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Der Mann, der niemals lebte

Der Mann, der niemals lebte
spionage-thriller , usa 2008
original
body of lies
regie
ridley scott
drehbuch
william monahan
cast
leonardo dicaprio,
russell crowe,
mark strong,
golshifteh farahani, u.a.
spielzeit
128 Minuten
kinostart
20. November 2008
homepage
http://www.dermannderniemalslebte.de
bewertung

6 von 10 Augen

Man würde es Ridley Scott ja so sehr wünschen, dass er noch einmal ein richtiges Meisterwerk hinbekommt. "Alien", "Blade Runner", "Thelma & Louise" und natürlich der mit fünf Oscars bedachte "Gladiator" waren allesamt Sternstunden ihrer jeweiligen Genres. Und einen wirklich schlechten Film hat der inzwischen 70jährige Regisseur schon lange nicht mehr gedreht. Ein in jeder Hinsicht sehr guter, der wie einige der gerade genannten vielleicht sogar das Zeug zum Kultfilm hat, war in den Jahren nach "Gladiator" aber auch nicht mehr dabei. Selbst dem starbesetzten Gangsterepos "American Gangster" fehlte im letzten Jahr das gewisse Etwas, um als herausragendes Werk der Filmgeschichte in Erinnerung zu bleiben. Natürlich kann nicht jeder Film aufs Neue zum Meisterwerk geraten. Aber wie gesagt: Man wünscht es sich bei Scott halt so sehr…

Wie auch bei seinen letzten Filmen gibt es auch bei "Der Mann, der niemals lebte" zunächst keinen Grund zur Klage, versprechen neben dem Regisseur doch auch die beiden Hauptdarsteller Hollywood-Unterhaltung vom Feinsten. Leonardo DiCaprio spielt hier den CIA-Agenten Roger Ferris, dessen Einsatzgebiet der Nahe Osten ist. Die Befehle erhält er von seinem vom CIA-Hauptquartier aus operierenden Vorgesetzten Ed Hoffman (Russell Crowe), dem dank modernster Kommunikations- und Überwachungstechniken kaum einer von Ferris' Handgriffen entgeht. Als eine bisher unbekannte, hochrangige Figur der islamistischen Terrorszene durch mehrere Bombenanschläge Aufmerksamkeit erregt, entwickeln Ferris und Hoffman gemeinsam einen Plan, um diesen Terroristenführer aus der Reserve zu locken und an ihn heranzukommen. Dazu spinnen sie ein Netz aus detailliert geplanten Lügen und Täuschungen, über deren wahre Natur sie selbst den Chef des jordanischen Geheimdienstes (Mark Strong), mit dem sie eigentlich zusammenarbeiten, im Dunkeln lassen müssen.
Der Titel "Der Mann, der niemals lebte" bezieht sich dabei auf die Art des von Ferris und Hoffman durchgeführten Täuschungsmanövers, wenn dieses auch - verglichen mit der Romanvorlage von David Ignatius - im Film stark verkürzt dargestellt wird. Das Drehbuch stammt übrigens von William Monahan, der für Ridley Scott bereits "Königreich der Himmel" geschrieben und für sein Skript zu Martin Scorceses "Departed" den Oscar gewonnen hat.

Am meisten positiv hervorzuheben ist zweifellos die facettenreiche schauspielerische Leistung von Leonardo DiCaprio, ohne die der Film in sich zusammenfallen würde, da DiCaprios Figur in fast jeder Szene auftaucht. Dass auch Russell Crowe, der sich für den Film einige zusätzliche Kilos angefuttert hat, seine Sache gut macht, braucht man eigentlich gar nicht erwähnen. Schade ist nur, dass er hier nicht viel mehr zu tun hat als seine Dialogzeilen in ein Handy-Headset zu sprechen. Das hätte auch ein schlechterer Schauspieler hingekriegt und es war wohl eher Crowes Freundschaft zu Ridley Scott als die kaum vorhandene schauspielerische Herausforderung, die ihn zur Übernahme dieser Rolle bewogen hat. Die vielschichtigste Figur in Monahans Drehbuch ist der jordanische Geheimdienstchef Hani, den Mark Strong als eiskalten, glatten und undurchsichtigen Mann spielt, bei dem man sich nie sicher sein kann, auf welcher Seite er denn nun steht.
Wie man es von Scotts Filmen gewohnt ist, gibt es auch von technischer Seite nichts zu meckern. Die zahlreichen Schauplätze wirken äußerst realistisch und Kamerabewegungen und Schnitte erzeugen einen den Film unablässig vorantreibenden Rhythmus - der Film wirkt wie ein weiteres Hochglanzprodukt aus Ridley Scotts hochprofessioneller Werkstatt. Aber genau das ist das Problem. Obwohl schauspielerisch und technisch auf höchstem Niveau, weiß "Der Mann, der niemals lebte", nicht wirklich zu berühren.
Was Scott dem Publikum hier vorsetzt, kennt man schon von mehreren seiner früheren Werke: Einen in seiner Form beinahe perfekten Hollywood-Film, für den die Chancen auf die eine oder andere Oscar-Nominierung sicher nicht schlecht stehen, dem durch die Konzentration auf all die sichtbaren äußeren Aspekte aber zumindest ein bisschen die Seele fehlt. Vielleicht liegt es ja an Scotts Vergangenheit als Werbefilmer, dass er immer wieder so großen Wert auf die äußere Form seiner Filme legt; bei "Alien" und "Blade Runner" ist das dem Endergebnis noch eindeutig zugute gekommen, inzwischen führt es aber eher dazu, dass seine Filme einander immer ähnlicher werden und weniger durch die ihnen eigenen Inhalte bestechen.

Hinzu kommt hier noch ein ziemlich formelhaft gestalteter letzter Akt, den man sich dann schon etwas komplexer gewünscht hätte. Dass Ridley Scott sich außerdem jeder klaren Aussage zum Nahost-Konflikt enthält und die Protagonisten beider Seiten als zu zwielichtigen Methoden greifend und nicht immer vertrauenswürdig darstellt, ist zwar einerseits löblich, trägt aber andererseits noch dazu bei, dass es dem Film an inhaltlichen Konturen fehlt. Auf ein weiteres Meisterwerk von Sir Ridley Scott müssen wir also auch weiterhin warten. Vielleicht sollte er sich beim nächsten Mal einfach ein bisschen weniger anstrengen, alles so perfekt wirken zu lassen.

Maximilian Schröter

6

Ich verließ das Kino mit dem gleichen Gefühl, wie bei "American Gangster" und "Königreich der Himmel". Gut gespielt, spannend inszeniert, aber wirlich nichts woran man sich noch lange erinnern wird. Ich beklage es aber nicht, das Scott kein Meisterwerk mehr hin bekommt. Schließlich dreht er immer noch gute Filme auf einem konstanten Niveau. Das müssen andere Star-Regisseure erst mal hinbekommen. Übrigens finde ich, das er nach "Gladiator" doch noch ein Meisterwerk abgeliefert hat. Der völlig unterschätze "Tricks".

@freeminder:
Da muss ich dir Recht geben - "Tricks" ist wirklich ein kleines Meisterwerk - aber eben leider ein ziemlich unbekanntes. Von Scotts Filmen nach "Gladiator" finde ich ihn jedenfalls auch am besten, obwohl - oder vielleicht gerade weil - es nur ein "kleiner" Film ist.

Nur kurz zwei Sachen hierzu, auch wenn ich den Film (noch) nicht gesehen habe....

erstens hat der "Vorposter! recht, wenn er auf Tricks verweist, ein wahrlich toller, aber leider vollkommen unbeachteter Film!

und zweitens sehe ich Königreich der Himmel auch als eines seiner Meisterwerke an, ihr müsst ihn euch allerdings in der Extended anschauen und nicht in der verwurstelt zusammengeschnittenen Kinofassung....schade, wenn heutzutage Regisseure von einem Schlage wie Ridley Scott gezwungen sind auf Druck der Produktionsfirmen ihre Filme zu verstümmeln:(

Nur mal so nebenbei: Die Kritik liest sich doch ziemlich gut und auch in dem Beitrag über mir kommt der Film doch ganz gut weg...Wieso nur 6 Augen? Kann es sein, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird, und jeder andere Regisseur für diesen Film ein bis zwei Augen mehr bekommen hätte? Nur weil der arme Ridley Scott in seinem Leben bereits mindestens vier Filmklassiker fabriziert hat(wieviele andere Regisseure können das von sich behaupten) werden seine Filme jetzt schlechter bewertet als die Anderer? Mir fällt nur auf, dass Filme, die bei Euch 6 Augen kriegen, normalerweise auch in der Bewertung deutlich schlechter wegkommen.

7

Ich dachte erst der Ältere klaut vom Jüngeren (Spy Game)...aber doch nicht!

Mir hat der Film gefallen, nachdem der neue Bourne-Bond ein Overkill an hektischen Szenen, Schnitten und Kamerawackeln ist, ist "Der Mann der niemals lebte" wesentlich zuschauerfreundlicher.

Die Story ist nicht überragend aber gut erzählt, DiCaprio trägt den Film, Crowe würzt mit einer herrlichen Darstellung eines fiesen CIA-Offiziers aber mein heimlicher Star ist Mark Strong als jordanischer Geheimdienstchef.

Kamera, Schnitt und Effekte sind wie von den Scotts gewohnt auf hohem Niveau, ich finde keinen Grund warum man nicht ins Kino gehen sollte...also: Viel Spass!

..und das Feelgoodmovie "A GOOD YEAR" nicht zu vergessen.

Film gut, politische Botschaft ZU plakativ! Hat sich davon denn keiner gestört gefühl? "Gewalt erzeugt Gegengewalt" am Anfang vom Film und dann zu sagen, dass die Araber den ersten Stein geworfen hätten... hui! Fand ich schon ziemlich krass! Propaganda der allerfeinsten Sorte ;)

9

Naja, wer soll heutige Filmkritiker schon noch verstehen. Fand den Film Top. Tolle Darsteller, gute Story, perfekter Style und Setting. Kann die meisten Kritikpunkte nicht nachvollziehen.

8

Ich fand den Film auch gelungen. Eine gute Mischung aus Action und überzeugender Story + hervorragende schauspielerische Leistungen. Frage mich auch, warum dieser Film von nicht wenigen Kritikern mittelmäßige Kritiken bekommt, währen der misslungene neue James Bond über den Klee gelobt wird.

9

Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen: Der Film ist überwältigend gut. Er ist intelligent, er hat (tiefschwarzen) Humor, er ist außergewöhnlich gut besetzt, er ist spannend, um nicht zu sagen erschreckend, und vor allem: Er hält allen Seiten den Spiegel vor, aber: er predigt nicht, weder "dieses" noch "jenes" und auch nichts "dazwischen". Weil das auch gar nicht geht. Das soll erst mal jemand nachmachen. Ich kenne keinen auch nur annähernd gleichwertigen Film zu dem Thema.

7

Wie kann man nur immer so dumme Filmtitel-Übersetzungen hinbekommen?
"Der Mann der niemals lebte" passt doch eher auf die Bourne Filme, als auf diesen!
Ansonsten aber ein klasse Streifen mit guten Schauspielern (Mark Strong war auch für mich am besten).
Die Thematik an und für sich ist mir aber schon ein bisschen zu ausgelutscht und nicht wirklich reizvoll.

Wenn hier schon soviele "Tricks" in den Himmel loben, dann möchte ich da doch eindeutigst widersprechen: Für mich war das totaler Mist, der keine Aufmerksamkeit verdient hat.

3

Langweiliger Streifen, ohne Sinn und Verstand.

9

Ein toller Film, spannend, aufregend, interessant......

9

Eine der wirklich wenigen Rezensionen auf filmszene.de, bei der unsere Meinungen erheblich divergieren. Ob man diesem Film nun 9 Punkte wie ich geben muss sei mal dahingestellt, mehr als 7 verdient er aber allemal. Vielleicht liegt es wirklich daran, dass man von Ridley Scott einfach ein epochales Meisterwerk erwartet. Gemessen an dem, was aber tatsächlich übers Jahr Hollywoods Fließband verlässt muss sich ein solcher Film erstmal hinter GAR keinem anderen verstecken.

Die Atmosphäre ist an den vielen Schauplätzen unglaublich dicht in Szene gesetzt, eine ständige Anspannung verfolgt den Hauptdarsteller wie den Zuschauer. Glasklare, wundervolle Bilder fängt die Kamera in jedem noch so abscheulichen Moment des Films ein und wirft den Betrachter, der die Krisenherde des Nahen Ostens nur vom Bildschirm in nachrichtentaugliche Häppchen seziert her kennt, direkt in eine fremde Kultur, "mittendrin statt nur dabei" könnte man sagen.

Und hierin liegt auch wirklich einer der genialsten und sozialkritischsten Aspekte des Streifens: Das Publikum IST zunächst Hoffman, der Amerikaner, dem die Welt "da unten" fremd und feindlich ist. Der - wie wohl viele in den "Krieg gegen den Terror" Involvierte - den Feldzug am liebsten von zuhause aus, "home and dry", mit der Bierflasche in der Hand am heimischen Pool geführt hätte. Wozu sich bei solcher technischer Überlegenheit schmutzig machen?

Die wahren Werte verkörpert die andere Seite: Wahrheit, Freundschaft, Ehre, Familie. Sie finden ihre Inkarnationen in Hani und Aischa, und zwar so intensiv, dass man dem Hauptdarsteller die Idee für immer "da unten" bleiben zu wollen innerlich vorgreift.

Die (nicht immer so ganz nachvollziehbare) Handlung erzeugt dabei im Zusammenspiel mit Ferris' (nicht immer so ganz nachvollziehbaren) Reaktionen trotzdem einen Sog, der einen in diese fremde Welt reißt und beim Zuschauer ein fremdartiges Gefühl der Vertrautheit erzeugt, selbst wenn man im palästinensischen Flüchtlingslager zum Kaffee Platz nimmt.

Dieser Film ist besser als (der wirklich sehr gute neue) James Bond, punkt. Ob man sich auch besser unterhalten fühlt bleibt Geschmackssache. Mir hat dieser Clash of Cultures, in dem die eigentliche Rahmenhandlung mit dem schon sehr stereotypen Bösewicht manchmal regelrecht störend wirkt außerordentlich gut gefallen. Action, Liebe, Helden und eine USA, die nicht wirklich gut dabei wegkommt: Dicke Empfehlung von mir ;-)

8

Sie geben Max Pain die gleiche Augenzahl wie diesem Superfilm? Total unverständlich. Wenn Sie die Filme in 10 Jahren nochmal sehen werden sie sich schämen!!!

5

[Teilweise Spoiler] Auch wenn der Film eine dichte Atmosphäre und viele gute Einzelszenen aufweist, so konnte ich das alles nicht ganz ernstnehmen. DiCaprio spielt zwar gut, die Rolle des Undercover-CIA-Agenten kaufe ich ihm aber nicht ab. Er läuft verträumt zu seiner Aisha und wünscht sich ein Leben in diesem Hexenkessel, in welchem er eben Intrigen gesponnen, durch Explosionen gesprungen und Menschen exekutiert hat. Hätte er doch nur einen Agententhriller gesehen, in welchem uns doch jedes Mal gezeigt wird, dass die weibliche Rolle am Ende zum Druckmittel wird. *gähn* Crowes Rolle ist in ihrer absurden Art völlig überzogen und ebenso unglaubwürdig. Es fehlt noch Hani, jordanischer Geheimdienstchef, der von Ferris wie ein Heiliger umworben wird. Was sieht er bloß in ihm? Die Inkarnation von Freundschaft und Ehre? Kann ja nicht sein, wenn man den Film gesehen hat. Alles in allem oberflächlich, klischeehaft und langweilig. Nur weil der Film in Teilen dem deutschen Antiamerikanismus entgegenkommt, nicht automatisch ein guter Film.

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