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Der
Endzwanziger Michael ("Garden State"-Star
Zach Braff) hat eigentlich alles, was man sich wünschen kann:
Einen guten Job, eine wundervolle Freundin, und jetzt auch noch
Nachwuchs auf dem Weg. Doch der Grund, warum Michael nicht übers
Heiraten reden will, ist derselbe, warum ihm die ganze Situation
Unwohlsein bereitet. Klar, er könnte jetzt einfach Ja sagen
zu Ehe, Familie und lebenslanger Bindung, aber: Will er das denn?
Michael hat ganz einfach Angst davor, sich festzulegen, keine Überraschungen
und keine Aufregung mehr zu erleben. Problematisch wird diese Unentschlossenheit,
als er auf der Hochzeit eines Freundes die junge Studentin Kim (Rachel
Bilson) trifft, die ebenso süß wie offensichtlich scharf
auf Michael ist. Hinter dem Rücken seiner schwangeren Freundin
Jenna (Jacinda Barrett) kann Michael es nicht lassen und verabredet
sich mit Kim. Er ist allerdings nicht der einzige, der mit der Aussicht
auf oder den Auswirkungen von einer festen Bindung kämpft.
Sein Kumpel Chris (Casey Affleck) leidet darunter, dass seine Ehe
mit Lisa seit der Geburt ihres ersten Babys zur Hölle geworden
ist; Izzy und Kenny, die andere Hälfte des Männerquartetts,
wollen - von Beziehungen gebrandmarkt - auf einen Abenteuertrip
nach Südamerika fliehen; und Jennas Mutter Anna (Blythe Danner)
ist von ihrer völlig eingeschlafenen Ehe mit Stephen (Tom Wilkinson)
so gefrustet, dass sie einen längst vergangenen Ehebruch gesteht
und ihren Mann endgültig verlassen will.
Wem
das alles irgendwie bekannt vorkommt, der hat wahrscheinlich vor
fünf Jahren den italienischen Film "L'ultimo bacio"
gesehen. Dieser erfährt hier nun sein Hollywood-Remake, und
damals wie auch heute ist dabei ein bezaubernder, nachdenklicher
und grundehrlicher Film heraus gekommen, dessen Figuren allesamt
sehr menschlich sind und drum mit Fehlern behaftet, die man nur
allzu gut nachvollziehen kann. Wenn Kim den etwas überrumpelten
Michael bei ihrer ersten Begegnung fragt, ob er eine Freundin hat,
möchte man ihm einerseits zurufen "Jetzt sei gefälligst
ehrlich!", kann andererseits aber auch gut verstehen, warum
ihm das "Ja" nur sehr zögerlich über die Lippen
kommt. "Der letzte Kuss" ist voll von solchen Momenten,
in denen die Vernunft das eine sagt, doch das Gefühl oder der
Instinkt etwas anderes, und all diese Momente haben etwas mit Akzeptanz
der eigenen Situation zu tun und der Notwendigkeit, Lebensentscheidungen
zu treffen und auch zu halten.
Dass
einem solche Situationen nicht nur mit Ende 20 auf dem Weg zu Erwachsensein
und Familienverantwortung begegnen, sondern auch noch danach, verdeutlicht
der Nebenstrang um Jennas Eltern, der in vielerlei Hinsicht die
Konflikte der jüngeren Figuren thematisch spiegelt und schön
verdeutlicht, dass wir alle wohl unser ganzes Leben mit der stillen
Sehnsucht nach etwas mehr Leidenschaft, etwas mehr Aufregung, etwas
mehr Abwechslung verbringen werden. Jede Figur in "Der letzte
Kuss" setzt sich auf die eine oder andere Weise damit auseinander,
und ihre verschiedenen Geschichten werden durch Dramaturgie und
Montage meisterhaft zu einem thematischen Gesamtbild verwoben.
Da möchte man schnell ein großes Lob an Drehbuchautor
Paul Haggis loswerden, der immerhin mit "Million
Dollar Baby" und "L.A. Crash"
bewiesen hat, dass er zu den derzeit größten Künstlern
seiner Zunft in Hollywood zählt. Allerdings orientierte sich
Haggis bei seiner Adaption sehr stark am italienischen Original
und wich kaum von der Vorlage ab, so dass das eigentliche Lob auch
in diesem Fall Gabriele Muccino gebührt, Regisseur und Autor
des Originalfilms. Immerhin: Haggis hat großartige Dialoge
mit Wortwitz und Charme geschaffen, die ihren Teil zum gelungenen
Filmvergnügen beitragen. Das tun im Übrigen auch die durchweg
hervorragenden Darsteller, die ihre komplexen Figuren sehr gut beherrschen
und die diffizilen Gefühlslagen toll auszudrücken verstehen.
Zach Braff, den viele immer noch nur als Clown aus der Ärzte-Sitcom
"Scrubs" kennen, beweist hier erneut seine Berufung zu
Größerem und macht das Hadern und Zweifeln von Michael
in jeder Sekunde subtil spürbar.
Spüren
kann man auch selbst im Remake noch das italienische Lebensgefühl,
das hinter "Der letzte Kuss" steckt, und das nicht nur
wegen der leicht nach südländischem Machismo duftenden
Thematik von der Schwierigkeit, sich ein für alle mal an einen
festen Partner zu binden. Es herrscht ein permanentes Gefühl
von Lebensdurst und Leidenschaft, und trotz des ernsten Themas auch
immer eine gewisse Leichtigkeit, wie man sie in dieser Mischung
tatsächlich nur aus dem südeuropäischen Kino kennt.
Bezeichnenderweise wagt sich "Der letzte Kuss" dann auch
weiter, als es ein üblicher amerikanischer Film tun würde,
und schraubt seine Konflikte bis zu einem Punkt hoch, wo sie eben
nicht mehr in einem einfachen Happy End aufgelöst werden können,
aber umso lebensnaher und wahrhaftiger sind.
Versuchung und Zweifel sind Fakten des Lebens, und trotzdem muss
es auch damit irgendwie weitergehen. Das ist keine Moral, die man
im Hollywood-Mainstream erwarten würde. Gerade deshalb ist
"Der letzte Kuss" auch soviel besser, klüger und,
ja, komischer als die meisten seiner artverwandten amerikanischen
Genre-Kollegen.



Toller Film .Realistischer als viele andere Beziehungsfilme.Die Handlung könnte sich wirklich irgendwo zugetragen haben.Besonders gefallen hat mir das Schauspiel von Tom Wilkinson der immer großartig spielt
Werde mir den Film auf DVD heute in Kiel ansehen. Hoffe, er wird genauso gut sein, als würde ich ihn in New York gucken - da war ich nämlich noch nie. In welcher Stadt ist der Film denn sonst noch gut?
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