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Cabin Fever

Cabin Fever
horror , usa 2002
original
cabin fever
regie
eli roth
drehbuch
eli roth, randy pearlstein
cast
rider strong,
jordan ladd,
james debello,
cerina vincent, u.a.
spielzeit
89 Minuten
kinostart
homepage

"Cabin Fever", nach seinem Verleihversion-Debüt Anfang des Jahres nun von Sunfilm auch als schöne 2 Disc-Special Edition auf den Markt gebracht, liest sich auf dem Papier gänzlich wie ein komplett alter Hut: Fünf Teenager wollen ihren Schulabschluss so richtig zünftig feiern. Also mieten sie sich eine abgelegene Blockhütte für ein bierseliges Wochenende. Als jedoch ein kranker, mit einem mysteriösen Virus infizierter Jäger vor der Tür steht und sie um Hilfe bittet, nimmt der fröhliche Ausflug eine unschöne Wendung. Denn obwohl die Teens den Kranken verscheuchen, nistet sich der Virus bei ihnen ein, der seine Opfer bei lebendigem Leib auffrisst. Kein Wunder, dass bald neben den Nerven auch das erste Fleisch blank liegt ... und das ist erst der Anfang.

Zuallererst gilt es mal, Erwartungshaltungen zu revidieren. "Cabin Fever" ist trotz einiger extrem garstiger Szenen kein Horrorfilm, sondern eine tiefschwarze Komödie, so wie Peter Jacksons völlig überzogene ‚Splatstick'-Revue "Braindead" eine schwarze Komödie war. Eine mit Zombies und Eingeweiden. "Cabin Fever" ist ein Bastard aus Teenager-Sex-Posse und "Evil Dead"-Hommage, eine Ekelkomödie im Gewand des Horrorschockers, ein Gruselmixtape verschiedener verrückter Einfälle. Von denen funktionieren zugegebenermaßen nicht alle, aber doch der Großteil, und dadurch macht "Cabin Fever" richtig Laune und entwickelt einen enormen Unterhaltungswert.
Denn auch wenn Regisseur und Autor Eli Roth den Absurditäten so viel Raum lässt, dass "Cabin Fever" als reiner Horror- oder Spannungsfilm nicht funktioniert, so hat er genug gelungene Einfälle und Einzelszenen in der Hinterhand, um es nie langweilig werden zu lassen. Aus dem fleischfressenden Virus hätte man bei entsprechend ernsthafter Behandlung vermutlich tatsächlich einen richtig furchterregenden Schocker machen können, aber Roth reicht es schon, zwei wirklich erinnerungswürdige und auch recht derbe Momente (die Befummelungsszene - oder "fingerbang misfire", wie die Beteiligten das so schön nennen - und die Beine-rasieren-Szene) daraus zu spinnen, ansonsten wird der Film für allerlei Seitenabzweigungen genutzt.
Man kann sehr wohl sehen, dass Roth aus dem Dunstkreis des exzentrischen Mysterienmeisters David Lynch kommt, denn wie dieser lässt er schon mal Storystringenz links liegen, um eine improvisierte Szene hereinzunehmen oder eine narrative Abschweifung zu machen. Vom tiefschwarzen, auch merkwürdigen Humor mal ganz zu schweigen. Drum bringt Roth - nachdem sich nach etwa einer Stunde Laufzeit das Virus einigermaßen erschöpft hat - mal eben noch einen Killerhund, schießwütige Rednecks, einen verrückten Wildunfall und manch absurde Slapstickszene (der Mann mit der Mundharmonika ... Spiel mir das Lied vom Tod, fürwahr) mit hinein und den Film so über die Runden. Lynch-esk ist auch die Figur des Deputy Winston, die gänzlich aus einem anderen Film herübergewandert zu sein scheint. Und schließlich lieh Lynch Roth auch noch seinen Hauskomponisten Angelo Badalamenti aus, der drei typische Stücke beisteuert, von denen das schwelgerische "Red Dream" an "Laura Palmer's Theme" aus der Kultserie "Twin Peaks" erinnert und fast genau so großartig ist.
Bei all diesen netten Sachen stört es dann auch nicht so sehr, dass die Charaktere wie viele ihrer Vorgänger aus den gehuldigten Horrorfilmen aus den 1970er Jahren doch sehr eindimensional gezeichnet sind und auch die Darstellerleistungen eher mäßig ausfallen. Ganz und gar ausgezeichnet ist dagegen die Kameraarbeit von Scott Kevan, besonders wenn man bedenkt, dass dieser Low-Budget-Film in nur drei Wochen abgedreht wurde. Wie John Carpenter bei seinen Frühwerken schaffen Roth und Kevan es, diesen Film wie einen wesentlich teureren aussehen zu lassen, und vom technischen Standpunkt her verrät der Film nirgendwo seine günstige Herstellung.

Technisch weiß auch die Heimversion des Films vollauf zu überzeugen: Der Film erstrahlt in warmen, satten Farben, der 5.1-Mix bietet einige nette Räumlichkeitseffekte und das Bild liegt - anders als bei der Verleihversion - im Originalbreitbildformat (2,35:1) vor. Und auch die Bonussektion fängt schon auf DVD 1 ganz generös mit fünf (!) Audiokommentaren an, an denen jeweils auch der auf den DVDs omnipräsente (und immer enthusiastische) Regisseur und Autor Eli Roth beteiligt ist. Track eins bestreitet er im Alleingang, redet dabei u.a. darüber, wie schwierig es war, diesen Film zu machen und wie dies letztlich gelungen ist und weist auch auf die erwähnten vielfältigen Referenzen auf andere 1970er-Jahre-Klassiker des Horrorfilms hin. Auf den anderen vier Kommentarspuren wird er von seiner Besetzung und der Crew begleitet, und wenn Roth in seiner Funktion als Moderator seine Mitsprecher/innen erschöpft hat, ruft er noch mal flink Mami und Papi oder seinen alten Uni-Professor an, um diese zum Film zu befragen. Auch mal was anderes. Kurzum: Wer den Audiokommentar sein Lieblingsextra nennt, wird hier reichlich fündig.
Die Extras auf DVD 2 lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen, in nützliche Hintergrundinformationen und leidlich komische Witzbeiträge der Marke Insiderjoke. Zu letzterem darf man die "Familienversion von Cabin Fever" ebenso zählen wie die "Pancakes"-Musikvideos, in denen Matthew Helms alias Dennis, das Vokuhila-Karate-Kind aus der Hölle, synchron zu Songs wie "Gay Bar" zeigen darf, was er so an fernöstlicher Kampfkunst drauf hat. Bizarr ist noch das Beste, was einem dazu einfällt. Ebenfalls nicht mehr als ein müdes, auch ungläubiges Lächeln, ringt einem die "Naked News"-Featurette ab, in der ein wahlweise weiblicher oder männlicher Sprecher im Adamskostüm eine Kurzkritik zum Film herunterrasselt. Entschädigt wird man für solchen Nonsens mit einem sehr gelungenen 30-minütigen Making Of namens "Beneath the Skin", das - sobald die gegenseitigen Lobeshymnen der Darsteller erst mal ausgestanden sind - mit der Art von interessantem Hintergrundmaterial aufwartet, die einen erfreut.
Urkomisches Highlight ist das Kapitel über "Jake, den Killerhund", in dem die Schwierigkeiten auf der Suche nach einem furchteinflößenden Hund gezeigt werden, hatte man doch anfangs irrtümlich einen alten, dicken und absolut zutraulichen Kuschelhund engagiert, der nun niemandem Angst machte. Eli Roth hat auch nach den Audiokommentaren und dem Making Of noch nicht genug geplaudert, also gibt es noch ein 13-minütiges Interview mit ihm als Nachschlag obendrauf. Highlight der Boni sind aber drei Animationsfilme von Eli Roth, die die vulgären und gewalttätigen Abenteuer der britischen Band "Rotten Fruit" zeigen. Und diese animierten Früchte sind in der Tat freche Früchtchen, die irgendwo zwischen "South Park" und "Meet the Feebles" einpendeln. Wem der absurde schwarze Humor des Hauptfilms gefallen hat, der wird auch hier auf seine Kosten kommen.

Sowohl über den Film als auch die dazugehörige DVD lässt sich eins sagen: sie machen Spaß. "Cabin Fever" wird nicht die Welt verändern oder den Horrorfilm neu erfinden, aber er wird in nicht zu engen Genre-Grenzen denkenden Freunden des Blutigen, des Absurden und des wilden Ideenreichtums abseits von Hollywood einen enorm unterhaltsamen Heimkinoabend bescheren.

Simon Staake

Vor allem die abgedrehten und

7

Vor allem die abgedrehten und surrealen Elemente (Stichwort: Karate-Teenager) heben diesen kleinen Bastardfilm aus der Masse hervor. Einfach geil!

Cabin Fever ist einer der

7

Cabin Fever ist einer der ekeligsten Horrorkomödien ever!!!
7 von 10 Punkten
Gruselig ist es eher nicht - bei den Teenagern löst sich das Fleisch auf, da kann nicht so Spannung aufkommen.
Aber seit gewarnt: nicht dabei Essen!!!

Hm. Nachdem ich nun andere

7

Hm. Nachdem ich nun andere Werke des Regisseurs kenne (v.a. Hostel), bin ich mir nicht mehr so sicher, ob dieser Film wirklich ein solcher Geniestreich ist oder ob Herr Roth das nicht wirklich ernsthafter meint, als es rüberkommt.
Die Charaktere sind jedenfalls genau gleich angelegt, wie in Hostel: für den Durchschnittszuschauer eher keine Identifikationsfiguren, sondern sex-, drogen- und alkoholgeile Unsympathen. Man kann das hier durchaus als Absicht verstehen, da der gesamte Film tatsächlich eher der Humorschiene zuzuordnen ist und somit eine Überspitzung amerikanischer Teenies passend wirkt, aber wie eingangs erwähnt: nachdem im deutlich ernster gemeinten Film Hostel im Prinzip die gleichen Typen auftreten und in der Fortsetzung auch die weiblichen Darsteller diese Züge aufweisen, glaube ich eher, dass Roth denkt, das sei eben die Teenie-Realität oder die Einstellung der Zielgruppe und gar keine anderen "Charaktere" schaffen kann.
Wie dem auch sei: Cabin Fever ist dennoch unterhaltsam und weiß mit seinen drastischen Effekten, dem einen oder anderen bösen Gag (vor allem gegen Ende) zu ekeln und/oder zu begeistern. Wobei ich den "WTF"-Gag mit dem beißenden Karate-Kid sogar für diesen Film zu schräg fand, aber gut. Lachen und vergessen.
Somit vergebe ich guten Gewissens doch noch 7 positive Augen und unterdrücke die Tatsache, dass auch ernst gemeinte Filme des Regisseurs nicht viel anders aufgebaut sind. Oder ich habe Hostel als Horrorkomödie völlig verkannt.

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