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Babys

Babys
dokumentation , frankreich 2010
original
babys
regie
thomas balmes
drehbuch
thomas balmes
cast
ponjiao,
mari,
bayar,
hattie, u.a.
spielzeit
95 Minuten
kinostart
19. August 2010
homepage
http://www.babys.kinowelt.de
bewertung

8 von 10 Augen

 

Babys! Nichts als Babys! Der Filmtitel des französischen Regisseurs Thomas Balmes verspricht kleine Menschen und man wird nicht enttäuscht sein, wenn man sein Ticket für diesen überaus reizenden Film löst. Dabei läuft es einigen sicherlich ganz kalt den Rücken runter, wenn sie hören, da gibt es einen Dokumentarfilm über kleine Hosenscheißer. Aber Balmes hat vier gute Argumente, um selbst das zynischste Kritikerherz zum Schmelzen zu bringen.

Sie heißen Ponijao, Mari, Bayar und Hattie und kommen aus Namibia, Japan, der Mongolei und den USA. Alle vier sind gerade frisch auf unserer Erde angekommen. Der französische Filmemacher begleitet diese Babys im ersten Lebensjahr. Er zeigt ihr langsames Erkunden der Welt; wie sie sich mit Tieren, Eltern und Spielzeug auseinandersetzen und dabei mehr als einmal verzweifeln.

"Babys" kommt vollkommen ohne Off-Narration aus. Balmes verzichtet auch auf das bei Dokumentarfilmen beliebte Talking-Heads-Prinzip, wobei die Interviewpartner direkt in die Kamera Fragen beantworten. Er ist einfach nur ein simpler Beobachter. Einer, der sich dabei völlig auf die Ebene der Babys begibt. So kann auch der Zuschauer die Welt im wahrsten Sinne des Wortes aus der Sicht der Babys betrachten. Und aus dieser Sicht wirken so manche Verrenkungen der Eltern ziemlich albern und dumm. Als beispielsweise Hatties Mutter sich mit anderen Müttern trifft, um irgendwelche hippiesken Kinderlieder über Muttererde und die Natur zu singen, macht Hattie das einzig richtige und versucht verzweifelt aus dem Raum zu fliehen.
Der Film folgt keiner strikten Dramaturgie. Dennoch vermag man durch die kluge, unaufdringliche Montage einige besondere Punkte erkennen, die der Filmemacher deutlich machen wollte. So kann man sehr gut zwischen den Geburten in den USA und der Mongolei die zum Teil großen hygienischen Unterschiede in den Krankenhäusern sehen, oder man bekommt eine erstaunliche Lektion in Sachen elterliche Überfürsorge geboten. Wenn man sieht, wie der mongolische Junge Bayar eng verschnürt auf dem Bett liegt und plötzlich ein ausgewachsener Hahn auf sein Bett springt, oder wenn der Kleine zwischen den kräftigen Beinen der großen Rinder herumspaziert - ohne, dass die Eltern in der Nähe wären - meint man im Kinosaal regelrecht die Empörung einiger Mamas und Papas zu erkennen.

Balmes interessiert nicht der elterliche Stress des ersten Babyjahres. Die vielen unausgeschlafenen Nächte blendet der Regisseur komplett aus und konzentriert sich lieber auf die ersten Schritte der Babys. Es ist in der Tat so, dass man sich selbst dabei erwischt komplett in diesem Baby-Universum zu verschwinden, und bevor man sich fragt, wie lange man einen solchen Film laufen lassen kann, ist das Werk nach vollkommen ausgefüllten 95 Minuten zu ende. "Babys" - das ist eine hoch manipulative und gerade deswegen richtig schöne Kinoerfahrung. Außerdem lernt der Zuschauer noch etwas über die Größe und Komplexität der Welt und wie der Mensch beginnt, sich schon mit dem ersten Atemzug darin zurechtzufinden.

Patrick Wellinski

Bin gespannt, wann (respektive ob) sich ein Filmszene-User findet, der sich diesen Streifen antut um die Rezession subjektiv zu erweitern. Da müsste vermutlich dann schon die Frau/Freundin einen erheblichen Beitrag dazu leisten :)

8

Tatsächlich ein bezaubernder Film. :-)

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