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Bambi 2 - Der Herr der Wälder

Bambi 2 - Der Herr der Wälder
animation , usa 2006
original
bambi 2: the prince of the forest
regie
brian pimental
drehbuch
alicia kirk
cast
thomas fritsch,
luka andres,
bruno schubert,
anna-marie fassbender, u.a.
spielzeit
72 Minuten
kinostart
27. April 2006
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

Im Leben eines jeden Kinogängers gibt es den einen Film, mit dem alles begann. Bei mir handelt es sich um "Bambi", mein erstes Kinoerlebnis im zarten Alter von vier Jahren. Wie viele andere habe auch ich das kleine Rehkitz geliebt, wie viele andere habe auch ich geweint, als Bambis Mutter starb, ein "Kindheitstrauma", dass dank der zahlreichen Kino-Wiederaufführungen des Films ganze Generationen prägte. Als nun Disneys eherner Grundsatz fiel, zu den unter der Regie vonFirmengründer Walt entstandenen Klassikern niemals Fortsetzungen zu machen und man schließlich auch "Bambi 2" ankündigte, dachte daher auch ich, dass diese Fortsetzung absolut überflüssig sei. Doch, oh Wunder, "Bambi 2" besitzt zwar keinen so tragischen Moment wie das Original, ist aber durchaus ein schöner Nachfolger, der auch sechzig Jahre später noch die Atmosphäre des Waldes und die Tiere darin auf zauberhafte Weise einfangen kann.

Der Film spielt chronologisch innerhalb des ersten Teils (an dessen Ende Bambi ja zu einem mächtigen Hirsch ausgewachsen war) und setzt ein, nachdem Bambi gerade seine Mutter verloren hat. Der Prinz des Waldes, Bambis Vater, steht nun auf einmal als allein erziehender Vater im Wald, obwohl doch eigentlich nur die Hirschkühe für die Erziehung des Nachwuchses zuständig sind. Während Bambi stolz und würdevoll daherschreiten lernen will, um seinen Vater für sich zu gewinnen, macht dieser schon Pläne, wie er eine Ersatzmutti für das Rehkitz finden kann. Mit seinen Freunden Blume und Klopfer tollt Bambi derweil ganz und gar nicht würdevoll durch den Wald und treibt seinen Vater zur Verzweiflung.

Jeder gelernte Förster wird bei der Benennung der Wildtiere in diesem Wald- und Wiesenepos lautstark protestieren, denn eigentlich ist es unsinnig, dass Bambi ein Rehkitz ist und sein Vater ein Weißwedelhirsch ist, da es sich dabei um unterschiedliche Gattungen handelt. Walt Disney fand Weißwedelhirsche vor dem Waldhintergrund jedoch damals einfach visuell auffälliger als Rehe und nahm sich daher die kreative Freiheit, sie kurzerhand gleichzusetzen. Im folgenden Text werden Hirsch und Reh somit innerhalb des Bambiversums synonym für die gleiche Familie verwendet. Entschuldigung an alle Wildtierspezialisten da draußen.

"Bambi" (1942) basiert auf einem Buch namens "Bambi, ein Leben im Walde" von Felix Salten, welches 1923 veröffentlicht wurde. Um das Bambiversum nicht zu verlassen, griffen auch die Macher der Fortsetzung auf das literarische Original zurück, aus dem sie einige Storyelemente in den neuen Film integrierten. Glücklicherweise ist die Erzählung klassisch gehalten, so dass uns weder Popkultur-Referenzen noch sonstiger Schnickschnack á la "Himmel und Huhn" erwarten. Da Disney sich gerade mit dem Hühnchen offiziell von handgezeichneten Trickfilmen fürs Kino verabschiedete, wurde "Bambi 2" dann auch in den USA nur auf DVD herausgebracht. Der Film passt nicht mehr in das neue Disneysche Animationskonzept. Besonders ironisch also, dass ausgerechnet die Rückbesinnung auf alte Qualitäten "Bambi 2" zum stärksten Disney-Film der letzten Jahre macht.

Es gibt diverse Besonderheiten, die aus "Bambi" einen Klassiker des Trickfilms machten (und an die an sich auch bei dieser Produktion erinnerte). Der Film gehört nicht nur zu den düstersten, die der Mäusekonzern je produzierte, sondern ließ auch zum ersten Mal einen geliebten Charakter sterben (wenn auch Off-Screen). So schaffte es das Ableben von Bambis Mutter auch in die Liste der berühmtesten Filmtode. Steven Spielberg sagte dazu in einem Interview, dass er als Kind sogar nachts aufstand, um nachzusehen, ob seine Eltern noch lebten. 
Auch bei den Hintergrundzeichnungen wagte man damals neue Wege: Wurden die Hintergründe üblicherweise in Aquarell gemalt, malte den Wald von "Bambi" ein chinesischer Zeichner mit Ölfarben im Stile des Impressionismus. Die Animationskünstler des australischen (!) Filmteams des Sequels schlossen an das Original an, indem sie die alten Hintergründe teilweise integrierten. So sind zum Beispiel die Schneeflocken, die man in "Bambi 2" sieht, sechzig Jahre alt und ursprünglich mit einer Handvoll in die Luft geworfener Cornflakes animiert worden.
Und schließlich bemühte man sich auch, wie einst "Bambi" mehr über Bilder als über Dialoge zu erzählen. Der Klassiker ist ein äußerst wortarmer Film, in dem nur etwa 800 Worte gesprochen werden. Die Einführung in die Geschichte, das Aufwachen der Waldtiere, wurde zum Beispiel komplett nonverbal über Bilder und Geräusche vermittelt. Die Fortsetzung nun integriert ähnliche zauberhafte Szenen, in denen der Winter in den Frühling übergeht.
Komplett rund macht die Fortsetzung die Musik von Oscarpreisträger Bruce Broughton ("Silverado"), der sich stark an den Kompositionen des Originals orientierte. Wie damals wird jedes Tier mit einem bestimmten Instrument identifiziert. In der deutschen Fassung werden die Texte der Lieder übrigens von Ex-No Angel Sandy gesungen.

Zu den bekannten Tieren aus dem Original gesellen sich einige neue Kameraden. Der "freche" Rehkitzbube Ronno ist ein eher nerviger Charakter, doch dafür erfreuen uns das miesepetrige Murmeltier, das sich am Murmeltiertag auf keinen Fall aus seiner Höhle locken lassen will, und das schlecht gelaunte Stachelschwein. Optisch fügen sich diese Figuren sehr gut in das Bambiversum ein.
Doch leider gibt es in "Bambi 2" moralische Elemente, die negativ auffallen und nur als reaktionär bezeichnet werden können (auch hier orientiert man sich also - leider - ebenfalls am Original). Ist es zwar relativ modern, einen alleinerziehenden Vater zu zeigen, so ist das Verhältnis desselben zu seinem Sprössling mehr als fragwürdig. Bambi imponiert seinem Vater nur durch seine körperliche Stärke oder seinen Mut in lebensgefährlichen Situationen, was einen schalen Beigeschmack von verbissenem Erfolgsdenken hinterlässt, wegen dem sich schon die Kleinsten sportlich messen und gewinnen müssen. Diese Moral ist eins zu eins schon in "Himmel und Huhn" umgesetzt worden, doch in "Bambi 2" kann man sie immerhin auf das raue Leben im Wald beziehen, welches hier nun einmal davon abhängt, dass der Prinz des Waldes seine Artgenossen vor drohender Gefahr warnt und bewahrt.
Ebenso ungünstig erscheint eine eigentlich lustig gemeinte moralische Aussage: Da Bambi sich anfänglich vor allem und jedem fürchtet, bekommt er den Rat, allem was ihm etwas Angst macht, selbst noch mehr Angst einzujagen. Auch wenn dieser Rat in einigen Furzwitzen mit Blume endet, klingt er im übertragenen Sinne doch ein bisschen nach Präventivschlag.

Obwohl "Bambi 2" trotz der löblichen Bemühungen des Produktionsteams natürlich nicht wirklich an den Klassiker herankommen kann, handelt es sich doch um einen schönen Film, der einen aufseufzen lässt, weil die Ära der handgezeichneten Disney-Figuren nun vorüber ist. Immerhin: Jetzt kann eine weitere Kinder-Generation ihren ersten Kinofilm mit dem süßen Rehkitz erleben.

Margarete Prowe

10

Dieser Film ist mein lieblingsfilm! Er weckt in mir Gefühle und hat das jung Kitz zu meinem Lieblingstier gemacht.

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