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Bats - Fliegende Teufel

Bats - Fliegende Teufel
horror , usa 1999
original
bats
regie
louis mourneau
drehbuch
john logan
cast
dina meyer,
lou diamond phillips,
leon,
carlos jacott, u.a.
spielzeit
87 Minuten
kinostart
4. Mai 2000
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

„Videopremiere! Videopremiere!“ springt es mir aus riesigen imaginären Lettern nach einem kurzen Blick ins Presseheft entgegen. Nicht nur die Geschichte – Genmutierte Fledermäuse auf Menschenjagd – sondern auch ein Blick auf die Beteiligten sorgt für obige Einbildung: Regisseur Louis Morneau drehte bislang solch cineastische Meisterwerke wie „Retroactive“, „Soldier Boyz“ oder „Quake“. Und auch die Stars (genaugenommen zwei) dieses Films versprechen nicht gerade einen Blockbuster: Lou Diamond Phillips ist seines Zeichens einer jener B-Mimen, die seit Jahren Filme auf den Markt werfen, von denen ein großes Publikum keinerlei Notiz nimmt (Videopremieren!). Schade eigentlich, daß die süße Dina Meyer nach „Dragonheart“ und „Starship Troopers“ ebenfalls wieder in die Kompanie der B-Filme zurücktreten mußte. Wenigstens hat sie bei ihrem Debütfilm in diesem Schlage von Produktionen, dem völlig verkorksten „Johnny Mnemonic“, gezeigt, daß auch der größte Mist durch ihre Präsenz geadelt wird.

Die ersten zwanzig Minuten von „Bats“ scheinen denn meiner Einschätzung auch Recht zu geben: Figuren und Dialoge scheinen eins zu eins aus dem (ebenfalls imaginären) „Handbuch für Stereotypen“ entnommen zu sein. Ich befürchte, daß sich das Grauen in diesem Film weniger aus dem Auftauchen irgendwelcher Flattermänner, denn aus gähnender Langeweile nähren wird, bis plötzlich ... tja, bis der Film plötzlich anfängt, Spaß zu machen. Die Story ist hierbei natürlich nur rudimentär vorhanden und sowieso völlig Banane: Die üblichen mysteriösen Todesfälle in Gallup / Texas, wo der aufrechte Sheriff Emmett Kimsey (Lou Diamond Phillips) seinen Dienst versieht, rufen die Fledermausspezialistin Dr. Sheila Casper (Dina Meyer) nebst Assistent Jimmy (Leon) auf den Plan. Natürlich sind für die Greueltaten genetisch veränderte, ebenso blutrünstige wie intelligente Fledermäuse verantwortlich, die natürlich als U.S. Geheimwaffe geplant waren und nun gestoppt werden müssen, bevor sie die Welt vernichten. So weit, so ideenlos.

„Bats“ bemüht sich nicht mal ansatzweise darum, irgendwie einfallsreich oder gar innovativ zu sein oder den simplen Plot durch irrwitzige Dialoge oder interessante Charaktere (wie im Reptilienschocker „Lake Placid“) aufzupeppen. Nein, what you see is what you get, und daher beschleicht einen ein Nostalgiegefühl der besonderen Art. „Bats“ wirkt haargenau wie einer jener kostengünstigen Gruselschocker, die vor zwanzig Jahren in Auto- und Bahnhofskinos mit Phänomenen wie „Schulmädchenreport 1-37“ konkurrierten, und erinnert in seiner fast altmodischen Schnörkellosigkeit an den letztjährigen „John Carpenters Vampire“ (verzichtet aber glücklicherweise auf dessen nervende Macho-Platitüden).

Was also macht an diesem weitestgehend unoriginellen Horrorstreifen Spaß? Zum einen kann man „Bats“ einen gewissen Charme nicht absprechen, der eben aus jener altmodischen Machart entsteht. Der Film ist handwerklich solide, gewinnt jedoch durch einige nette Einfälle; Kleinigkeiten eigentlich: Im Kino des Ortes wird – was Zufall - gerade der Vampirklassiker „Nosferatu“ gespielt, und zur Charakterisierung des texanischen Städtchens erklingt Maria McKees „If Love is a Red Dress“, seit Zed und Maynard in „Pulp Fiction“ Hollywoods Redneck-Hymne schlechthin. Heimlicher Star des Films sind natürlich die Fledermäuse selbst, die mit recht beeindruckenden Special-Effects in Szene gesetzt werden und gerade in ihrer Vermenschlichung wirklich Spaß machen. Die Viecher sind zwar saumäßig häßlich, sorgen aber durch menschliches Verhalten und Mimik für (unfreiwillige?) Komik und kommen in ihren besten Szenen bisweilen „Gremlins“-mäßig subversiv daher.

Zu einem wirklich guten Film machen all diese Dinge „Bats“ nicht, aber das hätte ja schließlich auch keiner erwartet. Der Vorteil dieses Gruselstreifens ist der leichtfüßige Umgang mit seinen Materialien, der deutschen Nachahmern („Anatomie“) völlig abgeht. „Bats“ ist über 87 Minuten ein anspruchsloser aber souverän inszenierter Streifen, der zwar nicht wirklich gruselt, aber doch gut unterhält. Ja, ich gebe es zu: Ich habe mich bei diesem Film gut amüsiert, nehme das Wort „Videopremiere“ zurück und ertappe mich beim Verlassen des Kinos sogar dabei, einen dieser unsagbar gräßlichen Meat Loaf-Songs zu summen: „Just like a bat out of hell...“ 

Simon Staake

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