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Catch me if you can

Catch me if you can
gauner-komödie , usa 2002
original
catch me if you can
regie
steven spielberg
drehbuch
jeff nathanson
cast
tom hanks,
christopher walken,
martin sheen,
jennifer garner,
leonardo dicaprio, u.a.
spielzeit
140 Minuten
kinostart
30. Januar 2003
homepage
bewertung

8 von 10 Augen

Für Frank Abagnale jr. (Leonardo DiCaprio) sind die "Swinging Sixties" eine Zeit, in der er um sein eigenes Überleben kämpfen muss. Seinen Vater (Christopher Walken) verehrt er, doch dessen berufliche Misserfolge und Schulden erdrücken die Familie. Als sich Franks Mutter schließlich sogar scheiden lässt, reißt er mit sechzehn Jahren einfach von Zuhause aus. Auf sich allein gestellt und lediglich mit einem Bündel ungedeckter Schecks auf seinen Namen ausgestattet, beginnt Frank eine bemerkenswerte Karriere als Schwindler und Betrüger. Er kauft sich eine Pilotenuniform und gibt sich damit als Angestellter einer Fluggesellschaft aus. Er nimmt nacheinander auch noch die Identität eines Arztes und Anwalts an und schädigt verschiedene Banken in Millionenhöhe. Durch sein selbstbewusstes und charmantes Auftreten gelingt es Frank dabei immer wieder andere zu täuschen und seinen Verfolgern zu entwischen. Doch nachdem er den FBI-Agenten Carl Hanratty (Tom Hamks) zum Narren hält, macht dieser verbissene Bürokrat die Ergreifung Abignales zu seiner Lebensaufgabe. Und der hartnäckige Agent erkennt auch bald die große Schwäche seiner Nemesis: Denn trotz eines Lebens in Saus und Braus ist Frank ein sehr einsamer Mensch, der sich Niemandem anvertrauen kann. Und so entwickelt sich zwischen den beiden Kontrahenten ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem der FBI-Mann langsam die Oberhand gewinnt.

Eine größtenteils leichte und beschwingte Komödie ist vielleicht so ziemlich das Letzte, was das Publikum von Regie-Titan Steven Spielberg erwartet. Ist dieser doch für große Epen bekannt, die entweder als mit bombastischen Spezialeffekten ausgestattete Spektakel oder als anspruchsvolle Historiendramen daherkommen. Und kurz nach dem verschachtelten "Minority Report" erscheint "Catch me if you can" auf den ersten Blick wie eine entspannte Fingerübung, die eher durch die großen Namen in der Besetzungsliste Aufmerksamkeit erregt. Doch Spielberg beweist hier eindrucksvoll, dass er auch dieses Genre beherrscht, und liefert einen Film ab, der in seiner Art der Inszenierung schon fast einen Anachronismus zur heute gängigen Hollywoodware darstellt.
Spielberg stellt seine Figuren absolut in den Vordergrund, verzichtet auf jeglichen Bombast und aufwändige Actionszenen, nimmt sich viel Zeit für seine Geschichte und sich selbst dabei auffallend zurück. So dauert es über eine halbe Stunde, das auseinander brechende Familienleben der Abignales zu schildern und dabei die Wurzeln des Hauptcharakters offen zulegen. Hier wird dann auch sehr schnell deutlich, dass "Catch me if you can" nicht wirklich nur die unverbindliche Komödie ist, als die das Werk in der Werbung verkauft wird. Denn es gelingt Spielberg hier durchaus, seinen Charakteren soviel Tiefgang zu verleihen, um sie als eher tragische Figuren wirken zu lassen: Die Einsamkeit des im Luxus lebenden Gejagten und der auf ein einziges Ziel reduzierte Lebensinhalt seines Jägers.
Zu diesem Gelingen tragen natürlich nicht zuletzt die Darsteller bei: Leonardo DiCaprios Karriere schlingerte nach dem überdimensionalen Erfolg von "Titanic" seit einiger Zeit eher ziellos vor sich hin und wird jetzt (zusammen mit dem gleichzeitig startenden "Gangs of New York") endlich wieder belebt. Tom Hanks - ansonsten auch dafür bekannt einen Film mit seiner Darstellung fast ganz alleine zu tragen - bietet eine eher leise Vorstellung und macht dabei mit seinem Charakter trotzdem einen glaubwürdigen Reifeprozess durch. Und noch einmal muss der Begriff "Zurückhaltung" hier im positiven Sinne verwendet werden, denn auch der endlich mal wieder in einer großen Produktion mitwirkende Christopher Walken überzeugt damit in seiner Darstellung eines stets strebenden, aber letztendlich chancenlosen Verlierers.

Die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten ist dabei das entscheidende und verbindende Element des Films, denn ansonsten hätten wir es hier nur mit einer unterhaltsamen und oft witzigen Nummernrevue zu tun, die auch "Die aufregenden Abenteuer des Frank Abignale jr." heißen könnte. Die Entwicklung dieser Beziehung schlägt dabei zwar manchmal etwas unglaubwürdige Kapriolen, aber mit einem kurzen Vermerk auf den "wahren Hintergrund" der Geschichte nimmt man das dann auch gerne hin. Und freut sich ganz nebenbei darüber, dass selbst Spielbergs Haus- und Hofkomponist John Williams plötzlich in der Lage ist, von seinen standardisierten Bombastorchestrierungen abzusehen und hier einen sehr passenden und relaxten Score abzuliefern.
Manch einer mag "Catch me if you can" auch deshalb als behäbig, langsam und zu lang bezeichnen, doch das ist dann wirklich eine Geschmacksfrage und kann man (wie oben beschrieben) auch ganz anders sehen. Letztendlich haben alle Beteiligten hier nämlich einen sehr stimmigen und gelungenen Film geschaffen - und das auch noch ziemlich unerwartet.

Volker Robrahn

Wie, beinahe 10 Jahre alt und

Wie, beinahe 10 Jahre alt und kein Kommentar?! Zu o.g. Rezession gibt es auch kaum etwas hinzuzufügen. Der Film unterhält kurzweilig auf hohem Niveau. Nicht nur der Film ist erwähnenswert, sondern allein der Vorspann mit der Musik ist genial. "Original" Retro in Optik u. Sound. Empfehle auch den Kauf der Filmmusik..

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