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Blueberry und der Fluch der Dämonen

Blueberry und der Fluch der Dämonen
western , fra 2003
original
blueberry
regie
jan kounen
drehbuch
jan kounen, gerard brach
cast
vincent cassel,
michael madsen,
juliette lewis,
eddie izzard, u.a.
spielzeit
124 Minuten
kinostart
1. Juli 2004
homepage
bewertung

2 von 10 Augen

 

Es gab durchaus Gründe, diesem Film mit einiger Sympathie und Vorfreude entgegenzusehen. Denn neue Impulse für das Genre des Westernkinos sind immer willkommen, und außerdem lässt auch der Titel "Blueberry" Einiges erwarten, auch wenn der Name des rauen Antihelden vielleicht nicht jedermann ein Begriff ist. Dahinter verbirgt sich aber der bekannteste und erfolgreichste europäische Western-Comic überhaupt, ein Epos in mittlerweile vierzig Bänden, das seit ebenso vielen Jahren seine Leser begeistert. Die von den beiden Franzosen Jean Giraud und Jean-Michel Charlier geschaffene Reihe begann dabei als klassisches Abenteuerepos im Stile der alten John Ford/John Wayne-Filme, spiegelte später die Entwicklung zum pessimistischen und brutaleren Italowestern wieder und gibt sich in seiner heutigen Form als eher verspieltes und sich dabei oft selbst zitierendes Spätwerk.
Dementsprechend war die Frage, welchen "Blueberry" wir denn nun auf der Leinwand zu sehen bekommen würden. Die ernüchternde Antwort darauf lautet: Gar keinen. Denn was uns Regisseur Jan Kounen hier präsentiert ist reiner Etikettenschwindel und hat mit der Vorlage letztendlich überhaupt nichts mehr zu tun. Damit sind zwar schon mal die Fans enttäuscht, die "ihren Helden" zumindest gern wieder erkannt hätten, diese Tatsache allein wäre aber natürlich noch nicht Grund genug den ganzen Film deshalb zu verdammen. Diese Ehre verdient "Blueberry" sich dann auch aufgrund ganz anderer Defizite: Dieser Film ist nämlich einfach langweilig und albern und schafft es leider auch überhaupt nicht, aus der Summe seiner verschiedenen Einzelteile und Ideen ein auch nur irgendwie funktionierendes Ganzes zu formen.

Anhand der Rahmengeschichte lässt sich dieses Desaster noch nicht erahnen, denn da geht es offensichtlich erst mal um einen klassischen Rachefeldzug. Der eigenbrötlerische Marshall Blueberry trifft nach Jahren wieder auf seinen alten Feind Wally Blount, einen brutalen Banditen, den er für den Tod seiner ersten Geliebten verantwortlich macht. Dieser ist mit seinem Kumpan unterwegs in die "heiligen Berge", einen von den Indianern verehrten Ort, in dem sich ein geheimnisvoller Schatz befinden soll. Blueberry hat dabei nicht nur eine Rechnung mit Blount offen, sondern aufgrund der Jahre, die er bei den Indianern verbrachte, auch ein gesteigertes Interesse daran, das Heiligtum der Schamanen zu schützen. Zusammen mit seinem Blutsbruder Runi macht er sich nach einigen Irrungen auf den Weg zur finalen Konfrontation. Doch es sind vor allem die eigenen Dämonen, die der junge Marshall fürchten muss.

Dass diese Story mit dem ihr zugrundeliegenden Comiczyklus um die "Vergessene Goldmine" eigentlich nur ein paar Namen gemein hat, geht ja bereits aus den weiter oben gemachten Ausführungen hervor. Dass dieser Film auch sonst irgendwie "anders" sein will als so ziemlich jeder Western vor ihm wird dann zum ersten Mal deutlich, als Blueberry nach seiner ersten Konfrontation mit Blount von den Indianern aufgenommen und von deren Schamanen behandelt wird. Erste Traumvisionen mischen sich mit einer schweren, aber auch sehr beruhigenden Atmosphäre. Und von da an nimmt der Film sich Zeit, treibt seine eigentliche Geschichte nur langsam voran und legt anscheinend keinerlei Wert darauf, diese für sein Publikum spannend und interessant zu gestalten. Die Figuren werden hin und her geschoben, philosophieren so vor sich hin und zeigen sich ansonsten wenig entscheidungsfreudig. Dabei gelingen Kounen einige wenige hübsche Szenen, z.B. mit den Gastauftritten von Ernest Borgnine und Colm Meaney. Die Zahl der uninteressanten, wenn nicht gar misslungenen Sequenzen überwiegt aber bereits zu diesem Zeitpunkt, genannt sei hier nur der völlig lächerliche Auftritt von Juliette Lewis, die als (ziemlich schrecklich) singendes Saloongirl einen gewalttätigen Konflikt beendet.
So quält sich der Zuschauer dann mehr schlecht als recht durch die behäbige Inszenierung und hätte das ganze vielleicht noch mit einem kurzen Achselzucken abgetan. Wenn man ihm in der letzten halben Stunde nicht noch einen abgefahrenen Selbstfindungstrip um die Ohren hauen würde, der den Film dann vollends zum Ärgernis macht. Die persönliche Leidenschaft des Herrn Kounen für Mystizismus im Allgemeinen und das Schamanentum im Besonderen in allen Ehren, aber sein Versuch dieses höchst spirituelle Thema in eine Geschichte einzubinden und dann auch noch in überzeugende Bilder zu verpacken scheitert hier komplett. Denn nicht nur, dass einem die sich ständig wiederholenden, einfallslosen Schlangen und Würmergebilde aus dem Computer schon bald auf die Nerven gehen, auch die nach der "Seelenreinigung" letztendlich zu Tage tretende Auflösung der Story offenbart nicht wirklich einen tieferen Sinn. Und so verpufft mit dem Ende von Blueberrys Kampf mit seinen eigenen Dämonen auch der Rest der Geschichte in einer großen Rauchwolke.

Jean Giraud, der mittlerweile alleinverantwortlich für die "Blueberry"-Comics zeichnet, äußerte sich übrigens recht begeistert über die krude Adaption. Unter dem Namen "Möbius" entwirft der Künstler nämlich seit einigen Jahren ähnlich verquaste (wenn auch graphisch brillante) Geschichten. Wenn er sich dies auch bei seinem "Blueberry" mal trauen könnte, würde dann wohl so etwas Ähnliches wie dieser Film dabei herauskommen. Wünschen wir uns also besser, dass es dem Meister noch recht lange gelingen möge sich zu beherrschen.

Volker Robrahn

10

Das hier ist viel mehr als nur ein Film, den muss man verstehen, oder besser gesagt die Medizin, die hier getrunken wird. Es hat einen Namen, oder sogar ganz viele, eins davon ist Ayahuasca, eine Medizin wie keine andere, ein Geschenk Gottes.

8

Der Film beschäftigt sich genau wie viele Werke von Jean "Möbius" Giraud mit der Entschlüsselung innerer Konflikte und ist meiner Meinung nach ziemlich gut gelungen, spricht aber eher Comic-Fans und vielleicht eher "Möbius" als "Giraud" Liebhaber an denke ich da er doch sehr grafiklastig ist.

5

Psychodelisch ... ja, soweit hatte die TV-Zeitung recht.
Western ... naja, von der Scenerie schon, von den handelnden Personen nur teilweise.
Viele verworrene Teilstränge, eine verdammt eindrucksvolle optische Umsetzung - wiegt das einander auf?
Nicht wirklich, daher der Mittelweg mit fünf Augen.

Eigentlich hab ich dieses Forum auf der Suche nach Antworten bezüglich der erwähnten offenen Teilstränge entdeckt, doch gefunden hab ich auch hier nichts. Stattdessen schlagen sich die CouchPotatoes und die Esoteriker gegenseitig den Schädel ein ...
Wie schön wäre es gewesen zu erfahren, welchen Grund der offizielle Bösewicht des Filmes tatsächlich hatte, die heiligen Berge aufzusuchen um dort einen Drogen-Rundflug zu buchen.
Und dann der seltsame "Endkampf"; erinnerte mich sofort an Kubrick, warum ist SpaceOdysse wohl so lange geworden? (Um an der Kinokasse für die Überlänge zu kassieren.)
Besagte Überlänge erreicht der vorliegende Film ja nicht - ob jetzt leider oder Gott-sei-Dank angemessen ist, kann jeder selbst entscheiden. Doch eine gewisse Sinnlosigkeit für den Bösewicht bleibt auf jeden Fall zurück, denn wie man es auch dreht und wendet, es schaute für ihn nichts Positives heraus obwohl er ANSCHEINEND den ganzen Film lang verbissen ein Ziel verfolgte. Was wollte er erreichen? Vielleicht war er aber auch nur Suizid-gefährdet, das würde dann doch einiges erklären.
OK, wir wissen jetzt dass der "Held" die Mieze von Beginn des Filmes auf dem Gewissen hat, aber ein bissi sehr fadenscheinig ist der Handlungsstrang wo der Gauner seiner Meinung nach erkennt, dass es seine Aufgabe gewesen sei (von der Vorsehung diktiert?) dem Held diese Wahrheit zu zeigen. Ergo: wieder kein Nutzen für den Gauner, denn er verlässt die Bühne ...

Fazit-PRO: Ein Film mit schönen Bildern, excellenten CGI-Effekten, wunderbarer naturnaher Kameraführung (so manche Naturdokumentationen könnten sich davon eine Scheibe abschneiden!) und dem Wiedersehen mit diversen Stars. Die Schamanen-Schiene wurde arg ausgeweitet, hier gilt, weniger wäre mehr gewesen.

Fazit-KONTRA: Besagte Stars wurden verheizt, wohl keiner von ihnen wird mit der jeweils zugedachten flachen Rolle ohne jede Chance auf Persönlichkeitsentwicklung glücklich gewesen sein, aber mit irgendwas muss man ja auch als Schauspieler Geld verdienen.
Die Überlänge der CGI-Effekte, besonders am Schluss, sind nur einem einzigen Befehl in der jeweiligen Programmiersprache zu verdanken, er nennt sich LOOP - mit einem Schuss RANDOM dabei dass es nicht so auffällt.
Wer sich Handlung MIT HAND UND FUSS erwartet, sollte ins Theater gehen, oder sich ausschliesslich auf die Bilder im Film einlassen und in keinem Moment des Filmes eine Erklärung über die Motive der handelden Personen erwarten.

So long, man sieht sich irgendwo in der Prärie ...

9

Ich war und bin begeistert von diesem Western und bin sehr überrascht über die vielen negativen Urteile. Mich fasziniert dieser bildschöne Film. Dass Drogenerfahrungen zu Selbsterkenntnis führen können und heilsam erlebt werden können, wird ja nicht allzuoft filmisch thematisiert. Hier gelingt das auf wunderbare Art. Und ich finde die Umsetzung der Drogenerfahrung wunderbar gelungen. Überhaupt, bin richtig glücklich, diesen Film zufällig gesehen zu haben. Und ich finde mal wieder bestätigt, dass ich wohl einen extremen Geschmack habe. Das, was mich elektrisiert, lässt andere einschlafen. Von mir gibt es 9 Punkte.

9

Ein wunderbarer Film, den ich durch Zufall am Silvesterabend gesehen habe. 5 min vor Jahreswechsel war er zu Ende und ich hatte die schönsten Bilder im Kopf, als rundherum die Feuerwerksraketen hochgingen.
Ein fantastischer Start ins neue Jahr.

Sei offen für Neues.

9

Ich glaube, wenn ich nicht schon seit über 20 Jahren praktische Erfahrung mit Schamanismus gemacht hätte, würde ich, so einfach der Film aussieht und manchmal auch ist, vieles vom wirklichen Sinn gar nicht verstehen und ihn nochdazu ziemlich seltsam finden, auch die Computeranimationen wären flach und endlos, doch wenn man diese Dimensionen praktisch erlebt sind sie seltsamerweise sehr autentisch was etwas verrückt anmuten mag, doch es ist so. Das Krafttier lebt so und es handelt sich auch nicht um Drogen sondern um einen weiblichen Pflanzengeist der uns Menschen im Leben begleiten kann und uns hilft verrückte Identifizierungen zu lösen um von allen Süchten und Verletzungen loszukommen und einfache Herzlichkeit zu erinnern und zu stärken.
Allein die tiefe Ruhe von der Filmszene mit jahrtausende alten Ritualen der Shipibo Kultur mit Kestembetsa und seiner alten Mutter Maria sind den Film wert. Wenn wir diese Kultur in unsere integriern wollen, absolute Entspannung, tiefer Friede, einsein mit der Natur dann haben wir alle Hände voll zu tun, um so vieles unnötige zu verlernen und wieder glücklich zu sein.

Lieben Gruß Michael

hab den film noch nicht gesehen. aber eins muss mal geklärt werden:
das wort "Drogen" kommt aus dem althochdeutsch und bedeutet nix anderes als "dröge", was wiederum von "trocken" kommt. früher wurden so allerlei käuter, z.b. gewürze, tees etc bezeichnet.
so, nun muss ich ihn aber mal selber sehen...

10

Wer Carlos Castaneda gelesen hat, weiß was der Film zu vermitteln vermag! Hervorragend umgesetzt! Die Psychedelische Umsetzung ist sehr gut gelungen! Ohne übertrieben zu wirken, stellt es gut nachvoltiehbar den optischen Rausch der Sinne da (das sind subjektive Vergleiche meiner eigenen Erfahrung).
Weil der Mainstream diese Erfahrungen nicht kennt, ist dies wohl eher ein Film für Wenige..., Schade...!

10

Der film war einer der bessten den ich gesehn habe den habe ich als dvd und guck den in der woche 4 mal an.

10

[ZITAT]...aber sein Versuch dieses höchst spirituelle Thema in eine Geschichte einzubinden und dann auch noch in überzeugende Bilder zu verpacken scheitert hier komplett.[ZITAT Ende]
Ich muss, so wie mehrere andere, Ihnen in diesem Punkt deutlich widersprechen. Als purer Western gesehen ist dieser Film natürlich nicht zu empfehlen. Aber diese alberne, wenn auch unterhaltsame, Western-Rahmenhandlung ist sowieso nur da um den Helden zugänglicher für das Publikum zu machen. Ich interessiere mich eigentlich nicht sonderlich für Western-Filme und nur durch Zufall kam ich auf dieses Meisterwerk audiovisueller Kunst. Kein Bewegtbild hat bisher die Eindrücke der Wirkung von Kraftpflanzen (keine Drogen, was im Film dargestellt wird ist ein, zwar etwas wild zusammengemixter, Teil von der Jahrtausende alten Kultur vieler indigener Völker Amerikas) nur annähernd so gut wiedergegeben. Auch die tiefen psychischen Veränderungen und Erlebnisse von Blueberry sind (dank Vincent Cassel) sehr gut dargestellt. Für die meisten ist das zwar so gut wie nicht greifbar, aber für die gibts eh genug andere Filme.
PS an den Kritiker: Wenn etwas zu hoch für einen ist, sollte man den Mumm haben das zuzugeben und nicht den Film verantwortlich machen :)

Eine positive Überraschung,

10

Eine positive Überraschung, abseits des Mainstream.

Schliesse mich den positiven

Schliesse mich den positiven stimmen an. Richtig gut umgesetzt!

Mich hat selten ein Film so

10

Mich hat selten ein Film so berührt wie dieser. Dass solch gewaltige Bilder hängen bleiben, ist ja kein Wunder. Aber Blueberry ist einer der wenigen Filme, bei dessen erster Betrachtung sich bereits essentielle Zitate in meinen Geist einbrannten. Für mich ist der Film eine Offenbarung. Würden sich die Menschen die wesentliche Botschaft dieses Werkes zu Herzen nehmen, wäre dieser Film vollkommen überflüssig.
Dem Postskriptum von Julien A zum Kritiker schließe ich mich in vollem Umfange an.

Wenn ich keinen Tip von einem Schamanen erhalten hätte, hätte ich den Film auf Grund seiner Aufmachung als billigen Western abgetan. Welch ein Irrtum wäre das gewesen!!!

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