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Aus Liebe zum Spiel

Aus Liebe zum Spiel
sportfilm , usa 1999
original
for love of the game
regie
sam raimi
drehbuch
dana stevens
cast
kevin costner,
john c. reilly,
kelly preston, u.a.
spielzeit
137 Minuten
kinostart
18. Mai 2000
homepage
bewertung

3 von 10 Augen

Billy Chapel (Kevin Costner), langjähriger Starspieler der Detroit Tigers, steht nicht nur vor einem der letzten großen Spiele seiner Karriere, sondern gleichzeitig auch vor einem beruflichen wie privaten Scherbenhaufen: Sein Verein will ihn nach 20 Jahren an einen anderen Club verkaufen und seine langjährige Freundin Jane (Kelly Preston) will ihn endgültig verlassen. Während Billy sich darauf zu konzentrieren versucht, zum Abschied ein „perfect game“ – das Herauswerfen sämtlicher gegnerischer Schläger – hinzulegen, lässt er noch einmal die wichtigen Situationen seines Lebens und seiner Liebe Revue passieren. Aber gibt es für ihn – als Spieler wie als Mensch – noch eine weitere Chance?

Wenn Kevin Costner mal nicht irgendwelchen Wild-West-Phantasien hinterherhängt („Postman“), dann ist die Chance relativ groß, ihn in meist romantisch angehauchten Sportfilmen („Tin Cup“) oder in Liebesfilmen („Message in a Bottle“) zu finden. Hier versucht er nun also das Amalgam aus beidem. Und wer seinen ersten Baseballfilm „Annies Männer“ kennt, der weiß, dass dies hervorragend funktionieren kann. 
Leider funktioniert es in „Aus Liebe zum Spiel“ ganz und gar nicht. Und zwar hauptsächlich deshalb, weil der Film es nicht schafft, Sportfilm und Liebesgeschichte sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Relativ sinnlos plätschern beide Erzählstränge nebeneinanderher (wobei das Verhältnis Liebe – Sport hier bei etwa 80:20 liegt) und daher kann weder das eine, noch das andere auch nur ansatzweise überzeugen. Die Konzentration auf die Liebesgeschichte zwischen Billy und Jane wäre ja noch zu verzeihen, wenn es nicht diverse Gründe für das Scheitern dieses Plots geben würde. 
Zuallererst wären da die beiden Hauptdarsteller: Um einen vernünftigen Liebesfilm zu machen, braucht man nicht nur ein gutes Skript, sondern vor allem auch gute Schauspieler, um es überzeugend umzusetzen. Womit wir beim Problem wären: Costner und Preston verfügen einfach nicht (mehr?) über die schauspielerischen Fähigkeiten, um Charaktere plastisch darzustellen, die einen Film tragen müssen. Andererseits gelingt es dem hölzernen und oberflächlichen Skript auch nur selten, seinen beiden Hauptfiguren Leben - oder gar so etwas wie Glaubwürdigkeit – einzuhauchen. Womit die Wahl der Darsteller wiederum gar nicht so falsch ist, denn so können Costner und Preston das tun, was sie am besten beherrschen: nett und adrett aussehende Figuren ohne Ecken und Kanten zum Besten geben. Dass damit die Liebesgeschichte quasi D.O.A. – „Dead on Arrival“ ist, verwundert da nicht mehr. 
Bliebe noch der Sportteil. Und der leidet nicht nur unter der übermächtigen Präsenz der Liebesgeschichte (womit „Aus Liebe zum Spiel“ grandios missbetitelt ist), sondern vor allem unter dem Aufbau des Films, der irgendwie so gar nicht funktionieren will: Dass die Liebesgeschichte in Retrospektive – quasi als Erinnerung von Billy während des großen Spiels – erzählt wird, ist ja an sich nicht schlimm. Dass der Film in jenen Spielsequenzen sämtlichen Spannungsaufbau vermissen lässt, schon eher: Relativ zusammenhanglos werden die langen Rückblenden mit kurzen Wirf-und-Schlag-Momenten zusammengeklebt. Was die Macher offenbar auch erkannten und sich noch verzweifelt an einer Spannungskurve versuchten: Leider wird die Idee des „perfect game“ viel zu spät, nämlich erst kurz vor Schluss aufgebaut. Wodurch die letzte halbe Stunde zugegebenermaßen recht spannend gestaltet ist, die Spiel-Sequenzen in den vorherigen ¾ des Films aber leider völlig lose inmitten der klischeeüberfrachteten Liebesgeschichte hängen. 
Das Ergebnis ist hochglanzpolierte und oberflächliche Langeweile. Abgeschmackte Ideen werden (nahezu) ohne Sinn und Verstand zu blödem und kreuzbiederem Unterhaltungsquark zusammengerührt. Bleibt eigentlich nur die Frage, warum der eher eigenwillige Regisseur Sam Raimi (ja, der mit „The Evil Dead“) sich nach seinem hervorragenden „Ein einfacher Plan“ zur Realisierung von solch uninspiriertem Mumpitz hergab. Aus Liebe zum Spiel? Nein, nein. Aus Liebe zum Geld.

Simon Staake

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