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Der Club der Cäsaren

Der Club der Cäsaren
drama , usa 2002
original
the emperor's club
regie
michael hoffman
drehbuch
neil tolkin
cast
kevin kline,
emile hirsch,
embeth davidtz,
rob morrow, u.a.
spielzeit
109 Minuten
kinostart
homepage
http://www.theemperorsclub.com/
bewertung

7 von 10 Augen

Der Beruf des Lehrers hat etwas Mythisches an sich. Auch wenn die wenigsten von uns tatsächlich eine entsprechende Erfahrung während ihrer eigenen Schulzeit gemacht haben, so scheint der Glaube an diesen einen begnadeten Erzieher, der den Leben seiner Schützlinge eine entscheidende Wendung gibt, doch nach wie vor anzuhalten. Kein Wunder also, dass auch Leinwand-Pädagogen immer diese ganz besondere Gabe haben, aus ihren Schülern bessere Menschen zu machen: Ob nun Robin Williams in "Der Club der toten Dichter", Michelle Pfeiffer in "Dangerous Minds" oder Richard Dreyfuss in "Mr. Holland's Opus" - Lehrer auf Zelluloid sind immer in der Lage, ihren Schülern die wahren, wichtigen Werte zu vermitteln.
Dies ist auch das Bestreben von William Hundert (Kevin Kline), der an einem weiteren der anscheinend zahllosen Elite-Internate in Neu-England Mitte der 70er Jahre die Klassiker unterrichtet: In seinem Klassenraum geht es ausschließlich um die alten Griechen und Römer, ihre Geschichte, ihre Literatur, ihre Werte. Als ein devoter Verehrer der hohen moralischen und ethischen Grundsätze dieser Herren ist Hundert bestrebt, diese Grundsätze an seine Schüler zu vermitteln, auf das aus den zukünftigen Führungsfiguren integre und anständige Männer werden. Leicht ins Wanken kommt die strikte Ordnung in Hunderts Klasse wie auch im gesamten Internat durch - wie könnte es anders sein - einen aufmüpfigen Burschen: Sedgewick Bell kommt als Sohn eines einflussreichen Politikers an die Schule, mag sich jedoch gar nicht ans strikte Reglement halten, verführt auch seine Kameraden mit einem Koffer voller Verbotenem (von Porno-Magazinen bis zu kommunistischer Literatur) zu allerlei Schabernack und scheint für Hunderts Werteorientierten Unterricht gänzlich unempfänglich.
Auch diesem jungen Rebellen seine traditionellen Ethikvorstellungen näher zu bringen wird zur großen Herausforderung für Hundert. Entscheidende dramatische Rolle spielt dabei ein alljährlich an der Schule stattfindender Wettbewerb um den Titel des "Mr. Julius Caesar", den der Schüler bekommt, der das umfassendste Wissen über die römische Kultur beweist. Aus Gründen, die hier nicht verraten werden sollen, wird dieser Wettkampf von Sedgewicks Klasse 25 Jahre später unter der Leitung des inzwischen pensionierten Mr. Hundert nochmals wiederholt, und um das Wie und Warum dieser Wiederholung drehen sich alle entscheidenden Punkte von "The Emperor's Club". Es wäre unfair, diese jetzt darzulegen, weil dann unweigerlich alle zentralen Plotwendungen des Films offen gelegt werden müssten, nur soviel: Durch wenige, komplexe Momente der Entscheidung gelingt es "The Emperor's Club", alle wichtigen Dilemmata des Lehrerseins aufzugreifen und nachdrücklich zu reflektieren. Was einen guten Lehrer wirklich ausmacht, das ist hier die Kernfrage, und es zählt zu den großen Leistungen des Films, keine allzu einfache Antwort parat zu haben. Bedeutet das Scheitern in einem Einzelfall bereits ein Scheitern insgesamt? Ist Hunderts Kampf für alte Werte nicht ohnehin ein sinnloser, weil in der heutigen Welt einfach nicht mehr zeitgemäß? Der mitdenkende Zuschauer wird hier viel dankbares Diskussionsmaterial finden.
"The Emperor's Club" bietet Drama auf hochmoralischer Ebene, voller klassischer Konflikte und Motive, und ist in dieser Hinsicht fundamentaler und tiefsinniger als das meiste, was man dieser Tage so im Kino zu sehen bekommt. Gleichzeitig ist es aber auch gerade diese Verpflichtung an traditionelle Werte, wie sie Hundert zu vermitteln versucht, die es dem Film schwer machen wird, ein größeres Publikum zu finden. Woran das liegt, weiß "The Emperor's Club" indes auch: Hunderts Ethik wirkt in der heutigen Zeit wie ein Anachronismus in einer Welt, die vom Egoismus und Machtstreben rückgratloser Schaumschläger regiert wird, während die wahrlich großen Männer im Hintergrund eine kleine Existenz fristen, und genau dies muss der Lehrer selber erkennen. Doch die Botschaft ist klar: Es ist nicht der Lehrer, der hier falsch tickt, sondern die Welt, in der er lebt.
Trotz der bewundernswerten Komplexität seiner Hauptgeschichte und eines wieder einmal schlichtweg fabelhaften Kevin Kline als Protagonist muss sich "The Emperor's Club" dennoch ein paar Kritikpunkte gefallen lassen, die zumeist an den Nebenplots hängen: die Rolle von Hunderts love interest Elizabeth z.B. hätte man sich in dieser Form komplett sparen können, da sie ohne größere Bedeutung bleibt und lediglich ein unglückliches Abrutschen ins Konventionelle darstellt. Und die enorme Wartezeit bis zu Hunderts erster bedeutungsvoller Gewissensentscheidung stellt das Publikum auf eine bisweilen arge Geduldsprobe, bis der Film dann endlich richtig ins Rollen kommt.

Nichtsdestotrotz: "The Emperor's Club" ist in seiner nachdenklichen Ruhe eine willkommene Abwechslung im schnellen und lauten Kinoalltag, und sichert seiner Hauptfigur den angestrebten Platz im Olymp der mythischen Leinwand-Pädagogen, bei denen man sich gedankenverloren sagt: Ja, so einen Lehrer hätte ich auch gerne gehabt.

Frank-Michael Helmke

ein anrührendes Episodendrama mit überwältigenden Landschaftseinstellungen und einem toleranten neil tolkin in der Hauptrolle als verantwortungsbewußter Schülerlotse. Einfach gigantisch!

10

Ich habe den "Club der Cäsaren" eben (9.10.2007 3:49) zufällig auf VOX gesehen und die Bedeutung des tieferen Sinnes hat mich tief berührt. Ein Film, hätte ich ihn in früher Kindheit gesehen, den Verlauf meines Lebens und Einstellung zu Prinzipien und Tugend enorm verändernd geprägt. Meiner Meinung nach sollte er in Klassenzimmern von Schulstufen, in den die Grundsteine des Lebens gelegt, gezeigt werden. Der Film zeigt das die Früchte der Arbeit eines Lebenswerkes oftmals erst nach dem verstreichen vieler vieler Jahre eingefahren werden.
An dieser Stelle möchte ich dem Autor und allen Darstellern für Genialität des Meisterstückes von Herzen danken.

Um die Realität nicht aus den Augen zu verlieren, möchte ich dazu sagen: das es mit Sicherheit auch heute noch solche Lehrer gibt; diese "Gattung" jedoch leider vom Aussterben bedroht ist.
Lehrer ist eine Lebensaufgabe; ein Lebenswerk und kein Beruf....... Dies sollte nie vergessen werden.... und eben dies, zeigt der Film und regt um Nachdenken an.

Hochachtungsvoll....

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