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Der große Crash - Margin Call

Der große Crash - Margin Call
drama , usa 2011
original
margin call
regie
j.c. chandor
drehbuch
j.c. chandor
cast
kevin spacey,
zachary quinto,
demi moore,
stanley tucci,
jeremy irons,
paul bettany, u.a.
spielzeit
109 Minuten
kinostart
29. September 2011
homepage
http://www.dergrossecrash-derfilm.de
bewertung

6 von 10 Augen
Margin Call

Wall Street, New York, 2008: In einer großen Investmentbank läuft das alltägliche, große Gezocke mit Milliardensummen, und zwischendrin wird in kühler Routine die nächste Runde Entlassungen vorgenommen. Diesmal erwischt es unter anderem den Risikoanalysten Eric Dale (Stanley Tucci), der sich mit unpopulären Warnungen bei seinen Vorgesetzten unbeliebt gemacht hat. Während der Sicherheitsdienst ihn zum Fahrstuhl eskortiert, kann Dale seinem Protegé Peter (Zachary Quinto, „Star Trek“) noch schnell einen USB-Stick zustecken. Als das junge Mathegenie sich die darauf enthaltenen Daten genauer ansieht, wird ihm klar, dass sein Arbeitgeber kurz vor der Pleite steht – ein Finanzcrash von kolossalen Ausmaßen droht. Peter wendet sich an seinen direkten Vorgesetzten (Paul Bettany), und während es Nacht wird klettert die beunruhigende Erkenntnis immer weiter die Hierarchie hinauf, über den altgedienten Abteilungsleiter Sam Rogers (Kevin Spacey) und die Risikomanagement-Chefin Sarah Robertson (Demi Moore) bis hin zum Konzernboss John Tuld (Jeremy Irons). Niemand, der Bescheid weiß, darf das Gebäude verlassen, bis in einer nächtlichen Krisensitzung darüber entschieden wird, was nun zu tun ist: Ehrlich sein und die Anleger warnen. Oder noch schnell das eigene Vermögen retten, bevor die Öffentlichkeit von der Katastrophe Wind bekommt?

Der Werbefilmer J.C. Chandor legt mit „Der große Crash – Margin Call“ sein Kinodebüt vor, und die eigenen Ansprüche sind hier ziemlich offensichtlich: Ganz tief in den Kern der Finanz- und Wirtschaftskrise, die im Herbst 2008 den ganzen Globus erschütterte, will er mit seinem Film vordringen und eine möglichst prägnante Antwort darauf finden, wie es soweit kommen konnte. Dabei geht es weniger um eine Analyse der faktischen Abläufe; die wären auch in Filmform kaum zu erklären, scheitern doch selbst die gewichtigsten Experten daran, die genaue Entstehung dieser Finanzkrise greif- und erklärbar zu machen, drehte sich dabei schließlich sehr viel um hochkomplexe Finanzprodukte, die selbst die Leute nicht mehr verstanden, die sie verkauft haben. Was hier stattdessen verhandelt wird sind die gewichtigen Fragen um Moral und Ethik, und wie viel davon noch übrig bleibt, wenn das große Geld ins Spiel kommt.
Mit derlei relevantem und gesellschaftskritischem Thema zieht man in der politisch interessierten und aktiven Schauspielerschaft Hollywoods so einige Aufmerksamkeit an, und so kann Chandor für seinen Debütfilm über eine beeindruckende Besetzung verfügen, die mit ihrer Anwesenheit diesen Film offenkundig als wichtig und bedeutsam adeln wollte. Wichtiges Thema und hehre Ansprüche führen allerdings nicht automatisch auch zu einem wirklich starken Film.

Man kann es Chandor durchaus anrechnen, dass er seinen Film nicht künstlich aufregend zu gestalten versucht. Die schnörkellose Inszenierung spiegelt die kühle Rationalität der Geschäftswelt wieder, und die großen Fragen, die hier im Zentrum stehen, werden so behandelt, wie es für große Fragen angemessen ist: Indem man drüber redet. Und zwar viel. Es wird viel diskutiert in „Margin Call“, und wenn man nicht übers weitere Vorgehen diskutiert und ob nun der nächst höhere Boss eingeschaltet werden muss, dann tauscht man sich nachdenklich darüber aus, wie man selbst in das Geschäft mit dem großen Geld reingerutscht ist und wie sehr man sich an dieses Leben gewöhnt hat, das nun kurz vor dem Zusammenbruch steht.
Was Chandor hier mehr als nur andeutet, ist eine Art Grundthese zum Charakter eines Hochfinanz-Bankers: Sie sind alle große Talente und hätten bedeutsame Dinge tun können, doch dann wurden sie verführt vom großen Gehaltsscheck und verschwenden ihre Begabungen beim Hin- und Herschieben völlig virtueller Zahlenberge. „Rocket scientist“ (Raketenwissenschaftler) ist im amerikanischen Sprachgebrauch ein Synonym für einen extrem intelligenten Menschen. Dementsprechend ungläubig schmunzeln müssen seine Kollegen, als das Mathegenie Peter ihnen gesteht, dass er eigentlich genau das studiert hat – aber das angebotene Einstiegsgehalt der Investmentbank einfach zu verführerisch war, um nach der Uni wirklich in die Wissenschaft zu wechseln. In dieselbe Kerbe hauen die Reflektionen von Kevin Spacey als alter Fuchs Sam, der nostalgisch davon erzählt, wie er vor vielen Jahren mal so etwas Substantielles, Nützliches und Nachhaltiges wie eine Brücke gebaut hat.
So zeichnet Chandor das Portrait einer Berufsklasse als emotional entleerte/unglückliche Menschen, die den Absprung zu einer erfüllenden Tätigkeit nicht mehr gefunden haben, weil sie sich zu sehr an den Lebensstil gewöhnt haben, den ihnen ihr Gehaltsscheck und die üppigen Bonuszahlungen ermöglichen. Oder simpel ausgedrückt: Gier korrumpiert den Charakter. Dementsprechend steigt die Skrupel- und Gewissenlosigkeit der Akteure auch immer weiter an, je höher sich die Handlung in der Bankhierarchie nach oben arbeitet: Je mehr Geld, desto weniger Anstand.

Das ist dann letztlich auch die ziemlich simple Formel, auf die sich die Aussage von Chandors Film destillieren lässt. Das ist sicher nicht falsch, aber auch nicht sonderlich erhellend oder mitreißend für einen Film, der sich selbst so wichtig nimmt. „Margin Call“ krankt an seiner eigenen Bedeutungsschwere, permanent wabert hier spürbar die moralische Betroffenheit und Erhobener-Zeigefinger-Attitüde der Leute vor und hinter der Kamera durchs Bild und verhindert, dass „Margin Call“ jemals wirklich abhebt von seinem Fundament als Lehrstück über die Verführbarkeit des Individuums in der gnadenlosen Welt des Kapitals. Bei allen ehrenwerten Absichten kann sich der Film leider nicht aufschwingen zu einem Drama, das auch emotional und nicht bloß rational zu packen versteht. So bleibt „Margin Call“ ein rein intellektuelle Angelegenheit. Interessant, aber nicht mehr.

Frank-Michael Helmke

"In dieselbe Kerbe hauen die

6

"In dieselbe Kerbe hauen die Reflektionen von Kevin Spacey als alter Fuchs Sam, der nostalgisch davon erzählt, wie er vor vielen Jahren mal so etwas Substantielles, Nützliches und Nachhaltiges wie eine Brücke gebaut hat."
Allerhand, wie man als Filmkritiker diese interessante Szene dem gänzlich abwesenden Kevin Spacey zuordnen kann. Gesprochen hatte nämlich Eric Dale/Stanley Tucci.

Kann mich Lars nur

7

Kann mich Lars nur anschließen. Dies trägt zu dem Gesamteindruck bei dass der Rezensent wohl mal nur im Vorbeigehen draufgeschaut hat und ein paar Analysefloskeln in einer Minirezension da drübergestülpt hat.
Erstens werde ich immer hellhörig wenn mal wieder von Filmen die sich angeblich zu wichtig nehmen (ist das nicht das Wesen von Kunst?) die Rede ist und zweitens reichen diese zusammengeschusterten Argumente einfach nicht für eine wirkliche Kritik aus; dann hätte man es sich auch gleich ganz sparen können.
Zum Film: Die Punkte wie "mal was nützliches für die Gemeinschaft gemacht", "alles dreht sich am Ende nur noch um die Höhe des Gehalts", "der ewige Kreislauf der Dummheit und der Gier von sog. Tätern und Opfern" und "keiner weiß eigentlich wirklich was hier gekauft oder verkauft wird" sind zwar alle recht offensichtlich werden aber dennoch gut in Szene gesetzt und in die Gesamtdramaturgie eingebaut. Angesichts der Unmöglichkeit die Finanzkrise von 2008 in
100 Minuten Film zu erklären balanciert der Film überraschend ausgewogen in allen angesprochenen Bereichen und stiehlt sich eben nicht mit Fachverklausulierungen davon.
Margin Call ist ein Versuch, ein Ansatz und als solcher gut gelungen. Ein solides Drehbuch und solide Darsteller ergeben in dieser Hollywoodsparte einen gelungenen Film, nicht mehr und nicht weniger.

Frei nach Homer Simson -

5

Frei nach Homer Simson - Spannung wo bist Du. Der Film ist nett, aber die Darsteller bleiben einem Fremd. Die Story ist glaubhaft, aber interessanter wären die Finanzunternehmen die es geschafft haben Ihre toxsischen Papiere dem Staat unterzujubeln, und alle Schrauben in Bewegung gesetzt haben damit das System erhalten bleibt. Man erinnere sich nur and den Kongress der die Hilfen abgelehnt hat, und dann so manipuliert wurden das sie dann doch durchgewunken wurden.

Das wäre eine Story wert gewesen! In diesem Film sind alle einfach - unglaubwürdig - ehrlich.

Daher - kann man ansehen, muss man aber nicht.

Gruss DerDasSoWill

Natürlich wird viel in diesem

8

Natürlich wird viel in diesem Drama, das zu 90 Prozent in einer Büroetage spielt, monologisiert und diskutiert. Dennoch bleibt das alles äußerst unterhaltsam und erzeugt gerade aufgrund des respektablen Staraufgebots eine unglaubliche Atmosphäre. Die pulsierende Musik, die mich stark an "L.A. Crash" erinnerte, trug sicherlich ihren Teil dazu bei. Und gerade der Aspekt, dass man die Konsequenzen der Handlungen aller Akteure bereits kennt, macht den Film - ähnlich wie bei "Zero Dark Thirty" - nicht minder spannend. Großartig!

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