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Das Schmuckstück

Das Schmuckstück
komödie , frankreich 2010
original
potiche
regie
francois ozon
drehbuch
francois ozon
cast
catherine deneuve,
gérard depardieu,
fabrice lucchini,
judith godrache, u.a.
spielzeit
103 Minuten
kinostart
24. März 2011
homepage
http://www.schmuckstueck-derfilm.de
bewertung

9 von 10 Augen

Suzanne Pujol (Catherine Deneuve) hat ein äußerst unbeschwertes Leben. Tochter (Judith Godrache) und Sohn (Jérémie Renier) sind schon erwachsen und ihr Mann Robert (Fabrice Luchini) ist Besitzer einer großen Regenschirmfabrik und verdient damit so viel, dass Suzanne in der großen Vorstadtvilla mit Dienstmädchen keinen Finger rühren muss. Deshalb sehen wir sie gleich zu Beginn von Fracois Ozons neustem Film "Das Schmuckstück" wie sie in einem lächerlichen Jogginganzug durch den Wald läuft, die Tiere beobachtet und sich als Möchtegern-Dichterin versucht. Ihr Alltag wird jäh gestört, als die Arbeiter der Regenschirmfabrik einen Streik beginnen und als Zeichen ihres Unmuts Robert kidnappen. Es ist an der Zeit, dass das Hausmuttchen Suzanne das Kommando übernimmt, ihren Ehemann rettet, die Arbeiter befriedet und die Firma wieder auf Kurs bringt.

Francois Ozon kehrt mit "Das Schmuckstück" zurück ins Komödienfach, wo er schon mit "8 Frauen" große Erfolge feiern konnte. In letzter Zeit hatte Ozon Filme wie am Fließband produziert. Manchmal waren es zwei pro Jahr. Doch die Periode seit seinem sozial-realistischen Märchen "Ricky" ist sicherlich nicht die Stärkste in seinem Werk. In Frankreich wird der einst als Wunderkind gefeierte Filmemacher nur noch müde belächelt. Umso erfreulicher ist es, dass sein neuer Film das Potential hat, ein ganz großer Publikumserfolg zu werden. Und das liegt zuallererst auch an der großen Dame des französischen Kinos - Catherine Deneuve.
Im Original trägt der Film den Titel "Potiche". Als Potiche bezeichnet man in Frankreich eine Trophäe, ein schönes und präsentables Stück wie z.B. eine Vase. Im Volksmund werden auch attraktive Frauen an der Seite von reichen und erfolgreichen Männern so genannt (die Amerikaner sagen "trophy wife"). So eine ist Suzanne, und Catherine Deneuve verkörpert diese Figur auf eine Weise, wie nur sie es kann. Sie verleiht ihr die nötige Balance zwischen versnobter Wohlstandsdame und innovativer Arbeiterin.
Es ist vor allem die Selbstverständlichkeit, mit der Suzanne im Laufe des Films zum Sinnbild einer weiblichen Führungskraft wird, die den Film - und damit ist auch immer Deneuves Leistung gemeint - zu einem der bislang wenigen Highlights dieses Kinohalbjahres macht. Wenn Suzanne mit Arbeitern verhandeln will, dann zieht sie sich die schönste und teuerste Perlenkette an. Darauf hingewiesen, dass dies den Verhandlungen möglicherweise hinderlich sein könnte, kommentiert sie auf ihre eigene und höchst charmante Art: "Wieso? Sollen die Arbeiter doch sehen, wofür sie geschuftet haben."
Dass dieser Humor nie zynisch und verachtend wird, liegt daran, dass Suzannes Figur sehr komplex angelegt ist. Die Fabrik hat nämlich ihrem Vater gehört. Sie kennt viele der Arbeiter. Nur weil ihr Gatte (nichts weiter als ein giftiger Gnom von einem Mann) die Fabrik mit eisernen Hand führt, heißt das noch lange nicht, dass sie diesen Stil befürwortet. Aber im Frankreich des Jahres 1977 widerspricht eine Frau ihrem Ehemann nicht. Das ändert sich vollständig, als Suzanne die Fabrik zu führen beginnt. Damit hat Ozon den ultimativen Film für all diejenigen gedreht, die schon längst eine Frauenquote in Unternehmen fordern und davon überzeugt sind, dass Frauen ohnehin die besseren Chefs wären. Nach "Das Schmuckstück" mag man ihnen nicht widersprechen.

Die Ausstattung des Films zeugt von einer enormen Liebe zum Detail und einem großen Verständnis für das Lebensgefühl und Flair des Frankreichs der 1970er Jahre. Der knallbunte, fast schon ins Comic-hafte überzeichnete Einsatz von Farben erinnert manchmal an die französischen Musicalfilme von Jacques Demy wie "Die Mädchen von Rochefort" oder "Die Regenschirme von Cherbourg". Für Ozons Talent spricht auch, dass er die damalige Zeit auch filmtechnisch reproduzieren kann. So verwendet er äußerst verspielt und einsatzfreudig Kreis- und Wischblenden wie aus einer mittelklassigen TV-Seifenoper jener Zeit.
Ein kleiner Produktionsfehler (?) hat sich dann aber doch eingeschlichen. Denn alle Autos - bis auf eine Ausnahme - haben im Film weiße Scheinwerfer, dabei hatten in Frankreich bis 1993 alle Autos gelbe Scheinwerfer. Das einzige Auto, das hier gelbe Scheinwerfer hat, gehört dem Bürgermeister des kleinen Städtchens, Maurice Babin. Und der wird von dem großartigen Gérard Depardieu gespielt. Maurice ist der moderne und unkonventionelle Führungsstil Suzannes ein Dorn im Auge. Vor allem, weil bald schon Abgeordnetenwahlen anstehen. Da hilft es auch wenig, dass sich Maurice und Suzanne in der Vergangenheit sehr nahe waren. Auch diese Geschichte erzählt Ozon, in Rückblenden, vollkommen absurd und dennoch genial als Sexfantasie zweier Menschen aus unterschiedlichen Klassen.
Das Treffen von Suzanne und Maurice kulminiert in einer denkwürdigen, komischen und gleichzeitig absolut genialen Szene auf der Tanzfläche einer kleinen schmutzigen Discobar. Was Gérard Depradieu und Catherine Deneuve hier aufführen, ist Komödie auf allerhöchstem Niveau. Dass die beiden sich dabei nicht blamieren liegt einzig und allein an ihrer Klasse. Sie erinnern einmal mehr daran, dass sie vollkommen zurecht Weltstars sind. Wenn heute jedem x-beliebigen Darsteller sofort das Wörtchen "Star" angeheftet wird, sollte man nicht vergessen, dass es einzig Künstler eines Kalibers wie Deneuve und Dépardieu sind, die dieses Wort würdig ausfüllen können.

Der Weg Suzannes führt am Ende (so muss es sein) in die Politik. Ein bewusstes Augenzwinkern in Richtung Monsieur Le President Nicolas Sarkozy mit seiner "Potiche" Carla Bruni, die bei den Franzosen immer noch beliebter ist als ihr Mann. Für Francois Ozon bedeutet sein neues Werk die Rückkehr zur alten Stärke. Mit messerscharfen, Screwball-artigen Dialogen und einem hervorragenden Darstellerensemble hat er eine Komödie gedreht, die gleichzeitig komplex, charismatisch, intelligent und unterhaltend ist, ohne dabei je vulgär zu werden oder sich irgendwelchen Moden anzubiedern. Wer dieses Jahr richtig lachen möchte und sich dabei von der Kraft einer denkwürdigen und charismatischen Frauenfigur verführen lassen will, der wird in "Das Schmuckstück" seine Erfüllung finden.

Patrick Wellinski

1

ABSOLUTER GÄHNFILM.
EINZIG LUSTIG WAREN DIE VORFILME VOR DIESEM HOCHGELOBTEN HAUPTFILM.

3

Ich glaub da muß man wirklich schon 100 sein, um den Film lustig zu finden. Das einzig positive aus meiner Sicht. Der Retro Effekt ist durchaus gelungen. Kommt schon voll 70er. Depardieur ist natürlich auch immer gut. Aber das wars auch schon.

BILD DER FRAU: Der Film ist

10

BILD DER FRAU: Der Film ist sehr unterhaltsam, spannend und super gespielt.
Dabei hat die Geschichte einigen gesellschaftspolitischen Tiefgang,
der zwar humorig verpackt wird, in Hinblick auf das Bild der Frau aber sehr aktuell ist.

"Mädels, schaut euch den Film an und dann geht mal wieder für Eure Rechte auf die Straße,
sonst findet Ihr Euch bald wieder zwischen Kinder, Küche und Kirche gefangen!"

Ein französischer Film mit 9

Ein französischer Film mit 9 Punkte-Bewertung ist unter Garantie nichtmal eine "Völlige-Langeweile-FreeTV-voller-(hier herzlich willkommener)-Werbeunterbrechungen-Zeitverschwendung" wert.

Mit diesem triefend bedeutungsschwangeren Dramaüberschuss und diesem sehr speziellen regionalen Witz kann ich zu 99% gar nichts anfangen.

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