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Das Comeback

Das Comeback
sport-drama , usa 2005
original
cinderella man
regie
ron howard
drehbuch
akiva goldsman
cast
russell crowe,
renee zellweger,
paul giamatti,
craig bierko, u.a.
spielzeit
144 Minuten
kinostart
8. September 2005
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

 

Die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts waren eine goldene Dekade für den Boxsport. Doch während man Namen wie Joe Louis und Max Schmeling auch heute niemandem erklären muss, ist der damalige Weltmeister Jim Braddock nahezu vergessen. Dabei prägte der "Cinderella Man" damals eine ganze Nation und gab ihr inmitten der großen Depression ein Stück Glauben an sich selbst zurück. Denn nach einem viel versprechenden Karrierestart erlebte Braddock zahlreiche Rückschläge: Der Verletzung seiner Schlaghand folgte ein finanzieller Absturz, der einherging mit dem fast vollständigen wirtschaftlichen Zusammenbruch des ganzen Landes. Doch genau wie die USA kämpft sich auch Braddock ganz langsam wieder aus dem Sumpf nach Oben, wobei ihm der Ruhm viel weniger wichtig ist als die Versorgung seiner geliebten Familie.

In der Tat ein Leben wie aus dem Märchen und somit wie gemacht für Hollywood. Eine eigentlich todsichere Einladung ans US-Publikum, mal wieder die Mär vom amerikanischen Traum hemmungslos miterleben zu können, zumal es sich eben auch noch um eine wahre Geschichte handelt. Doch so richtig interessiert war dieses Publikum an der neuen Zusammenarbeit von Regisseur Ron Howard und seinem Star Russell Crowe nach "A Beautiful Mind" dann erstaunlicherweise doch nicht. Woran hat es gelegen?

Sicher nicht an den Leistungen der eben genannten, denn die sind einfach viel zu talentiert und erfahren, um hier eine ernsthaft schwache Arbeit abzuliefern. Eher schon an der Tatsache, dass wir es mit einem weiteren Boxerfilm zu tun haben, dessen Hauptfigur keine wirklichen Ecken und Kanten besitzt. Denn nur in den ersten Minuten erweckt Crowes Figur kurz den Eindruck, vielleicht eines dieser selbstherrlichen Großmäuler zu sein, die dann aus eigener Schuld tief fallen werden. Aber nö, der Braddock James ist einfach nur ein verdammt netter und gutmütiger Kerl, stets um das Wohl von Frau und Kindern besorgt. Selbst in Zeiten größter Not ermahnt er seinen Sohn zur Ehrlichkeit und Gesetzestreue, sogar die staatliche Finanzhilfe mag er aus Stolz nicht annehmen. Als er es dann irgendwann doch tun muss, zahlt Braddock diese Unterstützung mit dem ersten Preisgeld nach seinem Comeback daher auch prompt zurück.
Fast zu gut um wahr zu sein, und so erfreulich es ja prinzipiell sein mag, mal keinen selbstzerstörerischen Exzentriker im Mittelpunkt eines großen Biopics stehen zu haben - irgendwo sind sie im Kino halt doch die Interessanteren, diese Exzentriker, die selbstzerstörerischen. Und weil Russell Crowes Charakter eben etwas eindimensional anständig ist und obwohl der geborene Neuseeländer auch so eine Figur überzeugend portraitieren kann, wird ihm dann doch in mancher Szene die Schau von seinem nur beinahe genauso gutmütigen Manager und Freund gestohlen. Was spätestens dann niemanden mehr überraschen sollte, wenn man erfährt, dass der geniale Paul Giamatti mit dieser Rolle nach "American Splendor" und "Sideways" die dritte Glanzleistung in Folge abliefert. Ach ja, Renee Zellweger ist als Braddocks treue Ehefrau übrigens auch dabei.

Alles zweifellos solide inszeniert, aber in einem Jahr in dem Clint Eastwoods "Million Dollar Baby" die Messlatte für einen emotional berührenden Boxerfilm sehr hoch gelegt hat, spielt der "Cinderella Man" eindeutig nur die zweite Geige. Zu wenig packen einen die immer erstaunlicheren Siege von Braddock, und wie sollten sie auch, wenn der Held selbst darum bemüht ist, ihre Bedeutung in aller Bescheidenheit herunterzuspielen - da war ja selbst der alte "Rocky" ein Temperamentsbündel gegen.
Aber im Ernst: Einen ordentlichen, aber keinen herausragenden Film haben wir hier, aufgrund der genannten dramaturgischen Schwächen. Punkten kann "Das Comeback" daher eher mit seinen Schauwerten, namentlich den überzeugend realistischen Kampfszenen im Ring und der beeindruckenden Rekonstruktion der Welt der 30er Jahre. Wenn es auch eine Zeit "großer Depression" war, so sieht diese hier zumindest großartig aus - wenn diese vielleicht etwas respektlose Bemerkung erlaubt ist.

Volker Robrahn

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