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Der große Gatsby

Der große Gatsby
drama , usa 2013
original
the great gatsby
regie
baz luhrmann
drehbuch
baz luhrmann, craig pierce
cast
leonardo dicaprio,
carey mulligan,
tobey maguire,
joel edgerton,
isla fisher,
jason clarke, u.a.
spielzeit
140 Minuten
kinostart
16. Mai 2013
homepage
http://wwws.warnerbros.de/thegreatgatsby/
bewertung

5 von 10 Augen

gatsby 1„Der große Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald gilt als einer der einflussreichsten Gesellschaftsromane überhaupt, gehört in den USA zur Pflichtlektüre an vielen Schulen und wurde seit seinem Erscheinen im Jahr 1925 auch schon mehrfach verfilmt. Das erste Mal sogar noch zu Stummfilmzeiten, am bekanntesten dürfte jedoch die 70er-Jahre-Version mit Robert Redford sein. Wenn sich nun also ein für prächtige Ausstattungen und große Gefühle bekannter Bildermagier wie Baz Luhrmann („Moulin Rouge“, „Willliam Shakespeare’s Romeo & Julia“) des klassischen Stoffes annimmt, dann klingt das ziemlich spannend und löst einige Vorfreude auf ein opulentes Kinoerlebnis aus. Die wird auch nicht wirklich enttäuscht, doch alles in allem fällt Luhrmanns Interpretation trotzdem erstaunlich konventionell aus.
 

gatsby 2Der junge, noch nicht besonders wohlhabende Börsenmakler Nick Carraway (Tobey Maguire) zieht im Sommer 1922 in ein bescheidenes Häuschen am Wasser von Long Island in der Nähe New Yorks. Von ganz anderer Dimension ist dagegen die Villa, die der geheimnisumwitterte Millionär Jay Gatsby (Leonardo DiCaprio) in direkter Nachbarschaft errichtet hat und in der fast täglich große Feste abgehalten werden, zu denen sich regelmäßig alles einfindet was aktuell Rang und Namen hat. Eines Tages erhält Nick eine Einladung seines Nachbarn und lernt diesen endlich persönlich kennen, doch die Frage was für Geschäften Gatsby eigentlich genau nachgeht und womit er sein gewaltiges Vermögen angehäuft hat wird auch ihm nicht beantwortet. Für Gatsby ist der zurückhaltende Nick vor allem deshalb von Interesse, weil der ihm ein Treffen mit seiner Cousine Daisy Buchanan (Carey Mullligan) ermöglichen kann, mit der Gatsby einst eine kurze aber leidenschaftliche Affäre hatte, bevor sie dann jedoch den vermögenden Lebemann Tom Buchanan (Joel Edgerton) heiratete, der sie allerdings regelmäßig betrügt. Es scheint als würde Gatsby sein Vermögen und die ausgefallenen Partys nur als Mittel einsetzen mit denen er hofft Daisy zurückzugewinnen. Doch der neureiche Träumer muss feststellen, dass es Regeln und unsichtbare Grenzen gibt, die er kaum überwinden kann.
 

gatsby 3Soviel Aufwand, so viele Mühen und Investitionen und das letztendlich alles nur um einem Mädchen zu imponieren? Es ist kein Wunder, dass der erklärte Kino-Romantiker Baz Luhrmann sich diesen Stoff gegriffen hat und sich für die Titelfigur an den Darsteller seiner ebenfalls vor Liebesglut überquellenden „Romeo & Julia“-Variante erinnerte. Mehr als 15 Jahre älter und reifer ist Leonardo DiCaprio eine naheliegende Besetzung und zweifelsohne auch eine überzeugende, verkörpert er hier doch den zunächst unnahbaren und distanzierten Geschäftsmann genauso überzeugend wie den erst später immer mehr durchscheinenden Gefühlsmenschen, dem klar wird, dass all die angehäuften Reichtümer ihm doch nicht helfen können seiner niederen Herkunft zu entfliehen. Obwohl die meiste Leinwandzeit dem auch als Erzähler fungierenden Nick Carraway eingeräumt wird, steht doch stets Gatsby im Zentrum der Geschichte und wie man auch als Zuschauer seinen ersten Eindruck im weiteren Verlauf revidieren und seine Sympathien neu verteilen muss ist eine der herausragenden Qualitäten dieser Geschichte.

Sie dem arroganten und herrischen Rassisten Tom zu schenken kommt eh kaum in Frage, aber auch was dessen Gemahlin und Objekt der Begierden Daisy betrifft, lässt sich irgendwann nicht mehr übersehen, dass deren oberflächliche Hülle mehr verspricht als ihr Kern letztlich enthält und das ist ihr selbst im Grunde genauso klar wie ihrer Darstellerin Carey Mulligan, die diese Aufgabe (für die sie im ersten Moment eigentlich etwas zu jung wirkt) mit Bravour meistert.

Dass das mondäne und bisweilen dekadente Dekor der „Goldenen Zwanziger“ geradezu eine Einladung für jemanden wie Luhrmann ist um in Farben, Kostümen und üppigen Sets nur so zu schwelgen, dürfte wohl von vornherein klar gewesen sein. Und so gibt es wie zu erwarten gewaltige Partys und überlebensgroße Kulissen zu sehen, etwas unpassend aber nicht wirklich störend unterlegt mit moderner Rap- und Disco-Musik. Zur Abstraktion des Gezeigten trägt das allerdings ebenso bei wie die nur allzu offensichtlichen Computergrafiken vom früheren New York. Wenn die Figuren sich etwa mit ihren schnellen Schlitten durch die Straßen und Brücken der Stadt bewegen, ist die als unecht erkennbare Künstlichkeit des Hintergrunds offensichtlich gewollt. Ob das wirklich so sinnvoll ist, darüber darf man streiten. Allerdings ist der Film dann trotz des für ein Kostümdrama bisher unbekannten 3D-Effekts doch nicht ganz so wild und verrückt geraten wie man es vorher vermuten und nach den großen Partyszenen zu Beginn noch bestätigt sehen durfte. Im Verlauf beruhigt sich das Ganze auch visuell, verzichtet auf allzu abgefahrene Stilmittel und beschränkt sich fortan meist auf die bunten Kostüme und die bereits eingeführten Sets – eine Uneinheitlichkeit, die übrigens auch schon Luhrmanns letzten Film „Australia“ kennzeichnete.gatsby 4

Nicht zu übersehen ist auch, dass man sich bei dieser Neufassung fast ausschließlich um die Befindlichkeiten der einzelnen Charaktere kümmert und eher wenig Interesse am gesellschaftlichen Hintergrund und der durchaus vorhandenen Sozialkritik der Vorlage zeigt. Obwohl 1922 spielend und 1925 veröffentlicht, deutete der Autor F. Scott Fitzgerald in seinem Roman bereits den nahenden und unvermeidlichen Zusammenbruch dieses auf Sand gebauten Systems an, der schließlich im großen Börsencrash von 1929 und der folgenden Großen Depression gipfeln sollte. Zwar müssen unsere vergnügungssüchtigen, privilegierten Luxus-Bürger auf ihrem Weg in die Metropole stets ein Stück graues Bau- und Brachland passieren, doch obwohl schließlich einige der Bewohner dieser ärmlichen Gegend am Ende für eine dramatische Wendung sorgen, wird die Problematik des extremen Gegensatzes zwischen Arm und Reich dabei nicht weiter thematisiert. Auch der deutliche Zeigefinger in Richtung der frei von jeder Verantwortung agierenden Menschen, die vieles zerstören und anschließend weiterziehen ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden, wird nur zart angedeutet, obwohl er doch recht gut auch in eine Zeit und Gesellschaft passt, die ebenfalls gerade erst wieder von Spekulanten und Spielern erschüttert wurde. Doch von solch subtilen Hinweisen fehlt hier leider jede Spur.

gatsby 5Der Vorwurf, die globaleren und tieferen Aspekte der Vorlage zu ignorieren, obwohl die diese eigentlich erst zum zeitlosen Standardwerk machten, traf bemerkenswerterweise auch schon die Verfilmung von 1974 und die Gemeinsamkeiten gehen da sogar noch ein ganzes Stück weiter. Denn der „Große Gatsby“ mit Robert Redford und Mia Farrow in den Hauptrollen war ebenso eine (für seine Zeit) geradezu verschwenderische Ausstattungsorgie, die damals zum Staunen brachte und dafür sorgte, dass der ansonsten ebenso an der Oberfläche bleibende Film zwar diverse Auszeichnungen für Design und Kostüme erhielt, aber eben auch nur für diese. Wenn man dann noch feststellt, dass Baz Luhrmanns Version nun praktisch Szene für Szene auf die exakt gleiche Weise erzählt wird und dabei zum Großteil sogar oft genau die gleichen Dialogzeilen verwendet, dann muss das doch verwundern. Was bei gutmütiger Sichtweise vielleicht als „Werktreue“ zu bewerten ist, macht dann aber halt diese Neufassung fast vierzig Jahre später trotz aller vorhandenen Qualitäten im Grunde recht überflüssig, denn das alles gab es halt ziemlich genauso schon einmal.

Das allerdings ist eine Beurteilung aus künstlerischer Sicht, die kommerzielle sieht dagegen ganz anders aus. Während der Redford-Film damals an den Kinokassen floppte, spielte die DiCaprio-Variante nun vorher bei weitem nicht erwartete 50 Millionen Dollar allein am Startwochenende in die amerikanischen Kinokassen. Irgendwie also doch einen Nerv getroffen und den richtigen Film zur richtigen Zeit herausgebracht, wie es scheint. Glück gehabt, Mr. Luhrmann.

Volker Robrahn

Ich mag eigentlich sämtliche

3

Ich mag eigentlich sämtliche Beteiligten, auch und vor allem Baz Luhrmann, aber "Gatsby" war bedauerlicherweise ein aufgeblasenes, leidenschaftsloses, dumpfes Nichts von einem Film und eine Riesenenttäuschung. Hier passte nichts zusammen, wenn auch die Bilder wunderschön und die Ausstattung edel waren. Und nur dafür gibt's von mir drei Punkte. Den Rest hoffe ich so schnell wie möglich zu vergessen.

Ein typischer Film von Baz

7

Ein typischer Film von Baz Luhrmann: Quietschbunt, überdreht, überlebensgroß + spektakulär. Zumindest am Anfang wird fast schon unerträglich dick aufgetragen. Gatsby's Partys werden dermaßen pompös in Szene gesetzt, dass man sich verwundert die Augen reibt. Mit zunehmender Spieldauer allerdings flacht der visuelle Overkill (zum Glück) langsam ab. Wenn man die literarische Vorlage kennt, merkt man sehr schnell, dass der Geist des Buches ziemlich gut eingefangen wurde, die Liebesgeschichte wird romeo-und-julia-mäßig herzzerreißend und mit passendem Soundtrack präsentiert, und die Schauspieler, allen voran DiCaprio und Maguire, leisten gute bis sehr gute Arbeit.

Ein in sich sehr stimmiges Werk nahe am Roman, jedoch (fast) ohne die gesellschaftskritische Komponente. Optik, Soundtrack, Ausstattung und Schauspieler TOP. Was will man mehr?

Dieser Film war

3

Dieser Film war Leichenfledderei an meinem geliebten Moulin Rouge. Baz Luhrmann hat hier von sich selber geklaut, dass es nur so krachte. Sogar Instrumentalpassagen des Soundtracks wurden wiederverwertet.
Was allerdings bei M.R. so wundervoll funktioniert hat, zündet hier nicht.
Die Hauptdarsteller, vielleicht bis auf T. Maguire, wirkten wenig überzeugend. Leonardo Di Caprio ist sicherlich ein wunderbarer Schauspieler, aber auch er konnte der seltsamen Figur des Gatsby wenig bis kein Leben einhauchen. Und die Besetzung von Carey Mulligan als Daisy ist mir ein absolutes Rätsel.
Bei Ewan Mc Gregor und Nicole Kidman quoll die Liebe förmlich aus der Leinwand, genauso bei Leonard Di Caprio und Claire Danes. Hier war davon nichts zu spüren. Es scheint mir, als hätte der Regiseur auf Nummer sicher gehen wollen, Geld genug zum Verbraten hatte er ja anscheinend. Der Film hätte auch Moulin Rouge 2 - Leonardo in Amerika heissen können. Schlecht genug für diesen Titel war er meiner Meinung nach.

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