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Bowfingers grosse Nummer

Bowfingers grosse Nummer
komödie , usa 1999
original
bowfinger
regie
frank oz
drehbuch
steve martin
cast
steve martin,
eddie murphy,
heather graham,
jamie kennedy,
christine baranski, u.a.
spielzeit
97 Minuten
kinostart
28. Oktober 1999
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

 

Hollywood. Show-Zentrum der Welt. Ein niemals enden wollender Reigen aus Stars, Glamour, Geld, Schönheit, und Schein. Hier werden Träume wahr. Irgendwann zumindest. Einer von denen, die schon ziemlich lange auf die Erfüllung ihres Traumes warten, ist Bobby Bowfinger (Steve Martin), Chef der „Bowfinger International Pictures“. Klingt zwar großspurig, in Wahrheit ist das Firmenhauptquartier aber gleichzeitig sein ziemlich baufälliges Haus. Auf den Anrufbeantworter spricht nur die Telefonfirma, um ihn an das Bezahlen seiner Rechnungen zu erinnern. Doch dann wittert Bowfinger seine Chance: In einem Drehbuch seines Buchhalters (und Teilzeit-Empfangschefs) erkennt er einen potentiellen Hit.

Schnell trommelt er den üblichen Haufen Verlierer zusammen, mit dem er immer arbeitet, macht großspurige Versprechen und behauptet völlig dreist, der berühmte Action-Star Kit Ramsey (Eddie Murphy) hätte ebenfalls zugesagt. Was der natürlich nicht hat. Aber das ist ja kein Hinderungsgrund. Fehlt nur noch eine weibliche Hauptdarstellerin, und die ist schnell gefunden in Daisy (Heather Graham). Dieses Landei aus Ohio ist gerade aus dem Bus gestiegen, hat absolut keinen Plan („Wo muß ich hin, um Schauspielerin zu werden?“), stolpert direkt in die Auditions bei Bowfinger und kriegt den Job, weil ein Nebendarsteller scharf auf sie ist. Daisy hat zwar überhaupt keine Ahnung vom Filmgeschäft, aber ansonsten ist sie nicht dumm, und wie man sich beliebt macht, weiß sie ganz genau. 
Los gehen die Dreharbeiten zu „Chubby Rain“, einem Film über außerirdische Invasoren, die in Form von dicken Regentropfen auf die Erde kommen. Und Kit Ramsey spielt mit, weil Bowfinger ihn mit versteckter Kamera verfolgt und seine Darsteller durchs Bild laufen läßt. Der arme Ramsey ist natürlich sehr schnell sehr verwirrt, als ihm wildfremde Menschen auf einmal Zeugs von Aliens, Sex und Mutterschiffen erzählen. Und das, wo ihm doch gerade sein Mindhead-Guru (Scientology läßt grüßen!) erfolgreich eingebläut hat, daß es keine Außerirdischen gibt.

Und so nimmt das Unheil seinen Lauf. Bowfinger und seine Crew entwerfen ihren Drehplan täglich nach dem Terminkalender von Ramsey, und so ist der Arme bald nirgendwo mehr sicher vor „unheimlichen Begegnungen“. Das Abstruse dabei: Der Großteil von Bowfingers Leuten glaubt, Ramsey würde wissen, was läuft. „Er will nicht wissen, wo die Kamera steht, und er redet nie mit seinen Co-Stars. Das bringt ihn nur aus seiner Rolle;“ erklärt der findige Regisseur seinen leichtgläubigen Helfern die extravagante Verhaltensweise des Stars. Und die sind so begeistert, endlich einen richtigen Film zu machen, daß sie ohnehin alles glauben würden. Hauptsache, sie sehen ihren Namen später auf der Leinwand.

Letztendlich ist das der Kern der ganzen Geschichte: „Bowfinger’s große Nummer“ ist zum einen eine brüllend komische Slapstick-Komödie, wenn es daran geht, den nichts ahnenden Ramsey in ein bestimmtes Verhalten zu drängen (einige der Ideen sind wahrlich so unglaublich, daß man minutenlang nicht zu lachen aufhören kann). Zum anderen ist es aber eine erstaunlich intelligente Satire darüber, wie Hollywood wirklich funktioniert, wie verrückt die Leute dort alle sind, und was sie nicht alles machen, um in einen Film zu kommen. Im Vergleich zu dem völlig durchgeknallten Ramsey wirkt Bowfinger fast schon wieder normal, und sein Einfallsreichtum ist wahrlich bewundernswert.

Weiterhin stellt der Film die Wiedervereinigung zwei der größten Comedy-Ikonen der Achtziger dar. Seit beide „Saturday Night live“ verließen, haben Steve Martin und Eddie Murphy nicht mehr zusammen gespielt. Das ist wirklich schade, denn hier brennen beide ein wahres Feuerwerk an komödiantischer Schauspielkunst ab. Und während Martin im Prinzip die Hauptrolle hat, ist es Murphy, der richtig groß auftrumpft. Neben seiner ohnehin schon grandiosen Leistung als Kit Ramsey spielt er auch noch den beknackten Jiff, den Bowfinger als Body-Double einstellt, und dieser Charakter ist wirklich der helle Wahnsinn. Ein Trottel, wie er im Buche steht, ist Jiff so begeistert, in einem Film zu sein, daß er für Bowfinger sogar über eine stark befahrene Autobahn rennt (zweimal!) und danach immer noch brav Kaffee holen geht. Dieser Charakter ist so ziemlich das komischste, was Eddie Murphy je gespielt hat, und das ist schon eine Leistung in einem Film, in dem man eine Doppelrolle besitzt.

Das Drehbuch stammt ebenfalls von Steve Martin, der bereits mit früheren Arbeiten (z.B. „L.A. Story“) bewiesen hat, welch feines Gespür er für wirklich komische Dinge besitzt. Er braucht weder Vulgarismus noch große Schadenfreude, um sein Publikum zu amüsieren, und so abgefahren seine Charaktere auch sind, letztendlich bleiben sie alle absolut liebenswert. Außerdem versteht er es hervorragend, die tolle Grundidee lange und abwechslungsreich auszureizen, indem er mit immer neuen Wendungen und verrückten Einfällen den Zuschauer bei der Stange hält. Wenn man „Bowfinger’s große Nummer“ sieht, wünscht man sich wirklich, Martin würde öfter mal einen Stift in die Hand nehmen.

Das Drehbuch ist phantastisch, die Darsteller unglaublich komisch (Heather Graham legt einen imitierten Dillentantismus an den Tag, daß man sich nur noch schütteln kann), einzig uninspiriert ist der Regisseur. Frank Oz ist so etwas wie der Standard-Comedy-Initiator, der vornehmlich Vehikel für Stars und/oder Spezialeffekte dreht. Sein handwerkliches Können ist dementsprechend wenig imposant, und es ist wohl ihm zuzuschreiben, daß der Film streckenweise etwas den Schwung verliert und das phantastische Tempo der „Dreh“-Sequenzen dazwischen aus völlig unerfindlichen Gründen immer wieder einbricht. Mit einem etwas enthusiastischeren Regisseur wäre „Bowfinger’s große Nummer“ wahrscheinlich ein vollkommenes Nonstop-Vergnügen geworden.

Was bleibt ist eine nette, streckenweise recht bissige Komödie über den allgemeinen Spleen der Menschen in Hollywood. Die Idee ist genial-komisch, wenn auch total unrealistisch, und bei mancher Szene bebt der ganze Saal vor lachen.

Was wir schließlich alle von Bobby Bowfinger lernen können: Niemals die Hoffnung aufgeben, solange du noch nicht 50 bist. Und jeder Film kostet netto 2184 Dollar. 

Frank-Michael Helmke

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