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Codename U.N.C.L.E.

Codename U.N.C.L.E.
agenten-komödie , usa 2015
original
the man from u.n.c.l.e.
regie
guy ritchie
drehbuch
guy ritchie, lionel wigram
cast
henry cavill,
armie hammer,
sylvester groth,
christian berkel,
hugh grant,
alicia vikander. elizabeth debicki, u.a.
spielzeit
116 Minuten
kinostart
13. August 2015
homepage
http://film.info/codenameuncle/
bewertung

6 von 10 Augen

uncle 1Auf dem Höhepunkt des kalten Krieges stehen sich in den sechziger Jahren vor allem auch in Berlin die beiden großen Machtblöcke aus Ost und West gegenüber. Bei einer Mission im Ostteil der Stadt macht der Top-Agent des CIA, Napoleon Solo (Henry Cavill) zum ersten Mal die Bekanntschaft seines russischen Kontrahenten Ilya Kuryakin (Armie Hammer). Zwar gelingt es Solo wie geplant die aparte Gaby Teller (Alicia Vikander) in den Westen zu überführen, doch zeigt er sich von den Fähigkeiten Kuryakins durchaus beeindruckt. Umso verblüffter reagieren beide Agenten, als Ihnen Ihre beiden Vorgesetzten kurz darauf erläutern, dass sich doch bitte ab sofort zusammen arbeiten sollen. Denn die Bedrohung durch eine neuartige Bombe, die Gabys Vater, der geniale Wissenschaftler Udo Teller (Christian Berkel) für eine gefährliche Verbrecherorganisation zusammenbastelt, erfordert ungewöhnliche Maßnahmen. Nur äußerst widerwillig finden sich Solo und Kuryakin mit der neuen Situation ab und beim folgenden Einsatz treten ihre unterschiedlichen Einstellungen und Charaktereigenschaften dann auch schnell zu Tage und drohen die heikle Mission mehr als einmal zum Scheitern zu bringen.
 

uncle 2Die Story ist natürlich hanebüchen, aber angesichts der Art wie Guy Ritchie diesen Film inszeniert kann das eigentlich auch gar nicht anders sein. Denn es wäre wohl kein besonders erfolgversprechendes Konzept gewesen, die Kinoversion der alten TV-Serie „The Man from U.N.C.L.E.“ (die hierzulande unter dem leicht abgewandelten Titel „Solo für „O.N.K.E.L.“ lief) auf die gleiche ernsthafte Art anzugehen wie zu der Zeit, in welcher der kalte Krieg zwischen den Supermächten mit all seinen Absurditäten noch in vollster Blüte stand. Noch stärker als bei seinen „Sherlock Holmes“-Filmen kehrt Regisseur Ritchie hier stattdessen zu seinen Wurzeln des eher schrägen Humors zurück, mit dem der Brite einst seine Karriere startete. Schon von der ersten Sequenz an, einer recht langen, aber äußerst gewitzten und amüsanten Verfolgungsjagd durch Ost-Berlin wird klar, dass hier „Augenzwinkern“ angesagt ist und zwar durchgehend. Vor allem der KGB-Agent Kuryakin wird dabei als eine Art „Superman“ inszeniert, der fast übermenschliche körperliche Fähigkeiten besitzt, ein Auto auch mal zu Fuß verfolgt und es mit purer Kraft (beinahe) zum Halten bringt.   

uncle 3Eine interessante Besetzung, war doch vor kurzem noch sein hiesiger Gegenspieler Henry Cavill der „Man of Steel“. Der macht jedoch diesmal eine erstaunlich gute Figur im geschniegelten Anzug und führt auch verbal eine deutlich feinere Klinge als der bullige Russe. Doch auch Armie Hammer kann in seiner Rolle deutlich mehr überzeugen als etwa in seiner Titelrolle als „Lone Ranger“. Mit ihren beiden TV-Vorgängern Robert Vaughn und David McCallum haben die neuen Inkarnationen von Napoleon Solo (was für ein Name überhaupt!) und Ilya Kuryakin allerdings recht wenig Ähnlichkeit – eher wirkt der neue Solo wie eine moderne, jüngere Version von John Steed aus „Mit Schirm, Charme und Melone“. Alicia Vikander beeindruckte zuletzt als künstliche Intelligenz in „Ex Machina“ und hat hier nun die etwas undankbare Rolle als „Gaby“ mit ihren Verwandten sehr viel deutsch sprechen zu müssen, was in der Originalfassung leider nicht sehr authentisch rüberkommt. Bei Onkel und Vater Teller hat man dann aber doch lieber gleich auf deutsche Schauspieler zurückgegriffen, so dass Christian Berkel und „Polizeiruf 110“-Darsteller Sylvester Groth in dieser Hollywood-Produktion mitwirken dürfen und vor allem Groth sich dabei als eiskalter Alt-Nazi mächtig ins Zeug legen darf.

uncle 4Das weltbedrohende Komplott, bei dem er fleißig mitwirkt, ist allerdings trotzdem ein reichlich Absurdes. Gerade weil das der Inszenierung auch jederzeit bewusst ist, passen einige recht harte und brutale Szenen dann auch nicht so recht zum sonstigen Ton des Films. Da konnte Guy Ritchie offenbar aus alter Gewohnheit der Versuchung nicht widerstehen seine typische Prise schwarzen Humors mit einzuflechten, doch darauf hätte er hier besser verzichtet. Denn der Rest von „Codename U.N.C.L.E.“ ist in seinem gediegenen 60er Jahre-Stil nun mal von einer fast schon beschwingten Leichtigkeit, was durchaus wörtlich zu nehmen ist, wenn sich etwa Napoleon Solo ganz entspannt bei Musik, Baguette und Wein entspannt, während sein Kollege ein paar Meter entfernt gerade gegen eine Überzahl Schurken um sein Leben kämpft.

Derartige Szenen gibt es zwar einige, aber trotzdem eigentlich noch ein paar zu wenig, so dass der Film über die gesamte Laufzeit nicht ganz ohne Längen bleibt. Alles in allem stimmt aber die gewählte Herangehensweise an eine der vielleicht letzten klassischen Fernsehserien, die noch nicht fürs Kino neu aufbereitet wurde. An den Spannungs- und Adrenalinfaktor der modernen Version des damaligen TV-Genre-Konkurrenten „Mission Impossible“ reicht diese Adaption von „U.N.C.L.E.“  zwar nicht heran, doch das hat man eben auch gar nicht erst versucht, sondern sich lieber für die Variante leicht bekömmliche, atmosphärisch-stylige Zwischenmahlzeit entschieden. Das kann man so machen.

Volker Robrahn

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