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Der Diamantencop

Der Diamantencop
action-komödie , usa 1999
original
blue streak
regie
les mayfield
drehbuch
michael berry, john blumenthal, stephen carpenter
cast
martin lawrence,
luke wilson,
william forsythe,
peter greene,
dave chappelle, u.a.
spielzeit
93 Minuten
kinostart
25. November 1999
homepage
bewertung

3 von 10 Augen

„One Gag Movies“, so bezeichnet man mithin solche Filme bzw. Komödien, deren gesamte Substanz sich auf lediglich einer guten Idee begründet. Die Qualität eines solchen Werkes hängt allein davon ab, wie oft diese eine Idee variiert bzw. mit neuem Witz gefüllt werden kann. Gelingt dies nicht, fängt der Film nach spätestens zwanzig Minuten an, zu langweilen. Es gibt gute „One Gag Movies“, wie z.B. „Reine Nervensache“ oder „Bowfingers große Nummer“. Und es gibt schlechte. Dies ist einer der zweiten Sorte.

Die Grundidee von „Der Diamantencop“: Ein Verbrecher tut so, als wäre er Polizist. Die passende Story zu dieser Idee verläuft wie folgt: Der Ganove Miles Logan und seine Komplizen werden beim Raub eines Zwanzig-Millionen-Diamanten erheblich gestört. Das Eintreffen der Polizei macht die Tatsache, daß einer der Gangster den Diamanten für sich haben will und so bereits einen Komplizen getötet hat, schon fast irrelevant. Miles kann sich mit dem Diamanten noch in einen benachbarten Rohbau retten, wo er den Stein in einem Lüftungsschacht versteckt, bevor die Polizei ihn stellt. Als Miles nun zwei Jahre später aus dem Gefängnis kommt, muß er feststellen, daß aus dem ehemaligen Rohbau ein riesiges Polizeirevier geworden ist. Und weil man nur „in Handschellen oder mit einer Marke“ in den dritten Stock kommt, läßt sich Miles kurzerhand einen Dienstausweis fälschen und ist fortan bekannt als Detective Malone, der neue Mann im Raubdezernat. Bevor er aber an seinen geliebten Diamanten kommt, muß der arme Miles doch tatsächlich ein paar Kriminelle dingfest machen.

Man kann sich den Rest in etwa denken. Natürlich kommt ständig etwas dazwischen, wenn Miles glaubt, seinen Diamanten endlich schnappen zu können. Natürlich sind seine Kollegen von den unorthodoxen Praktiken des „Neuen“ total begeistert. Und natürlich trifft Miles auch auf alte Komplizen: Seinen schusseligen und dämlichen Kumpel Tulley, gespielt von Dave Chappelle (der als komödiantischer Counterpart völlig versagt, da sein Charakter in etwa so viel Eigenleben hat wie eine kaputte Glühbirne), und natürlich auch Deacon, der Kerl, der ihn vor zwei Jahren für den Diamanten erschießen wollte. Wie der so schnell auf seine Spur kam, ist eher unerheblich, denn wer sich bei diesem Film noch um Logik und Anschlußfehler kümmert, ist nach der Hälfte sowieso schon wahnsinnig geworden.

„One Gag Movies“ brauchen vor allem eins, nämlich fähige Autoren, die es verstehen, das Grundkonzept oft und amüsant genug zu variieren. Das Fatale bei „Der Diamantencop“ ist, daß die Autoren es noch nicht mal schaffen, daß Konzept auch nur einmal witzig wirken zu lassen. Das ist allerdings auch nicht weiter verwunderlich, wenn man weiß, daß die beiden Schreiberlinge Berry und Blumenthal in den 70ern zusammen beim „Playboy“ arbeiteten und seit den 80ern versuchen, Drehbücher an den Mann zu bringen. Es ist bezeichnend, daß seitdem nur eines ihrer Werke den Sprung auf die Leinwand schaffte. Allerdings ist nicht zu erwarten, daß „Short time“ (1990) irgend jemandem im Gedächtnis blieb. Der dritte Autor, Steve Carpenter, kreierte in den 80ern eine Reihe von recht erfolgreichen Horrorfilmen, ist aber als Comedy-Autor absolut unerfahren. Bei dieser Zusammensetzung wundert es nicht weiter, daß es dem Film nicht nur an Komik, sondern auch schlicht an allem anderen mangelt. Die Handlung ist so dünn wie eine Scheibe Wasa, die Charaktere bewegen sich in den simpelsten Stereotypen und sind streckenweise sogar völlig überflüssig. So taucht z.B. des öfteren eine gutaussehende Anwältin auf, die ganz offensichtlich die Bewunderung von Miles‘ tolpatschigem Partner Carlson genießt. Trotzdem wechseln die beiden im Laufe des Films keine acht Worte miteinander. Einzige Funktion dieser Figur scheint die Vorbereitung von drei mittelprächtigen Gags zu sein. Immer ein schlechtes Zeichen für einfallslose Autoren.

Da auch von Regisseur Les Mayfield (letzte Arbeit: „Flubber“. Muß man noch mehr sagen?) keine Rettung zu erwarten ist, bleibt der Film letztlich an seinem einzigen Star hängen, Martin Lawrence. Der kann hier allerdings auch nur den traurigen Beweis bringen, daß er (noch) nicht in der Lage ist, einen Film allein zu tragen. Mit einem gleichwertigen Partner funktioniert Lawrence’s überdrehte Art perfekt, so z.B. gegenüber dem coolen Will Smith in „Bad Boys“ oder dem spießigen Tim Robbins in „Nix zu verlieren“. Hier hingegen wird Lawrence gänzlich allein gelassen, ohne jemanden, der ihm Paroli bietet und so einen humoristischen Gegenpol bildet. Auf diese Weise verpufft Lawrence’s Energie aber ungenutzt in der Luft, und so hangelt er sich wild kaspernd durch den ganzen Film, denn als einziger Charakter mit irgendeinem Komik-Potential ist ihm keine einzige ernsthafte Pause gestattet. Martin Lawrence ist sicher ein guter Komödiant, aber für ein Projekt ohne halbwegs gleichwertigen Partner fehlt ihm einfach das Charisma.

Im Endeffekt gibt es keinen vernünftigen Grund, sich diesen Film anzusehen. Für die Leute, die ihren Spaß an grottenschlechten Streifen finden, ist „Der Diamantencop“ schon wieder zu sauber und gradlinig inszeniert. Andererseits ist er aber auch mit einer Seuche von Ideenlosigkeit geplagt, so daß man nichts, aber auch wirklich nichts neues erlebt. Den einzigen Spaß, den man sich hierbei gönnen könnte, ist die Aufdeckung der logischen Löcher. Das fängt an mit dem schlechtesten Sicherheitssystem, das jemals einen Zwanzig-Millionen-Diamanten bewachen sollte, und endet mit der Tatsache, daß die mexikanische Grenze etwa fünf Kilometer südlich von Los Angeles liegen muß. Wer sich für den Rest dazwischen interessiert, der kann sich diesen Film ruhig ansehen. Ansonsten sollte man sich das Geld wirklich sparen.

Frank-Michael Helmke

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