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Der Fischer und seine Frau

Der Fischer und seine Frau
tragikomödie , deutschland 2005
original
regie
doris dörrie
drehbuch
doris dörrie
cast
alexandra maria lara,
christian ulmen,
simon verhoeven,
young-shin kim, u.a.
spielzeit
102 Minuten
kinostart
27. Oktober 2005
homepage
bewertung

8 von 10 Augen

Doris Dörrie ist zurück, die "Grande Dame" des deutschen Beziehungskinos, und womit sollte sich ihr neuer Film "Der Fischer und seine Frau" wohl sonst beschäftigen als mit - genau - dem großen, nie enden wollenden Thema der zwischengeschlechtlichen Beziehungen. Um diesen altbekannten Stoff ein wenig aufzufrischen, hat Dörrie zu einem derzeit im Sinne der Retrowelle beliebten Kunstkniff gegriffen: Der Film ist sozusagen ein Remake, er basiert auf dem Grimmschen Märchen von dem Fischer und seiner Frau.

Diese Frau, im Märchen Ilsebill genannt, im Film als Ida (Alexandra Maria Lara) namentlich modernisiert, ist mit ihrem jeweiligen Lebenszustand immer unzufrieden und wünscht sich immer mehr von einem Zauberfisch, der ihre Wünsche zunächst erfüllt. Da trifft es sich schlecht, dass ihr Partner im Film wie im Märchen ein mit sich und der Welt recht genügsamer Mann ist.
Mit Christian Ulmen als Otto hat Dörrie die perfekte Besetzung für diese Rolle gefunden. Wie schon Ulmens "Herr Lehmann" ist es auch Otto am liebsten, wenn er, überfordert von der anspruchsvollen Umwelt, alles einfach geschehen lassen kann. Der Fischdoktor, mit seinem aufstrebenden Kollegen Leo (Simon Verhoeven) auf die fernöstlichen Koi-Fische spezialisiert, lernt die junge Ida in Japan kennen, und zu seiner Überraschung wählt sie ihn aus anstatt den Schönling Leo. Das Idyll im gemeinsamen Wohnmobil scheint perfekt, als Ida ein Kind erwartet und ihre ersten Modeaufträge bekommt: Schals im Koi-Muster.
Die Koi-Fische ziehen sich als roter Faden durch die Handlung, denn Ida bekommt mit ihrer herrlich abgefahrenen Koi-Modekollektion die große Chance auf den Durchbruch, Ruhm und Geld - begleitet von Leo, während Otto als Nachtwächter in Leos Koi-Klinik arbeitet und, mittlerweile im Reihenhaus, das Kind hütet. Selbst ein ausgeglichener bis gleichmütiger Charakter wie Otto hält das nicht lange aus. Im Märchen heißt es immer: "Meine Frau, die Ilsebill, will nicht so, wie ich gern will". Das wird auch im Film zum Problem, immer größere Ambitionen treiben Ida an, Otto dagegen ist doch eigentlich zufrieden und verharrt dabei im Stillstand. Das sorgt für Probleme im Pärchenhimmel, zumal Leo Ida Avancen macht und sich Leos vernachlässigte Freundin Yoko (Young-Shin Kim) Otto als Ersatz anbietet.

Die Märchenadaption ist wirklich gelungen. Im klassischen Dörrie-Stil nimmt das Schicksal seinen Lauf, immer wieder unterbrochen durch absurd komische Szenen, die gerade noch den Absprung schaffen, bevor der Film zur deutschen Comedy-Klamotte verkommt. In einer Szene darf TV-Komiker Christoph Maria Herbst ("Stromberg") als Paartherapeut glänzen, Ida im Domina-Dress beim Versuch, ihre Beziehung zu retten, zeigt Alexandra Maria Lara von ganz neuer Seite. Und permanent wird die Handlung von Ottos verzaubertem Koi-Pärchen kommentiert, deren Schicksal an das Glück von Ida und Otto geknüpft ist. Die etwas hobbymäßige psychologische Deutung von Ottos Lethargie (vom Vater verlassen, von der Hippiemutter umsorgt) und Idas Ehrgeiz (Tochter rumänischer Einwanderer) tut der Geschichte kaum einen Abbruch.
Dem Anspruch, eine originelle deutsche (um nicht zu sagen: typisch deutsche) Liebeskomödie zu sein, die sich ja eher um die Probleme der Mann-Frau-Konstellation als deren romantisch-komische Zusammenführung drehen, wird der Film durchaus gerecht. Die beiden Hauptdarsteller sind ohnehin sehenswert und wirken authentisch in ihren Rollen, und für die Nebenrollen gilt: Wenn Dörrie ruft, dann kommen sie, die Gesichter des deutschen Films.
Bleibt nur noch, auf die Veröffentlichung der Modelinie zu warten, die Bernd Lepel eigens für den Film entworfen hat, und natürlich auf den Ausgang der Liebesgeschichte für das ungleiche Paar Ida und Otto. Denn nach der Reise vom Wohnwagen zur Einzimmerwohnung, zum Reihenhaus und zur Villa kommt was kommen muss: der Absturz. Und im Märchen landet Ilsebill, als sie es mit dem Wünschen übertreibt, am Ende schwer moralisch im Pisspott....

Moritz Piehler

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