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Defiance - Unbeugsam

Defiance - Unbeugsam
action-drama , usa 2008
original
defiance
regie
edward zwick
drehbuch
clayton frohman
cast
daniel craig,
liev schreiber,
jamie bell,
iben hjejle, u.a.
spielzeit
137 Minuten
kinostart
23. April 2009
homepage
http://www.defiancemovie.com
bewertung

7 von 10 Augen

 

James Bond ist trotz seines Kampfes gegen das Böse nicht unbedingt als Gutmensch bekannt. Erst recht nicht, seit der Agent aller Agenten von Daniel Craig verkörpert wird. Der hat offensichtlich ein Faible für leicht gebrochene Männer, denen nichts übrig bleibt, als sich mit roher Gewalt zu verteidigen, denn sein neuer kantiger Held fällt ebenso in diese Kategorie. In "Defiance" ist die Sache, für die sich Craigs Figur einsetzt, nun eindeutig und unbestreitbar eine gute. Tuvia Bielski flüchtet als osteuropäischer Jude gemeinsam mit seinen Brüdern Zus (Liev Schreiber) und Asael (Jamie Bell) vor der Verfolgung der Nazis und versteckt sich in den Wäldern, wo er ein verborgenes Camp für letztlich hunderte von jüdischen Flüchtlingen aufbaut. Trotz dieser Eindeutigkeit bleibt aber das zentrale Motiv des Films die Frage nach der Legitimation von Gewalt, selbst im Widerstand.
Tuvia nimmt grausame Rache an den Schergen, die seine Familie getötet haben, doch das biblische "Auge um Auge, Zahn um Zahn" fällt ihm im Gegensatz zu seinem Bruder Zus nicht leicht. Unfreiwillig werden die Bielski-Brüder in ihrem Waldversteck zur Anlaufstelle aller fliehenden Juden aus der Umgebung, längst kein ausgebildetes oder auch nur geeignetes Guerilla-Heer. Die Aussichtslosigkeit der Situation verschlimmert sich mit jeder neuen Familie, die zu den Rebellen stößt, während sich der Ring der Nazis um den Wald schließt, der auch noch einigen russischen Kosaken Unterschlupf geboten hat. Nachdem es zum Konflikt zwischen den Brüdern kommt, schließt sich Zus den Russen an, um seinen erbitterten Rachekampf weiter führen zu können. Tuvia dagegen ist hauptsächlich auf das Überleben seiner Schützlinge bedacht. Der Wintereinbruch und der Nahrungsmangel setzt den Campbewohnern heftig zu, dazu kommen Spannungen zwischen den verschiedenen Gesellschaftsklassen unter den Flüchtlingen.

Auch die heiklen Fragen der innerjüdischen Konflikte werden in "Defiance" angedeutet. Bei einem konspirativen Treffen mit im Ghetto verbliebenen Juden wird deutlich, dass keineswegs eine homogene Gruppe mit den gleichen Interessen existierte. Diese Aufklärung ist auch unabdingbar, um die drängende Frage nach dem wenigen aktiven Widerstand zu beantworten. So fliehen aus Angst vor der Bestrafung zunächst kaum Juden aus den Ghettos, zusätzlich wird der Informationsfluss gering gehalten, um eine Panik zu vermeiden.
"Defiance" bleibt bei alledem ein Actiondrama, das natürlich einigen Gesetzmäßigkeiten der Filmindustrie folgen muss und dies auch routiniert bewältigt. Beworben mit dem Slogan: "Die größten Helden, von denen Sie noch nie gehört haben" zeigt der Film aber tatsächlich eine in der Filmschwemme über den Zweiten Weltkrieg erstaunlich vernachlässigte Seite jener Zeit. Vielleicht liegt es an den sperrigen Bielski-Brüdern, die nicht zu strahlenden Helden taugen und ihre Rettungstaten eher widerwillig vollbringen. Craig verleiht seinem Tuvia bei aller Körperlichkeit und machohaftem Aktionismus eine nachdenkliche, fast philosophische Seite, die ihn als Anführer seiner zufälligen Gruppe glaubhaft werden lässt. Trotzdem darf er sich natürlich blutig durch den Matsch quälen, hart gegen sich und andere sein und sogar die hübscheste Dame des Camps (Alexa Davalos) für sich gewinnen. Immerhin darf die dann auch in prä-feministischem Geist zur Waffe greifen. Daneben zeigt Jamie Bell, dass er aus den Ballettschuhen seines "Billy Elliot" langsam heraus gewachsen ist.

Als Fazit bleibt: Ein guter Hollywoodfilm mit spannendem Thema, der leider die Möglichkeiten verpasst, eine spannende Skizze der Psyche von Menschen in einer Extremsituation zu zeichnen. Stattdessen opfert Regisseur Zwick die Tiefe allzu oft für ein paar mehr actiongeladene Verfolgungsszenen. Das hat es wohl gebraucht, um diesen Stoff in Hollywood an den Mann zu bringen. Was ihn wirklich interessant macht, wird dafür leider vernachlässigt. Was bleibt ist ein guter, solide gemachter Film, der es aber nicht schafft, trotz seiner authentischen Geschichte nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben.

Moritz Piehler

Ich finde es ehrlichgesagt ziemlich geschmacklos so einen Film zu machen.
Meine Vater und seine Eltern waren nach dem Krieg z.B. einer solchen Racheaktion ausgesetzt wie die in der der Held dieses Films gegen Anfang eine Familie erschießt - gottseidank hat der Eindringling damals nicht geschossen, sondern hat es sich anders überlegt - so daß es mich heute gibt.
In diesem Film geht es ja nicht um eine ernsthafte Aufarbeitung die ja richtig und gut wäre, sondern einzig und allein um Nervenkitzel und Voyeurismus und die Gewalt-Erotik zwischen den Figuren mit ihrem markigen russischen Akzent - der Film kommt für mich als ziemliche Farce rüber die zwischen Counterstrike und Schindlers Liste eher zu ersterem Tendiert.
Ich finde es ziemlich schlimm, mit tragischen Menschenschicksalen auf diese Weise Geschäfte zu machen.

7

Dieser Film ist bemerkenswert nicht-hollywoodmäßig. Ganz offensichtlich hat sich das Filmteam zur Vorbereitung einige osteuropäische Weltkriegsfilme angesehen - insbesondere eine Anlehnung an "Swesda / Stern" glaube ich erkannt zu haben. Man merkt, dass die Produzenten nicht einfach westeuropäische Muster auf Osteuropa übertragen wollten, und das tut dem Film sehr gut.

Leider kann sich "Defiance" nicht völlig aus seiner westlichen Herkunft lösen, und viele Charaktere bleiben eindimensional und stereotyp. Das ist schade, denn genau hier hätte der Film angesichts der spanndenen Vorlage punkten können.

Auch die Handlung hat interessante Ansätze, schafft es aber nicht, diese konsequent auszubauen. Da wird die Frage nach dem Verhalten der Judenräte gestellt - doch was ein gut gemachter Einstieg in ein sehr schwieriges Thema sein könnte, wird kurze Zeit später mit einer eher nichtssagenden Rechtfertigung wieder abgehakt. Darüber war ich schon ein wenig enttäuscht.

Was mir dagegen sehr gefallen hat, war die Auseinandersetzung mit dem Thema "Vergeltung". Wie schon in der Rezension vermerkt, macht der Film es sich nicht leicht und gibt für den Umgang der Opfer mit ihrem Schmerz auch keine abschließende Antwort. In Richtung der Täter würde ich die Message so formulieren: "Wenn jemand andere Menschen foltert, vergewaltigt und ermordet, dann muss er damit rechnen, dass die Überlebenden ihn dafür zur Rechenschaft ziehen möchten. Es ist möglich, dass sie auf ihre Rache verzichten. Aber einfordern kann ein Täter dies nicht."

Unterm Strich hätte "Defiance" sicher ein sehr viel besserer Film werden können. Aber er ist auch nicht schlecht, hat einige gute Momente und erzählt eine Geschichte, die erzählt werden sollte. Denn unbestritten haben die Bielski-Brüder über tausend Menschen vor dem sicheren Tod bewahrt. Allein schon um sich dies bewusst zu machen, hat es sich gelohnt, sich den Film anzusehen.

Dann sollten in Zukunft also nie Filme über Themen gemacht werden, bei dem es Menschen geben könnte, die eine andere Sicht auf die Geschichte haben?
Zuerst verursacht hier jemand Leid oder läßt es zu, wird danach aus eigenem Verschulden Racheopfer und dann pekiert sich jemand, wenn Völkermord zur Abwechslung mal aus Sicht zu Recht haßerfüllten Opfer gezeigt wird. Ich kanns nachvollziehen, denn so ein Verhalten ist absolut menschlich, wenngleich es alles andere als heldenhaft ist. Aber wer braucht schon Helden?

7

mal davon abgesehen das der film auf einer wahren begebenheit beruht, ist es ein sehr mitreißendes und gut gemachtes drama. vor allem finde ich es gut das auch solche themen in angriff genommen werden. gut gespielt und ein wunderschöner wald. der kritik gebe ich hier vollkommen recht!

im krieg geht es übrigens nie gerecht und fair zu... es verlieren immer alle beteiligten!!!

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