kleine Werbepause
Anzeige

Das große Krabbeln

Das große Krabbeln
animations-komödie , usa 1998
original
a bug's life
regie
john lasseter, andrew stanton
drehbuch
andrew stanton, donald mcenery, bob shaw
cast
kai wiesinger,
madeleine stolze,
ottfried fischer, u.a.
spielzeit
95 Minuten
kinostart
11. Februar 1999
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

Jetzt mal ganz ehrlich - wer tut sich diesen Streifen freiwillig an? Ich vermute, man kann die Antwort auf diese Frage auf drei Hauptgruppen reduzieren: Kleine Hosenscheißer, Mädels, die ihre Freunde mit reinschleppen und Leute, denen wirklich extrem langweilig ist. Das ist eine Tatsache, keinesfalls aber eine Wertung. Dieser Film gibt wirklich einiges mehr her, als man erwartet. 
Die Story ist relativ schnell erzählt - es ist nun mal´n Film für jüngeres Publikum. 

Ein Ameisenvölkchen auf einer idyllischen Flußinsel lebt fleißig vor sich her, wird aber von einer Bande marodierender Heuschrecken terrorisiert. Selbige fallen einmal im Jahr über unsere sechsbeinigen Freunde her und fressen alles weg, was diese vorher geerntet haben. Sehr überzeugend hierbei übrigens Oberfiesling Hopper. Unter den Ameisen tut sich Flik hervor, der auszieht, um hilfsbereite Kampfinsekten aufzutreiben. Diese sollen dann Hopper und seine Bande das Fürchten lehren. 
Leider trifft er nur auf einen Haufen arbeitsloser Artisten aus einem Flohzirkus, die das Landei aber fälschlicherweise für kampfgestählte Schlägertypen hält. Die Story des Films dreht sich nun darum, wie die Zirkusleute gemeinsam mit den Ameisen den Aufstand proben. 
Soviel dazu.

Man kann von computergenerierten Filmen halten, was man will - ich persönlich sehe mir auch lieber echte Menschen an als Pixelhaufen aus staubigen Rechenzentren. Aber man muß in diesem speziellen Fall mal neidlos anerkennen: Die Jungs von Pixar haben sich echt eine Riesenarbeit gemacht. Es sieht schon klasse aus. Vom Schatten auf dem Boden bis zu den feinsten Veränderungen der Insektenmimik stimmt alles bis ins kleinste Detail. 
Davon abgesehen aber stimmt auch alles andere an diesem Film. Man hat einen Heidenspaß daran, denn die Jokes spielen sich nicht etwa, wie von Disney gewohnt, nur auf kindergartengemäßen Niveau ab. Tatsächlich fragt man sich eher, ob man selber als Siebenjähriger den einen oder anderen Witz überhaupt verstanden hätte. Etwa die Persiflage der beiden Pillendreherkäfer Tuck und Roll auf die allseits bekannten Polyesterturner des russischen Staatszirkus ist echt zum Schießen. Auch wenn jemand mit brennendem Fliegenpapier abgeflämmt wird und dutzende gehässiger Schmeißfliegen auf den Zirkusrängen  "Nochmal verbrennen!" grölen.... Das hat schon was.  Anspielungen auf Pulp Fiction finden sich ebenso wie Marienkäfer, die schwul werden und bayrisch grantlnde, fette Raupen ("oooooooh, i wer boald a Schmetterling!!").
Also - Spaß hat man schonmal auf alle Fälle. Ein besonderer Leckerbissen sind übrigens auch die gefaketen Bloopers, die neben den Schlußcredits gezeigt werden. Ganz im Stil der 70er/80er Classics wie "Bandit" und "Ferris macht blau" kann man hier angebliche Mißgeschicke bei den Aufnahmen sehen (Beispiel: Zwei Ameisen verheddern sich mit ihren Fühlern, der Regisseur schreit aus dem off:"SCHNITT!!" - totaler Unsinn halt).

Ich weiß nicht, ob ich jetzt zu weit gehe, wenn ich dem Film noch weiteren Tiefgang attestiere:
Erstaunlicherweise ist "Das große Krabbeln", obwohl aus dem Hause Walt-"I´m proud to be American"-Disney kommend, bei genauem Hinsehen politisch absolut inkorrekt... Hier kommt teilweise schon ein bißchen kommunistischer Anklang durch, die Auflehnung des arbeitenden Volks gegen die zahlenmäßig unterlegene Ausbeuterklasse ist da nur ein Aspekt. Naja, wahrscheinlich bietet sich das bei Ameisen auch an. Und abgesehen davon, daß die lieben Proletarier-Viecher überhaupt nichts von Fliks tollen Erfindungen halten (Zitat:"Damit können wir die Produktion erhöhen!"), also ganz wie in alten Sözialismüs-Zeiten, kommt das dargestellte Ameisensystem komplett kritiklos weg...... Es geschehen immer noch Zeichen und Wunder! :) - vor allem, wenn man bedenkt, daß Disney anno dazumal Erich Kästners "Konferenz der Tiere" als Drehbuch ablehnte, mit der Begründung "No Politics, please". Aber das ist ein anderes Thema.
Also: Das Große Krabbeln ist durchweg empfehlenswert - wer sich mit Zeichentrick-Filmen anfreunden kann, dem sei der Streifen durchaus ans Herz gelegt. 
Ich habe nur beim Rausgehen meine charmante Begleitung gefragt: "Glaubst du, die Ameisen in meinem Garten tun sowas auch?"

Rainer Leurs

Kommentar hinzufügen

Freiwillige Angabe; die E-Mailadresse wird nicht angezeigt.
 
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
3 + 0 =
Diese einfache Rechenaufgabe ist zu lösen und das Ergebnis einzugeben, z.B. muss für 1+3 der Wert 4 eingegeben werden.