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Belle de Jour - Schöne des Tages

Belle de Jour - Schöne des Tages
drama , frankreich 1967
original
belle de jour
regie
luis bunuel
drehbuch
luis bunuel, jean-claude carrière
cast
catherine deneuve,
michel piccoli,
genevieve page,
jean sorel, u.a.
spielzeit
100 Minuten
kinostart
18. November 1999
homepage
bewertung

9 von 10 Augen
Ein harmonisches Paar gleitet langsam in einer Kutsche durch einen herbstlichen Park. Doch der Schein des Glücks trügt: Die Frau weist jede vorsichtige Zärtlichkeit des Mannes von sich. Plötzlich hält das Gefährt. Auf Geheiss des Mannes springen ihm die beiden Kutscher bei und helfen ihm, die Frau aus der Kutsche zu tragen. Sie zerren sie ins Gebüsch, fesseln sie an einen Baum, entblößen sie ihrer Kleider und peitschen sie aus. Dann vergehen sie sich an ihr. Übergangslos ist im nächsten Moment eine großbürgerliche Wohnung zu sehen. Die Frau, Sévérine, liegt, in einem insgeheim masochistischen Traum versunken, auf ihrem Bett, das durch einen Nachttisch vom dem ihres Mannes Pierre, einem angesehenen Chirurg, getrennt ist. Auch wenn die Bilder gebannt scheinen, die Atmosphäre des Paares in der Kutsche bleibt. Sévérine geht auf keinen der leisen Annäherungsversuche von Pierre ein. 
Als Sévérine von dem Etablissement der Madame Anais erfährt, in dem sich Huren ihren Kunden verkaufen, versucht sie, sich während der Abwesenheit ihres Mannes am Tage dort fremden Männern hinzugeben. Fortan ist sie Belle de Jour, die Schöne des Tages, die zwischen zwei und fünf am Nachmittag als Edelprostituierte ihren Dienst verrichtet. 

Der Surrealist Luis Bunuel arbeitete bei seinen ersten Filmen, „Ein andalusischer Hund“ (Un chien andalou, 1928) und „Das goldene Zeitalter“ (L´age d`or, 1930), mit Salvador Dalí zusammen. Vielen seiner Werke wohnt ein selten aggressiver Antiklerikalismus inne. „Belle de Jour“ nimmt sich nicht aus. Sei es eine scheinbar nebensächliche Bemerkung eines Restaurantgastes, er würde sich in einem Lokal nie langweilen - es sei nicht so wie in der Kirche, wo man mit seiner Seele allein sei - oder seien es die religiös-masochistischen Seiten von Sévérine. Neben der Kirche ist die Bourgeoise der zweite Angriffspunkt des Künstlers Bunuel. Die konservierten Moralvorstellungen des Großbürgertums lassen bei Sévérine in persönlichen Beziehungen nie Emotionen zu. In zwei Welten, die sich im Bild durch Raum und Personen definieren, existiert Sévérine. Nur in der Anonymität des lebenslustigen Etablissements der Madame Anais kann sie als Belle de Jour einengende Konventionen, Schamgefühle und Gewissensbisse, die in Sühne enden sollen, abschütteln. Ihr Ehemann in ihrer gemeinsamen sterilen Wohnung hingegen, lässt sie ihn kalt und präzise wissen, habe mit Genuss und Lust nichts zu tun. 

Cathérine Deneuve spielt diese Sévérine großartig. Eine anämische Figur mit blondem Haar und zerbrechlichen Gliedern. Unnahbar, kühl und unbeweglich, schließlich fragil und frigid - eine Ikone. Gerade diese Erscheinung steht im besonderen Kontrast zu den Komplexen und Lastern unter ihrer Oberfläche. Cathérine Deneuve drehte mit „Tristana“ (Tristana, 1969) einen weiteren Film mit Luis Bunuel. Demnächst wird sie in „Dancing in the Dark“, dem neuen Film von Lars von Trier, zu sehen sein. Auch Jean Sorel als Pierre und Michel Piccoli als Bekannter des Paares, ein diabolischer, gesättigter Lebemann, überzeugen in ihren Darstellungen.

„Belle de Jour“ ist eine perfekt doppelbödige Inszenierung. Die verschiedenen Ebenen von Traum, Vorstellung und Realität, die sich in der ersten, oben beschriebenen Sequenz des Filmes andeuten, durchdringen den gesamten Film. Durch die wiederholte Verwendung von bestimmten Bildern und Tönen vermischen sich die Ebenen, bis sie nicht mehr zu trennen sind. Am Schluss ist unklar, wer Träumer und was das Geträumte ist. Es bleibt Zweifel, ob Traum oder Wirklichkeit näher an der Wahrheit liegt als das jeweils andere. Die Antworten auf das Streugebilde von Fragen und Andeutungen sind dabei jedoch nicht unbedingt im Konkreten zu suchen: Ein asiatischstämmiger Kunde von Madame Anais trägt einen kleinen, mysteriösen Kasten mit sich, aus der nicht zu bestimmende Laute dringen. Nach einem Blick in das Innere, das dem Zuschauer vorenthalten wird, wenden sich alle Mädchen entsetzt ab, nur Belle de Jour bleibt. In seinen Erinnerungen beschreibt Bunuel, dass ihm zu seinen Filmen oft unnütze Fragen gestellt würden. Am hartnäckigsten sei er aber nach diesem Kästchen gefragt worden. „Was ist in dem Kästchen?“, wollte man von Bunuel wissen. Da er jedoch keine Ahnung hatte, konnte er lediglich antworten: „Was Sie wollen.“
Frank-Michael Helmke

10

In dem Kistchen befindet sich eine große Stechmücke, wenn ich mich recht entsinne. Der Film läuft heute - ich schau noch mal nach. Mir bleibt schleierhaft, was sie damit vorhaben. Soll sie sich damit stechen lassen? Ist jemandem eine sexuelle Spielart in dieser Richtung bekannt?

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