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Battle of the Sexes - Gegen jede Regel

Battle of the Sexes - Gegen jede Regel
dramödie , usa 2017
original
battle of the sexes
regie
jonathan dayton, valerie faris
drehbuch
simon beaufoy
cast
emma stone,
steve carell,
andrea riseborough,
sarah silverman,
natalie morales, u.a.
spielzeit
121 Minuten
kinostart
23. November 2017
homepage
bewertung

6 von 10 Augen
Battle of the Sexes - Poster

Das Tennis-Match mit den meisten Fernsehzuschauern aller Zeiten war kein großes Grand-Slam-Finale, es war nicht mal Teil irgendeines Wettbewerbs. Trotzdem saßen 50 Millionen Amerikaner vor ihren Bildschirmen, als am 20. September 1973 der damals 55-jährige ehemalige Wimbledon-Sieger Bobby Riggs gegen die 29-jährige Billy Jean King antrat, die Gallionsfigur des amerikanischen Damentennis. Sportlich war das Match genau genommen völlig bedeutungslos, aber gesellschaftspolitisch und zeitgeschichtlich von immenser Tragweite. Battle of the SexesDenn Anfang der 70er Jahre war der Feminismus auf dem Vormarsch, Frauenrechtlerinnen traten immer selbstbewusster auf, und auch Billy Jean King war in dieser Hinsicht eine wichtige Figur. Weil der amerikanische Tennisverband sich geweigert hatte, den Damen auch nur annähernd dieselben Preisgelder wie den Männern zu bezahlen, hatten die prominentesten Spielerinnen des Landes unter Kings Führung kurzerhand ihren eigenen Verband und ihre eigene Turnierserie gegründet. Aufbegehrende Frauen waren aber natürlich zahlreichen Anfeindungen und Verhöhnungen durch die dominante, zutiefst sexistische Männerschaft ausgesetzt, und der geborene Showman (und notorische Glücksspieler) Bobby Riggs machte sich das zunutze, indem er sich als chauvinistisches Macho-Schwein inszenierte und großmäulig behauptete, jede noch so gute Tennisspielerin mühelos vom Platz fegen zu können. Weil Frauen es einfach nicht wirklich drauf haben. Das nennt man dann eine Herausforderung.

Die Geschichte rund um dieses als "Battle of the Sexes" berühmt gewordene Show-Match bringt der gleichnamige Film nun auf die Leinwand. Was man dabei allerdings nicht erwarten sollte, ist ein mitreißender Sportfilm. Der wäre auch nur sehr schwer zu inszenieren, da die Dramaturgie eines Tennis-Matches sich nicht wirklich für eine filmische Bearbeitung empfiehlt. Vielmehr ist "Battle of the Sexes" ein Zeitdokument, das sich sehr müht, die damalige gesellschaftliche Atmosphäre einzufangen, und noch viel mehr ein Biopic über Billy Jean King. Da muss man gar nicht um den heißen Brei herumreden: Nicht nur, weil die aktuelle Oscar-Preisträgerin Emma Stone ("La La Land") diese Hauptrolle spielt, ist King das eigentliche Herz und Zentrum des Films. Battle of the SexesSondern vor allem, weil King eine historische Gestalt von enormer Tragkraft und Bedeutung ist. Denn tatsächlich spielten sich damals zwei Geschichten gleichzeitig ab: In der einen, der öffentlichen, kämpfte King für die breite Anerkennung des Damen-Tennis und leistete für ihren Sport historische Errungenschaften. In der anderen, der verborgenen, verliebte die mustergültig verheiratete King sich in eine Frau und entdeckte ihre eigene Homosexualität. 

Hier liegt das eigentliche Interesse des Films und seiner Regisseure, der Eheleute Valerie Faris und Jonathan Dayton ("Little Miss Sunshine"), und es sind eben jene Szenen, die die Annäherung zwischen King und der Friseurin Marilyn Barnett (Andrea Riseborough) zeigen, die den größten Zauber des Films erzeugen, die greifbar und sensibel die besondere Anziehung zwischen diesen beiden Frauen spürbar machen - auch dank zweier großartig agierender Darstellerinnen (vor allem Stone hat sich mit sichtlich viel Esprit in diese Rolle geworfen und stellt Billy Jean King bis hin zu ihrem kleinen Lispeln perfekt nach). Es ist dramaturgisch betrachtet aber auch ein wirklich starker Konflikt, in dem King damals steckte: Einerseits machte sie sich aus persönlichen Prinzipien zur Führungsfigur einer kleinen Tennis-Revolution und stellte sich damit unvermeidlich selbst ins Rampenlicht, andererseits begann sie eine Affäre, die ihre Karriere und ihre Errungenschaften auf einen Schlag hätte beenden können, wenn sie herausgekommen wäre. Selbst heutzutage ist Homosexualität im Hochleistungssport ja immer noch ein Tabu, zu dem sich kein Athlet in seiner aktiven Zeit bekennen möchte. Das war damals natürlich noch viel schlimmer. 

Battle of the SexesDas Problem an "Battle of the Sexes" ist ein wenig, dass er sich aber nicht so richtig traut, dieses Thema wirklich konsequent durchzuziehen. Je näher das historische Match rückt, desto mehr verschwindet Kings emotionales Liebesleben im Hintergrund, und überhaupt gibt sich der Film viel zu große Mühe, ein typisches Feel-Good-Movie zu sein, um wirklich tief in die Dramatik seiner zentralen Figur eintauchen zu können. Symptomatisch dafür steht die nominelle zweite Hauptfigur des Films, Bobby Riggs (Steve Carell), denn mehr als einmal scheint es, als würde sich "Battle of the Sexes" mit einem etwas ruppigen Schnitt in seinen zweiten Handlungsstrang schnell aus der Affäre ziehen, bevor es zu dramatisch oder intensiv wird. Riggs bekommt seinen eigenen emotionalen Subplot und die Filmemacher bemühen sich, auch hier etwas über sich wandelnde Geschlechterrollen zu erzählen und über das männliche Bedürfnis der Selbstbehauptung. Letztlich wirkt Riggs' ganze Handlungslinie jedoch uninspiriert und dient dem Film vor allem zur Ernte leicht abzustaubender Schmunzelmomente dank Riggs' Eigenwilligkeiten und den (historisch authentischen) Auswüchsen seiner Spielleidenschaft. Der Charakter selbst bleibt dabei seltsam unterentwickelt, und es wird nie richtig klar, wie sehr Riggs den Ober-Chauvi nur spielt und wo eigentlich sein eigener Standpunkt zu King und ihrer Sache liegt.

Es ist einer der vielen Punkte, an dem "Battle of the Sexes" es versäumt, tiefer und aussagekräftiger in seine Thematiken der Emanzipation der Frauen und der gesellschaftlichen Tabuisierung von Homosexualität einzutauchen. Bezeichnend für diese leicht schönfärberische und konfliktscheue Herangehensweise ist auch, dass der Film sich am Ende jedes Wort dazu verkneift, wie die Liebesgeschichte von King und Barnett eigentlich endete (nämlich gar nicht schön und mit einem sehr hässlichen öffentlichen Nachspiel). So bleibt der Eindruck eines Films, der sich nicht so richtig traut das zu sein, was er eigentlich ist, und sich lieber als ein leicht verklärtes period piece gibt, mit einem ironisch-humorvollen Anstrich, der nie so richtig zündet. Ganz hübsch anzusehen, und alles, wo eine so engagierte Emma Stone mitspielt, kann per se nicht wirklich schlecht sein. Wirklich gut ist es aber in diesem Fall halt auch nicht. 

P.S.: Es ist für den Verleih wirklich unsagbar peinlich, dass am Kopf des deutschen Plakats zu diesem Film die werbende Zeile "Vom Regisseur von 'Little Miss Sunshine'" prangt, die mal eben ignoriert, dass es sich um ein Regie-Duo handelt, und dabei dann auch noch die beteiligte Frau unterschlägt. Und das ausgerechnet bei so einem Thema... 

Frank-Michael Helmke

'Battle of the Sexes' ist ein

10

'Battle of the Sexes' ist ein Film über eine Freiheit, die es vielerorts zurückzuerobern gilt. In unserer heutigen - im digitalen Modus und Nano-Sekunden-Takt zerstückelten - 2017er-sogenannten-Wissenswelt ist dieser Film eine Wohltat sondergleichen. Lange nicht mehr so leicht gedacht, gelacht, geweint und mitgefühlt.
...ooops ... - sagte ich 'fühlen' ... - Ja! Das ist es: 'Leben' heißt nicht alles wissentlich strategisch, taktisch, oder geplant kalt durchzuziehen. - In dem Film wird gezeigt, das Leben anders ging, geht und gehen kann - mit Leichtigkeit. Grandios. Satz und Sieg!

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