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Brighton Rock

Brighton Rock
drama , großbritannien 2010
original
brighton rock
regie
rowan joffe
drehbuch
rowan joffe
cast
helen mirren,
john hurt,
sam riley,
andrea riseborough, u.a.
spielzeit
111 Minuten
kinostart
21. April 2011
homepage
http://www.brightonrock.kinowelt.de
bewertung

5 von 10 Augen

"Brighton Rock" von Graham Greene ist nicht nur einer der berühmtesten englischen Romane des 20. Jahrhunderts, die Geschichte um den Aufstieg des Gangsters Pinkie Brown im Seebad Brighton der 30er Jahre wurde auch bereits 1947 mit Richard Attenborough (damals noch nicht Sir oder Lord) in der Hauptrolle verfilmt und gilt als Mutter aller englischen Gangsterfilme. Keine ganz leichte Adaption also, die sich Drehbuchautor Rowan Joffe, der hier zum ersten Mal auch Regie führt, ausgesucht hat.

Wichtigste Änderung: Joffe verlegt die Geschichte in eine andere Zeit. Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Umwälzungen der 1960er Jahre in Brighton, dessen Straßen von Mods und Rockern bevölkert werden, arbeitet der 17-jährige Pinkie Brown (Sam Riley) an seinem Aufstieg in der Gang-Hierarchie. Dabei schwankt Pinkie stets zwischen Angst und Größenwahn. Als er den Mord an einem Mitstreiter rächt, patzt er gleich zweimal: Er legt sich mit dem mächtigen Mobster Colleoni (Andy Serkis) an, und es gibt eine Zeugin, die schüchterne Kellnerin Rose (Andrea Riseborough), die sowohl Pinkie als auch das Opfer identifizieren kann. Um der Polizei und damit der Todesstrafe zu entgehen, gibt es für Pinkie nur einen Ausweg: Er muss Rose dazu bringen, ihn zu heiraten.

Man kann Rowan Joffe schlecht vorwerfen, dass Graham Greene, anders als bei der ersten Verfilmung seines Romans, nicht das Drehbuch zu "Brighton Rock" geliefert hat. Aber dass Joffe das zentrale Element des Romans, Pinkies ganz individuelle Auseinandersetzung mit dem katholischen Glauben, soweit reduziert, dass sie nur noch äußerst wenig Sinn ergibt, schon. Auch Pinkies Werben um Rose und ihre Reaktion darauf sind gänzlich unglaubwürdig, was sowohl am Drehbuch als auch an den Darstellern liegt. Mal wirbt Pinkie um Rose mit den Worten "Du bist altmodisch, genau wie ich", dann wieder heißt es "ich bin schlecht, du bist gut, wir gehören zusammen." Meistens ist er allerdings nur rüpelhaft zu ihr - warum Mauerblümchen Rose sich auf Pinkie einlässt, bleibt dem Zuschauer ein Rätsel.
Sam Riley passt zwar äußerlich perfekt in die Rolle, sobald er aber verloren den Kragen seines Mantels hochschlägt sieht man wieder Ian Curtis aus "Control" vor sich. Bei der Besetzung der Nebenrollen geht Joffe zwar auf Nummer sicher, aber Helen Mirren als Roses Beschützerin Ida und John Hurt als ihr Verbündeter bleiben leider nicht genug Leinwandzeit, um den Film zu retten, obwohl die beiden ihr Bestes tun, in ihren kleinen Parts zu glänzen. Dabei geht leider auch die Tatsache, dass Ida als moralischer Kontrapunkt zu Pinkie erdacht wurde, etwas unter.

Wo Joffes Drehbuch holpert, begeistern hingegen die Bilder von Kameramann John Mathieson ("Gladiator"). Trotz Farbe gibt er dem idyllischen Seebad Brighton (bzw. dem historisch besser erhaltenen Drehort Eastbourne) einen Hauch von Film Noir, besonders in den immer wiederkehrenden Aufnahmen des Meeres und des ikonischen Piers. Mathiesons Aufnahmen der Mods auf ihren Rollern sind zwar für sich gesehen grandiose, stimmungsvolle Bilder. Hier wirken sie allerdings fehl am Platze und eher wie ein missglücktes Zitat von "Quadrophenia". Dies wird noch unterstrichen durch die Tatsache, dass Gangchef Spicer von Phil Davis gespielt wird, der als junger Mann in "Quadrophenia" mitwirkte. Ein wenig zu viel des Guten, genau wie die anstrengende, weil oft überdramatische Filmmusik.

Für ein Remake sprechen nach zugegeben über 60 Jahren zunächst einmal die Lockerungen der Zensur - Joffe kann die grausame Gang-Gewalt realistisch zeigen, die Regisseur John Boulting damals nur andeuten konnte. Aber wie so oft entfachten Hürden damals auch Kreativität, und die fehlt in Joffes Film öfter mal.
Joffe behauptet, er hätte "kein Remake, sondern eine neue Adaption des Romans gedreht", führt sich aber selbst ad absurdum, indem er das Ende des Boulting-Films kopiert - und eben nicht das des Buchs. Da bleibt einem nur zu hoffen, dass es so bald kein weiteres Graham Greene-Remake geben wird, vor allem nicht von "Der Dritte Mann".

Anna Plumeyer

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