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Der Super-Guru

Der Super-Guru
romantik-komödie , großbritannien/usa 2001
original
the guru
regie
daisy von scherler mayer
drehbuch
tracey jackson
cast
heather graham,
marisa tomei,
jimi mistry,
michael mckean, u.a.
spielzeit
90 Minuten
kinostart
10. Oktober 2002
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

Ramu (Jimi Mistry) ist Tanzlehrer in Neu-Delhi und träumt von einer Karriere als Schauspieler. Als ihm sein Freund Dwain, der jetzt in New York lebt, vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten inklusive Loft und rotem Mercedes-Cabrio vorschwärmt, scheint Ramus Glück zum Greifen nah: er zieht nach New York. Doch der Traum platzt schnell, statt Ruhm und Reichtum gibt es nur ein mieses Apartment und eine Karriere als Kellner in einem indischen Restaurant. Sein erstes Casting ist für einen Pornofilm, was der entsetzte Ramu aber viel zu spät bemerkt. Einzig die hinreißende Hauptdarstellerin Sharonna (Heather Graham) hilft ihm mit ihrem philosophischen Resümee über Sex über die peinlichen Momente hinweg. Als Ramu kurz später auf der Geburtstagsparty der neurotischen Lexi (Marisa Tomei) kellnert und unverhofft für den sturzbetrunkenen Party-Guru einspringen muss, improvisiert er mit Sharonnas Gedankengut eine neue Philosophie und - voila - ein neuer Super-Sex-Guru ist geboren. Um seinen neuen Habitus überhaupt darstellen zu können, nimmt Ramu fortan Theorieunterricht bei Sharonna, und verkündet ihre Weisheiten dann der begierigen Jüngerschaft. Was Sharonna allerdings nicht weiß und auch nicht wissen darf ....

Die Produzenten von "Vier Hochzeiten und ein Todesfall", "Notting Hill" und "Bridget Jones" wissen, wie man das Beste aus dem Genre der romantischen Komödie herausholt: Liebe, Irrtümer und Verwicklungen sind die klassischen Zutaten für eine gelungene Beziehungskomödie, gespickt mit Situationskomik und pointierten Dialogen. Dieser Film paart die bewährte Mischung mit eher untypischen Botschaften. Bollywood trifft auf Hollywood (was zu herrlich neuen Interpretationen von Grease führt), und die Helden des Films passen nicht in das weichgespülte Stereotyp durchschnittlicher amerikanischer Filme, in denen ein tuntig-witziger Homosexueller das höchste des Nonkonformismus ist. Ramu ist ein erfolgloser Immigrant, Sharonna eine Pornodarstellerin, Lexi eine neurotische Upperclass-Göre, und bei der schönsten Liebesszene küssen sich zwei ganze Kerle. "Natürlich geht es um Romantik in dieser Sex-Komödie", erklärt Regisseurin Daisy von Scherler Meyer ihre Intention, "aber das letztlich zugrunde liegende Thema ist, dass die Liebe alles überwindet, und das man jeden Menschen so akzeptieren soll, wie er ist." So predigt Ramu als Sex-Guru denn eigentlich auch nur Offenheit und Toleranz für die unterschiedlichsten Gelüste, und schließt dabei weder Gruppensex noch lesbische Liebe aus.

Heather Graham ("Austin Powers 2", "Bowfinger", "Boogie Nights") als Zugpferd des Films zeigt ihre Wandlungsfähigkeit in der Rolle der Pornodarstellerin, Hindi-Prinzessin und Studentin/Lehrerin. Schön ist auch ihre gemeinsame Interpretation des Billy Joel-Klassikers "Just the Way you are" zusammen mit Jimi Mistry, einer der wenigen Momente im Film, wo statt Comedy-Keule mal sanfte Töne angeschlagen werden. Der britische Hauptdarsteller (der noch nie im Leben in Indien oder New York gewesen ist) hebt sich wohltuend von den üblichen amerikanischen Good guys ab; durch sein genaues Spiel macht er den Inder Ramu zwar manchmal zum Tölpel, aber nie zum Idioten. Ramu mag kindlich-naive Züge haben, wirkt aber nie lächerlich. Marisa Tomei, zuletzt in "Was Frauen wollen" mit Mel Gibson als Coffee-Shop-Verkäuferin gesehen, bleibt anfangs etwas blass, gewinnt aber später an Überzeugungskraft hinzu. Die Emotionalität der Coffee-Shop-Bedienung in "Was Frauen wollen" ist ihr deutlich glaubwürdiger gelungen als die Darstellung der durchgeknallten Lexi, die zwischen Yoga, Therapie und spirituellen Sitzungen krampfhaft ihr Glück sucht.

"Der Super-Guru" will kein politischer Film sein, und dafür sind Charaktere und Botschaften denn auch zu oberflächlich gezeichnet. Wirklich jeder Erzählstrang löst sich am Ende in Harmonie auf (das aber immerhin äußerst charmant verpackt) und die allerletzte Filmsequenz ist dann auch ein Höhepunkt des Kitsch. Die Darstellung von Einwanderern und des Pornogewerbes unterscheidet sich natürlich filmgerecht von der Wirklichkeit, alle Hauptdarsteller sehen großartig aus, und die Frauen können ihre entzückenden Figürchen maximal in Größe 34 hüllen. Die Handlung ist überwiegend einfach gestrickt und mit guten Gags und schönen bunten Bildern zusammenkomponiert. "Aber wenn man sich die großen Komödien der Vergangenheit ansieht, haben viele von denen eine Botschaft unter der humorvollen Oberfläche" sagt Daisy von Scherler Mayer. "In unserem Fall hilft es, das wir einen klasse Typ aus einem anderen Land haben und Heather Graham als Vermittlerin der Message". Die Message kommt denn auch wirklich überzeugend rüber, in die Annalen der wirklich großen Komödien wird dieser Film wohl aber nicht eingehen. Trotz der Schwächen wird hier Zuschauern unterschiedlichster Coleur zwei Stunden lang eine stimmige Komödie geboten, bei der man auch wirklich herzhaft lacht.

Heide Fuhljahn

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