Filme
nach Romanvorlagen von John Grisham bestehen üblicherweise
aus den selben Grundbausteinen. Sie handeln nahezu ausnahmslos vom
Kampf um Moral und Gerechtigkeit und fast immer spielt sich eben
jener Kampf im Gerichtssaal ab. Dort stehen sich als Hauptprotagonisten
meist der junge, idealistische Anwalt, der sich gegen das scheinbar
übermächtige korrupte System auflehnt, und der gewiefte
Starverteidiger im Designeranzug gegenüber, der wiederum selbiges
System beschützen will. So oder ähnlich gesehen in Filmen
wie "Der Klient", "Die Jury", "Der Regenmacher"
oder auch "Die Firma", wobei letzterer bis heute als die
wohl gelungenste Grisham-Verfilmung gilt, und das bleibt leider
auch so nach "Das Urteil", der sich nicht nur titeltechnisch
nahtlos in die Reihe seiner zahlreichen Vorgänger einreiht.
Denn auch hier dreht sich wieder alles um einen spektakulären
Gerichtsprozess, genauer gesagt um die Schadensersatzklage einer
Witwe gegen einen namhaften Waffenkonzern, den sie für den
Tod Ihres Mannes, der beim Amoklauf
eines
Kollegen ums Leben gekommen ist, verantwortlich macht. "Gerichtsurteile
sind viel zu wichtig, um sie Geschworenen zu überlassen",
das ist jedenfalls die Meinung von Rankin Finch (Gene Hackman),
einem skrupellosen Jury-Berater, der von der Waffenfirma engagiert
wird, um den Prozess mit Hilfe der Auswahl, Überwachung und
Einschüchterung von Geschworenen zu gewinnen. Als sein Gegenspieler
fungiert der von Dustin Hoffman dargestellte Wendell Rohr, der als
Anwalt der Klägerin den Prozess mit fairen Mitteln gewinnen
möchte. Die Situation spitzt sich schließlich zu, als
beide Seiten von der geheimnisvollen Marlee (Rachel Weisz) die Jury-Entscheidung
gegen einen Millionenbetrag zum Kauf angeboten bekommen: Ihr schwer
zu durchschauender Freund Nick Easter (John Cusack) hat es in die
Gruppe der zwölf Geschworenen geschafft und manipuliert deren
Mitglieder subtil von Innen. Ein gefährliches Katz- und Mausspiel
um die entscheidenden Stimmen der Jury beginnt.
Auch
wenn es auf den ersten Blick so aussieht, ist "Das Urteil"
im engsten Sinne kein klassischer Gerichtsthriller. Der Film beschäftigt
sich weniger mit dem Prozess an sich, sondern vielmehr mit der Beeinflussung
der Geschworenen durch verschiedenste Druck- und Lockmittel. Konventionelle
Gerichtsszenen wechseln sich hier mit hektisch geschnittenen Bildern
aus Finchs Kommandozentrale ab, von wo aus die zwölf Geschworenen
mittels modernster Technik überwacht und studiert werden. "Das
Urteil" wirkt hier zuweilen wie eine Symbiose aus den Filmen
"Die Jury" und "Der Staatsfeind Nr.1", womit
wir bereits beim großen Problem des Films angelangt wären:
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, das Alles so oder in
ähnlicher Form schon mal irgendwo gesehen zu haben. Was leider
größtenteils der Vorlage von John Grisham anzulasten
ist, die zwar versucht das altbekannte Justizthriller-Schema mit
neuen Aspekten zu kombinieren, was in diesem Fall aber leider nur
sehr begrenzt gelingt, weil sich der Bestseller-Autor immer noch
zu sehr an sich selbst orientiert.
Zu
vorhersehbar wirkt hier daher nicht nur die Handlung an sich, sondern
auch die moralischen Motive der handelnden Personen und damit auch
die Botschaft, die uns "Das Urteil" am Ende vermitteln
möchte. Diese Art von Déja-Vu-Erlebnis wird unglücklicherweise
durch die Besetzung noch unterstützt, die zwar durchweg aus
hervorragenden Schauspielern besteht, die einzelnen Rollen wurden
aber leider allesamt nach dem Prinzip "Bloß keine Experimente"
vergeben. Hoffman spielt hier mal wieder den anständigen Moralisten
von nebenan ("Outbreak" lässt grüßen),
Hackman hat mal schnell Kevin Spaceys Part aus "Die Jury"
übernommen, und Cusack gibt erneut den undurchschaubaren Helden,
den wir von ihm auch schon gesehen haben. Natürlich erledigen
alle drei Ihre Aufgabe äußerst lobenswert und auch Rachel
Weisz bestätigt Ihren Ruf als ernstzunehmende, aufstrebende
leading lady von Hollywood, aber allgemein wäre hier eine Besetzung
gegen den üblichen Strich eindeutig eine Überlegung wert
gewesen.
Trotz allem bleibt anzumerken, dass "Das Urteil" mit Hilfe seiner tollen Schauspieler und seiner durchaus gelungenen Inszenierung den Zuschauer über die Gesamtlaufzeit von 138 Minuten mühelos unterhält und seine vorrangige Mission damit in gewohnt solider Grisham-Manier erfüllt. Leider hat man das Ganze 10 Minuten nach dem Abspann genauso mühelos wieder vergessen, was gepaart mit der offensichtlichen Nähe zu seinen Vorgängern schließlich zu einer Wertung von "nur" 7 Augen führt. "Das Urteil" bleibt also im Grunde all jenen zu empfehlen, die noch nicht allzu viele Grisham-Adaptionen gesehen haben, für alle anderen gilt: Ab in die Videothek, "Die Firma" ausleihen und gleiche Qualität für weniger Geld genießen.



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