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Der letzte König von Schottland - In den Fängen der Macht

Der letzte König von Schottland - In den Fängen der Macht
drama , gb 2006
original
the last king of scotland
regie
kevin mcdonald
drehbuch
peter morgan, jeremy brock
cast
forest whitaker,
james mcavoy,
kerry washington,
gillian anderson, u.a.
spielzeit
123 Minuten
kinostart
15. März 2007
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

Erstmal: Der Name des Films. Dass man aus dem Originaltitel "The Last King Of Scotland" nicht unbedingt ersehen kann, dass es sich um einen fiktionalisierten Einblick in die (Schreckens-)Herrschaft des ugandischen Diktators Idi Amin Dada handelt, ist die eine Sache. Ob der ellenlange, sperrige und reichlich unbeholfene deutsche Titel da Abhilfe schafft, darf dennoch bezweifelt werden. Typischer Fall von Verschlimmbesserung. Aber warum hat der Film denn überhaupt einen so merkwürdigen und scheinbar unpassenden Namen? Weil sich der als Idi Awo-Ongo Angoo in ärmsten Verhältnissen geborene Machtmensch Idi Amin zu Hochzeiten nicht nur als Präsident Ugandas anreden ließ, sondern der Einfachheit halber schlicht als "Seine Majestät Präsident auf Lebzeiten, Feldmarschall Al Hadji Doktor Idi Amin, Herrscher über alle Tiere der Erde und Fische im Ozean, und Bezwinger des Britischen Imperiums in Afrika im Allgemeinen, und in Uganda im Besonderen."
Bescheidenheit war also nicht die Sache Amins, und als selbsterklärter Bezwinger des britischen Imperiums ernannte er sich auch kurzerhand zum König Schottlands. Allerdings ist der Titel auch wunderbar doppeldeutig für die Geschichte, die Kevin McDonalds Film erzählt. Denn bevor der zurecht mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnete Forrest Whitaker als Idi Amin den Film an sich reißt und ihn aus seinen Mordspranken auch nicht mehr hergibt, steht ein Schotte im Mittelpunkt. Der junge schottische Arzt Nicholas Garrigan, gespielt von Newcomer James McAvoy, nämlich, der sich nach ein paar Wochen im Uganda der frühen 1970er auch so ein klein wenig wie ein König fühlen kann. Ursprünglich als Arzt eines Hilfsprojekts ins Land gekommen, wird er von Amin als neuer Leibarzt rekrutiert. Mehr noch, Garrigan wird mehr und mehr zum engsten Vertrauten des Diktators. Macht und Luxus lassen ihn anfangs die Augen verschließen, als der Präsident beginnt, mit brutaler Gewalt einen politischen Gegner nach dem anderen aus dem Weg zu räumen. Spätestens als Garrigan sich aber für Kay (Kerry Washington), eine von Amins zehn Frauen, zu interessieren beginnt, ist er soweit "in den Fängen der Macht" (um dem doofen deutschen Untertitel doch noch zu berücksichtigen), dass es für ihn brenzlig wird in Uganda….

Mann, was für eine Geschichte. Will man da so sagen, angesichts der leicht unglaubwürdigen Ausgangssituation, die uns die Freundschaft des klobigen, exzentrischen, aber brandgefährlichen Amin mit dem unbeschwerten, impulsiven jungen Arzt beschert. Und siehe da, recht hat man. Denn die Figur des Nicholas Garrigan ist fiktiv, eine Erfindung des Romanautors Giles Forden, auf dessen Debütwerk dieser Film basiert. Wer also den "letzten König Schottlands" als Geschichtsstunde beäugt, wird sicherlich nicht glücklich werden, denn historische Ungenauigkeiten reihen sich hier doch ziemlich eindeutig aneinander. Aber dem Filmgenuss tut das erstmal (fast) keinen Abbruch.
Denn über weite Strecken - genauer gesagt die erste Filmstunde - funktioniert "Der letzte König von Schottland" hervorragend. Die Kameraarbeit von Anthony Dod Mantel fängt das Uganda in der Hoffnung auf Besserung durch den neuen Präsidenten, der sich an die Staatsspitze geputscht hat, wunderbar ein. Die Zeit bis zur Ankunft Amins wird von Newcomer McAvoy passabel überbrückt - auch mittels einer kurzen Affäre mit einer erst auf den zweiten Blick zu erkennenden und sehr attraktiven Gillian Anderson - und wenn dann Forest Whitaker die Szene betritt, wird's sowieso ganz fein.
Natürlich hat sich der schwarze Riese den Oscar für diese Rolle redlich verdient - trotz der Minikontroverse, die seine Nominierung als "Bester Hauptdarsteller" auslöste. Denn tatsächlich ist Whitaker dies hier nicht, sondern McAvoy. Aber Whitaker ist die Hauptperson, die zentrale Figur, Alpha und Omega des Films. Und egal, wie viel Leinwandzeit nun tatsächlich auf ihn verfällt, tolle Leistung bleibt tolle Leistung. Und wie Whitaker sich Mimik und Gestik der historischen Figur aneignet ist natürlich Sonderklasse, inklusive mühsam angelerntem afrikanischen Dialekt, weswegen man diesen Film auch unbedingt in der Originalfassung schauen sollte. Dagegen fällt McAvoy leider etwas ab, weil der ein wenig wie eine kernigere Version von Hollywoods Lieblingsdepressiven Zach Braff aussehende junge Mann sich im Verlauf des Films als Meister von insgesamt zwei Gesichtsausdrücken erweist - draufgängerisch-überheblich und erschrocken-ängstlich.

Das größte Problem des Films ist aber die Erzählung selbst. Als Moralgeschichte versteht sich der Film, der von einer Verführung durch das Böse und den daraus folgenden Konsequenzen berichtet. Aber eben jene Konsequenzen werden dann eher aus typischen Hollywood-Klischees gespeist anstatt wirklich aus der Geschichte oder ihrer Charakterdynamik selbst. Da haben die Herren Brock und Morgan in ihrem Drehbuch Giles Fodens Romanvorlage derart massakriert wie Amin seine Opfer. Der durch die Verführung bestimmte und dadurch in lockerem Ton gehaltene erste Teil funktioniert wie gesagt sehr gut - wie Garrigan ist man von allem fasziniert, besonders vom hier äußerst charmanten und humorigen Amin. Und kann schon ein wenig nachvollziehen, was den unbesonnenen Garrigan dazu bringt, sich als Amins Leibarzt in dessen Welt ziehen zu lassen.
Interessant auch, was der Film macht, sobald die ersten Todesschwadronen durch die Straßen fahren und politische Gegner Amins einfach verschwinden. Denn obwohl Garrigan es besser wissen sollte, überspielt er die sehr nahe liegenden Vermutungen einfach, so gut gefällt ihm das Leben als (fast) zweitwichtigster Mann im Staat. In einer Schlüsselszene bedauert er die Liquidierung eines vermeintlichen Verräters, für die er maßgeblich verantwortlich ist, und spricht Amin darauf an, in der Hoffnung, sein Gewissen mildern zu können. Doch der Diktator blickt ihn fest an und meint nur: "Aber Nicholas, du wusstest was passieren würde, als du es mir sagtest. Du wusstest es". Und er wusste es.

Eine moralisch ambivalente Hauptfigur also, leider dann verstrickt in unnötige und auch unpassende Handlungsstränge. Denn dass man der ohnehin fiktiven Figur sowohl eine ins Klischee laufende gefährliche Liebschaft verpasst, als auch völlig unnötig und unzureichend die 1976er-Flugzeugentführung durch palästinische (und deutsche, allerdings in dieser Version nicht berücksichtigte) Terroristen, die auf dem Flughafen der ugandischen Stadt Entebbe mit der Geiselbefreiung durch eine israelische Spezialeinheit endete, mit Garrigans Schicksal verstrickt, fällt negativ auf. Beides ist unnötig und wirkt so, als wollte man den Film bemüht mit dramatischen Elementen versehen, die es gar nicht gebraucht hätte. Besonders das Entebbe-Finale - selbst schon mehrfach verfilmt - wirkt wie ein Fremdkörper, dessen interessanter Geschichte man schlicht nicht gerecht wird.
So macht der Film einiges unnötig kaputt, was die fabulöse erste Hälfte aufgebaut hat. Denn irgendwann geht unabhängig der Faktengenauigkeit die Glaubwürdigkeit denn doch ein Stück zu weit flöten. Durch das (Über-)Angebot an Dramatik in der zweiten Filmhälfte wird es freilich nicht langweilig, aber ein wenig mehr Subtilität hätte in einem besseren Film gemündet. Auch schade, weil dies eigentlich genau die Stärke von Regisseur Kevin McDonald ist. Der stammt eigentlich aus dem Dokumentarfilmbereich und hat für seine beeindruckende Rekonstruktion des Geiseldramas bei den Olympischen Spielen in München, "Ein Tag im September", den Oscar gewonnen. Aber gegen die unnötig überdramatisierte Geschichte kann er auch nicht an.

So bleibt also ein fast guter Film mit einem hervorragenden Hauptdarsteller. "Der letzte König von Schottland" ist eigentlich feines Kino, das sich aber durch zu viele Hollywood-Ingredienzen selbst in die Quere kommt und letztlich nicht wirklich überzeugen kann. Das kann nur Herr Whitaker, und ähnlich wie den vor ein paar Wochen gestarteten "La Vie En Rose" genießt man diesen Film am Besten als schönen Hintergrund für die grandiose One-Man-Show in seinem Zentrum.

Simon Staake

9

Dennoch hat es dieser Film geschafft, den Zuschauer zu berühren und das Monster Amin zu vermenschlichen.

8

Komisch: sonst regt man sich hier desöfteren über die Übersetzung auf, dieses Mal wird der Titel 1:1 übersetzt und trotzdem ist wieder Kritik angebracht. Typisch deutsche Kleinkariertheit...

Übrigens: in der zweiten Zeile hat sich ein Fehler eingeschlichen - es muss "fiktionalisierten Einblick" heißen... ;)

10

8

6 von 10 Punkten, das finde ich nicht ganz nachvollziehbar.Ich fand den Film eigentlich recht gelungen und Forest Whitaker Leistung ist sensationell. Gestört hat mich eher die all zu grosse Verliebheit des Regisseurs in das 70 Jahre Genre, was auch schon in "one day in September" augenfällig war.

8

Naja, wer an großem rummeckert, bekommt immer Aufmerksamkeit

Ich find den FIlm klasse ,nicht nurwegen Forest Whitaker

8

Kann dem in dieser Form nicht zustimmen. Der Film fällt in der Tat in der zweiten Hälfte ab, allerdings nicht so sehr, dass 6 von 10 gerechtfertigt wären!

9

8

6 punkte sind tatsächlich eine etwas ungerechtfertigte bewertung.
natürlich ist die kritik der überdramatisierung vor allem im letzten filmdrittel wahr, desweiteren stört mich die unglaubwürdige blauäugigkeit des fiktiven charakters des leibarztes und die 180°-Wendung gegen Ende des Films.
Doch "Der letzte König von Schottland" ist ein überwiegend mitreißendes (natürlich hauptsächlich durch die perfekte Darstellung des Diktators Amin)Drama, das auf jeden Fall sehenswert ist.

7

Die Rolle von Whitaker lässt an Washingtons Rolle in Training Day erinnern, eine One-Man-Show. Grandios! Letztendlich bietet der Film eine solide Spannung und lässt Whitaker eindeutig in den Vordergrund treten. Auch McAvoy spielt wirklich super. Letztendlich zeigt der Film aber nur teilweise was hinter der Fassade passiert, sondern deutet es nur an und konzentriert sich ganz und gar auf die beiden Hauptfiguren.

6

Ich konnte nicht entdecken, wo der Film in der zweiten Hälfte ins Unglaubwürdige abrutscht. Für mich war die Figur des Arztes und seine Beziehung zum Präsidenten von Anfang an höchst unglaubwürdig. Als Psychogramm eines Diktators zwar ein bemerkenswerter Film. Die Gesamtstory überzeugt dagegen nicht. Da hätte John le Carre mehr draus gemacht.

6

8

6 von 10 finde ich ein bisschen hart. Klar stolpert der Film gegen Ende über einige Effekthascherei, aber dieser Film ist mehr als Mittelmaß. Leider gibt es genügend Menschen, die bei dieser Wertung einen weiten Bogen um den entsprechenden Kinosaal machen, und die verpassen großes Kino.
Ein bisschen mehr zu den schauspielerischen Leistungen, weil die den Film wirklich groß machen:
Klar, dass er den Oscar verdient hat. Ich habe lange auf DiCaprio getippt, weil er in Departed meiner Meinung nach seine beste Leistung überhaupt gebracht hat, aber Whitaker hier ist für mich einen Eintrag in die Geschichtsbücher wert. Umwerfend.

9

Großartiger Film! Ein bißchen Detailungenauigkeit ist doch immer erlaubt...

8

Einer der besten Kritiker dieser Seite hat leider immer mal wieder einen polemischen Aussetzer (ich erinnere ganz stark an die Rezension zu "Nicht Auflegen") und übertreibt etwas mit seinen Kritikpunkten.
Wie schon mehrmals bestätigt, mutet der Film sich gegen Ende zu viel zu um eine künstliche Spannung zum Höhepunkt hin zu führen, aber dies meiner Meinung nach nicht so gravierend, dass es die Substanz des Films zerstört, der immer noch sehr stark von seinen beiden Hauptdarstellern (insbesondere natürlich Whitaker) lebt.
Auch wenn sich einige unverständliche Subplots einschleichen, ist die Beziehung der beiden Hauptcharaktäre grandios geschrieben und gespielt.
Und der hier angegriffene pseudomoralische Zeigefinger kann so und so interpretiert werden.
Dann werden vom Kritiker schnell mal fixe Faktoren wie das "Hollywoodklischee" und das jeder Darsteller neben einer oscarprämierten Leistung nicht bestehen kann, hervorgeholt und stimmt der negative Gesamteindruck wieder. Das finde ich etwas unfair gegenüber einem wirklich guten Film mit einigen Schwachpunkten, die aber den Gesamteindruck nicht stark beeinträchtigen. Daher auch von mir eine Wertung von 8 Augen, die ich für gerechtfertigter halte.

9

Ein verdammt guter film, kenne mich mit der afrikanischen geschichte 0 aus aber der film bringt da so einiges zum vorschein..

Super schauspieler und top geschichte

10

Einer der besten Filme des Jahres!

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