Für Frank Abagnale
jr. (Leonardo DiCaprio) sind die "Swinging Sixties" eine
Zeit, in der er um sein eigenes Überleben kämpfen muss.
Seinen Vater (Christopher Walken) verehrt er, doch dessen
berufliche
Misserfolge und Schulden erdrücken die Familie. Als sich
Franks
Mutter schließlich sogar scheiden lässt, reißt er
mit sechzehn Jahren einfach von Zuhause aus. Auf sich allein
gestellt
und lediglich mit einem Bündel ungedeckter Schecks auf
seinen
Namen ausgestattet, beginnt Frank eine bemerkenswerte
Karriere als
Schwindler und Betrüger. Er kauft sich eine Pilotenuniform
und
gibt
sich
damit als Angestellter einer Fluggesellschaft aus. Er nimmt
nacheinander
auch noch die Identität eines Arztes und Anwalts an und
schädigt
verschiedene Banken in Millionenhöhe. Durch sein
selbstbewusstes
und charmantes Auftreten gelingt es Frank dabei immer wieder
andere
zu täuschen und seinen Verfolgern zu entwischen. Doch
nachdem
er den FBI-Agenten Carl Hanratty (Tom Hamks) zum Narren
hält,
macht dieser verbissene Bürokrat die Ergreifung Abignales zu
seiner Lebensaufgabe. Und der hartnäckige Agent erkennt auch
bald die große Schwäche seiner Nemesis: Denn trotz eines
Lebens in Saus und Braus ist Frank ein sehr einsamer Mensch,
der sich
Niemandem anvertrauen kann. Und so entwickelt sich zwischen
den beiden
Kontrahenten ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem der FBI-Mann
langsam
die Oberhand gewinnt.
Eine
größtenteils leichte und beschwingte Komödie ist
vielleicht so ziemlich das Letzte, was das Publikum von
Regie-Titan
Steven Spielberg erwartet. Ist dieser doch für große
Epen bekannt, die entweder als mit bombastischen
Spezialeffekten
ausgestattete Spektakel oder als anspruchsvolle
Historiendramen
daherkommen. Und kurz nach dem verschachtelten "Minority
Report" erscheint "Catch me if you can" auf den
ersten Blick wie eine entspannte Fingerübung, die eher
durch
die großen Namen in der Besetzungsliste Aufmerksamkeit
erregt.
Doch Spielberg beweist hier eindrucksvoll, dass er auch
dieses Genre
beherrscht, und liefert einen Film ab, der in seiner Art
der Inszenierung
schon fast einen Anachronismus zur heute gängigen
Hollywoodware
darstellt.
Spielberg stellt seine Figuren absolut in den Vordergrund,
verzichtet
auf jeglichen Bombast und aufwändige Actionszenen, nimmt
sich
viel Zeit für seine Geschichte und sich selbst dabei
auffallend
zurück. So dauert es über eine halbe Stunde, das
auseinander
brechende Familienleben der Abignales zu schildern und
dabei die
Wurzeln des Hauptcharakters offen zulegen.
Hier
wird dann auch sehr schnell deutlich, dass "Catch me if
you
can" nicht wirklich nur die unverbindliche Komödie ist,
als die das Werk in der Werbung verkauft wird. Denn es
gelingt Spielberg
hier durchaus, seinen Charakteren soviel Tiefgang zu
verleihen,
um sie als eher tragische Figuren wirken zu lassen: Die
Einsamkeit
des im Luxus lebenden Gejagten und der auf ein einziges
Ziel reduzierte
Lebensinhalt seines Jägers.
Zu diesem Gelingen tragen natürlich nicht zuletzt die
Darsteller
bei: Leonardo DiCaprios Karriere schlingerte nach dem
überdimensionalen
Erfolg von "Titanic" seit einiger Zeit eher ziellos vor
sich hin und wird jetzt (zusammen mit dem gleichzeitig
startenden
"Gangs of New York") endlich wieder belebt. Tom Hanks
- ansonsten auch dafür bekannt einen Film mit seiner
Darstellung
fast ganz alleine zu tragen - bietet eine eher leise
Vorstellung
und macht dabei mit seinem Charakter trotzdem einen
glaubwürdigen
Reifeprozess durch. Und noch einmal muss der Begriff
"Zurückhaltung"
hier im positiven Sinne verwendet werden, denn auch
der
endlich mal wieder in einer großen Produktion mitwirkende
Christopher Walken überzeugt damit in seiner Darstellung
eines
stets strebenden, aber letztendlich chancenlosen
Verlierers.
Die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten ist dabei
das entscheidende
und verbindende Element des Films, denn ansonsten hätten
wir
es hier nur mit einer unterhaltsamen und oft witzigen
Nummernrevue
zu tun, die auch "Die aufregenden Abenteuer des Frank
Abignale
jr." heißen könnte. Die Entwicklung dieser Beziehung
schlägt dabei zwar manchmal etwas unglaubwürdige
Kapriolen,
aber mit einem kurzen Vermerk auf den "wahren Hintergrund"
der Geschichte nimmt man das dann auch gerne hin. Und
freut sich
ganz nebenbei darüber, dass selbst Spielbergs Haus- und
Hofkomponist
John Williams plötzlich in der Lage ist, von seinen
standardisierten
Bombastorchestrierungen abzusehen und hier einen sehr
passenden
und relaxten Score abzuliefern.
Manch einer mag "Catch me if you can" auch deshalb als
behäbig, langsam und zu lang bezeichnen, doch das ist dann
wirklich eine Geschmacksfrage und kann man (wie oben
beschrieben)
auch ganz anders sehen. Letztendlich haben alle
Beteiligten hier
nämlich einen sehr stimmigen und gelungenen Film
geschaffen
- und das auch noch ziemlich unerwartet.


Kommentar hinzufügen