kleine Werbepause
Anzeige

Black Book

Black Book
thriller-drama , nl/d 2006
original
zwartboek
regie
paul verhoeven
drehbuch
paul verhoeven, gerard soeteman
cast
clarice van houten,
sebastian koch,
christian berkel,
waldemar kobus,
thom hoffmann, u.a.
spielzeit
142 Minuten
kinostart
10. Mai 2007
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

Die deutschen Beiträge zur filmischen Aufarbeitung der Nazi-Zeit sind (für manche vielleicht zu) zahlreich und viel diskutiert, aber da schließlich ganz Europa vom Zweiten Weltkrieg betroffen war, gibt es auch aus anderen Ländern immer wieder Filme, die sich aus der jeweiligen nationalen Perspektive mit dieser Ära auseinandersetzen. Der Holländer Paul Verhoeven, der sich in den Anfangszeiten seiner Karriere mit "Soldier of Orange" schon einmal mit der niederländischen Widerstandsbewegung beschäftigt hat, ist nun aus seinem überaus erfolgreichen Exil in Hollywood (u.a. "Robocop", "Total Recall", "Basic Instinct" und "Starship Troopers") zurückgekehrt, um sich in "Black Book" erneut mit dem niederländischen Widerstand zu befassen, diesmal jedoch mit der Absicht, die Grauzonen aufzuzeigen, anstatt ein gradliniges Schwarz-Weiß-Bild von Gut und Böse zu zeichnen.

Die jüdische Sängerin Rachel Stein (Clarice van Houten), die während des Zweiten Weltkriegs bislang in einem Versteck gelebt hat, gerät mit ihrer Familie bei dem Versuch, ins sichere Belgien zu fliehen, in einen Hinterhalt der deutschen Besatzer. Das folgende Massaker überlebt nur Rachel, die sich in die Hauptstadt Den Haag durchschlägt und sich dort der Widerstandsbewegung um den Arzt Akkermans (Thom Hoffmann) und Kuipjers (Derek de Lint) anschließt. Doch auch dort kann sie nicht jedem vertrauen, immer wieder kommt es zu Spannungen und Interessenskonflikten zwischen der Jüdin Rachel und den aus patriotischen oder christlichen Motiven gegen die Nazis kämpfenden Widerständlern. Nachdem mehrere Mitglieder der Gruppe gefangen genommen werden, willigt Rachel dennoch ein, unter falschem Namen eine Affäre mit dem deutschen Offizier Müntze (Sebastian Koch) zu beginnen, über den sie eine Stelle im Nazi-Hauptquartier bekommt. Rachel soll die Nazis von innen ausspionieren und so einen Rettungsplan für die gefangenen Kameraden ermöglichen. Doch das wachsende Vertrauen zu Müntze, der sich ernsthaft in Rachel verliebt und sie schützt, obwohl er weiß, dass sie eine Jüdin ist, und die Machenschaften des brutalen und skrupellosen Offiziers Franke (Waldemar Kobus) verstricken Rachel immer mehr in ein Netz aus Verrat und Lügen.

Dass Verhoeven es ganz bewusst vermeidet, sich ausschließlich an die traditionellen Rollenbilder zu halten, zeigt bereits die interessante Figur des Müntze, ein "guter Nazi" gespielt von Sebastian Koch ("Das Leben der Anderen"). Er ist ein zentraler Baustein im ambivalenten Gefüge, das Verhoeven zwischen Besatzern und Unterdrückten entstehen lässt. Denn anstatt hier ein weiteres Heldenepos auf den Widerstand zur kreieren, rückt der Regisseur auch die Kämpfer für die gute Sache in ein zwiespältiges Licht, zeigt die innere Zerrissenheit der Gruppe, die zum Teil nicht viel mehr gemeinsam hat als den gemeinsamen Feind, und scheut auch nicht davor zurück, unter den Widerstandskämpfern Missgunst, Gier und Verrat zu zeigen.
Das ist gerade aus der nationalen Perspektive interessant, denn mit einem klaren "Wir waren auch nicht alle Helden"-Statement verortet Verhoeven seine Bösewichter gleichmäßig auf deutscher wie auch auf niederländischer Seite. Er wagt auch eine neue Sicht auf die Zeit nach der Besatzung, indem er den grausamen Umgang der Bevölkerung mit Nazi-Kollaborateuren zeigt, und etabliert mit Rachels Kollegin Ronnie sogar eine "Nazi-Hure" als sympathische Figur. Das dürfte in den Niederlanden nicht allzu gut ankommen, ebenso wie die Demontage einiger Widerstandskämpfer.

Leider gibt der Film seinen Figuren jedoch nicht genug Spielraum, um dieses ambivalente Potential auch voll ausschöpfen zu können. Verhoeven verzichtet auf Kosten einer schnellen Handlung und zahlreicher Wendungen darauf, seinen Figuren mehr Tiefe zu verleihen. Damit macht er "Black Book" zwar eventuell massentauglicher, verpasst aber die Chance auf einen interessanteren Film, auch wenn der Ansatz, vor diesem historischen Hintergrund einen verwirrenden Thriller mit dem klassischen "Trau keinem"-Konzept zu machen, durchaus vielversprechend und vom perfekten Action-Handwerker Verhoeven sehr gut umgesetzt ist. Das namensgebende und geschichtlich verbürgte schwarze Büchlein spielt übrigens erst zum Ende des Films eine tragende Rolle, das Hauptaugenmerk liegt auf dem Prinzip des Misstrauens zwischen den Akteuren.

Das Manko bleibt aber auch da die mangelnde Charakterentwicklung, lediglich Clarice van Houten erhält die Möglichkeit, ihre Figur mit Leben zu füllen, und selbst ihr bleibt wenig Raum für die Zweifel und Schwierigkeiten, die ihre Situation als Spionin bei den Nazis und die Beziehung zu Müntze mit sich bringen. Warum dieser sich auf die Liaison einlässt und ob seine moralischen Motive erst durch Rachel geweckt werden oder schon zuvor vorhanden waren, bleibt ebenfalls unklar. Ähnlich verhält es sich leider mit den meisten Figuren, die in ihrer Vielzahl zwar für eine komplexe Handlung sorgen, als Charaktere jedoch von der Geschwindigkeit der Erzählung verschluckt werden.

"Black Book" enthält genügend überraschende Entwicklungen, Action und Wendungen, um eine spannende Thrillerhandlung zu garantieren. Aber die Charakterentwicklung leidet trotz der beachtlichen Länge des Films unter diesem unbedingten Willen, unterhaltsam zu bleiben (wobei es sich "Showgirls"-Veteran Verhoeven auch hier nicht nehmen lässt, desöfteren unnötig ins Vulgäre abzurutschen). Am Ende ist es dann vielleicht eine verwirrende Wendung zuviel, die einen eher mit einer unentschlossenen Haltung dem Film gegenüber zurücklässt, und mit dem Gefühl, dass hier die Chance auf etwas wesentlich Besseres verpasst wurde. Dennoch ist "Black Book" ein detailgetreuer und konsequent spannender Geschichtsthriller, der sich durchaus lohnt.

Moritz Piehler

7

ziemlich spannend, wenngleich einige wendungen sehr abrupt erfolgen und nicht immer nachvollziehbar sind. hauptdarstellerin ist für mich klarer schwachpunkt, ihre innere zerrissenheit, ihr ekel gegenüber denen, die ihre gesamte familie auf dem gewissen haben, wirkt wenig glaubhaft, bisweilen sogar befremdlich unemotional. über das abrutschen ins vulgäre kann ich nur sagen, dass einige entblöste brüste kein grund für solch eine behauptung darstellen. ansonsten aber recht unterhaltsamer streifen, da klischees ausnahmsweise mal nicht bedient werden...

8

Fand ihn auch durchgehend spannend. Ein sehr empfehlenswerter Film. Verhoeven ist zweifellos einer der wenigen großen Regisseure, die ein Publikum über mehr als zwei Stunden fesselnd unterhalten können. Einziges nennenswertes Manko ist in der Tat, dass er den Hauptchrakteren mehr Tiefgang hätte geben können. Die z.T. recht frivole Art gefällt mir dagegen gut und sofern der Film überhaupt vulgär wird, passt es zu den Charakteren.

9

Dieser Film stellt für mich eine deutsch/niederländische Vergangenheitsbewätigung dar. Meine Frau (sie ist Niederländerin) und ich waren sehr beeindruckt und bedrückt von diesem intensiven Film.

Kommentar hinzufügen

Freiwillige Angabe; die E-Mailadresse wird nicht angezeigt.
 
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
1 + 3 =
Diese einfache Rechenaufgabe ist zu lösen und das Ergebnis einzugeben, z.B. muss für 1+3 der Wert 4 eingegeben werden.