiebin 3Nur mit Einschränkungen gilt dass jedoch für den Handlungsstrang um den im Haus versteckten und zwangsläufig zur Passivität verurteilten Juden Max, bei dem es der Filmversion nur bedingt gelingt, die Bedeutung und Faszination des übergeordneten Bücher-Themas zu vermitteln, zumal auch der Faden um Liesels Wege der Beschaffung des Lesestoffes irgendwann im Sande verläuft. Detailfreudig und akkurat zeigt man sich in Sachen Ausstattung und erschuf für die süddeutsche Kleinstadt dieser düsteren Zeit ein beeindruckendes Set, dem man die Studio-Künstlichkeit des Drehortes Babelsberg allerdings anmerkt. Die auffälligste Diskrepanz findet sich aber im Wechsel zwischen der ein oder anderen etwas zu melodramatischen und sogar leicht kitschigen Szene, dem aber auf der anderen Seite dann wieder ein paar sehr harte und unerbittliche Momente hinsichtlich des Schicksals einzelner Figuren gegenüberstehen.

„Die Bücherdiebin“ erzählt und zeigt uns nichts was man nicht schon so oder ähnlich einmal anderswo gesehen hätte, tut dies für sich gesehen aber überzeugend - von den erwähnten kleineren Schwächen abgesehen. Die Academy zeigte sich zwar größtenteils unbeeindruckt (es gab lediglich eine Nominierung für den Score von John Williams), für den Zuschauer, der sich diesen Film anschaut, dürfte das aber kaum gelten.

Volker Robrahn

Lese ich das richtig, dass

Lese ich das richtig, dass die eigentliche Besonderheit des Buches - nämlich das die Geschichte aus Sicht des Todes (also des Sensenmannes) erzählt wird - im Film keine Berücksichtigung findet? Das ist mehr als bedauerlich, weil das Buch erst dadurch so einzigartig wurde (mal davon abgesehen, dass sowas auch schwer bis unmöglich zu verfilmen ist).

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