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American Psycho

American Psycho
psycho-thriller , usa 1999
original
regie
mary harron, andrzej sekula
drehbuch
mary harron, guinevere turner
cast
christian bale,
willem dafoe,
jared leto,
reese whitherspoon,
samantha mathis, u.a.
spielzeit
120 Minuten
kinostart
7. September 2000
homepage
bewertung

8 von 10 Augen

Für alle, die Bret Easton Ellis‘ Buch „American Psycho“ nicht kennen: Kein Problem, denn vielleicht seid ihr einfach zu jung und dürft es gar nicht lesen - es steht auf dem Index. Als „American Psycho“ 1991 heraus kam, sorgte es für einen Sturm der Entrüstung aufgrund seiner expliziten Gewaltdarstellung vor allem gegenüber Frauen, und somit landete dieses Buch fast überall auf der Welt auf dem Index oder ist erst ab 18 freigegeben. Im Jahr 2000 hat nun eine Frau die Geschichte um Patrick Bateman verfilmt.

Dieser Patrick Bateman (Christian Bale) ist ein klassischer Yuppie im New York der Achtziger. Er hat alles: einen Job in der Firma seines Vaters, viel Geld, Designeranzüge, eine gutaussehende Freundin und eine noch besser aussehende Geliebte. Das Einzige, was Patrick Bateman zu fehlen scheint, ist nach eigenen Aussagen etwas, was einer Seele gleichkommen könnte, er selbst sagt sogar, dass sie gar nicht existiert. Bateman besitzt viele Hobbies: Musik, in Clubs gehen, Frauen, heiße Dreier auf Koks ... Unschuldige zu erniedrigen, zu schlagen und zu töten. Sein Blutdurst wird im Lauf der Jahre immer größer und auch das letzte bisschen Verstand scheint langsam verloren zu gehen.

Wer das zugrundeliegende Buch gelesen hat und es liebte (wie ich), wird auf dem Weg ins Kino wahrscheinlich etwas skeptisch sein, ob man diese Erzählung überhaupt gut verfilmen kann. Aber seid beruhigt: Der Film schafft es, den Geist des Buches vollends rüber zu bringen, obwohl einige Handlungsstränge hinzugefügt wurden, um dem Streifen einen roten Faden zu geben, da das Buch eher eine Aneinanderreihung von Ereignissen ist.

Alles, was „American Psycho“ zu einem Bestseller machte, besitzt auch der Film. Die ca. 2 Stunden sind gespickt mit schwarzem Humor, daß es fast schon peinlich und erschreckend ist, wie witzig Gewalt sein kann. Präsentiert wird ein satirischer Blick auf die Reagan-Ära. Der Materialismus ist auf seinem Höhepunkt und es gibt keinen oberflächlicheren Menschen als Patrick Bateman. Er trainiert seinen Körper wie ein Verrückter, zieht sich sehr gut an, gebraucht mehr Schönheitsprodukte als die meisten Frauen und streift sogar einen Regenmantel über, bevor er jemanden mit einer Axt köpft. Patrick kennt seine Musik, seine Restaurants und Clubs, er kennt alles, was gesellschaftlich auch nur irgendwie relevant ist, aber er ist unfähig, eine normale menschliche Beziehung zu führen. Gefühle wie Liebe, Vertrauen, Freundschaft oder Begriffe wie Bewusstsein und Realität sind ihm fremd. Er ist so selbstbezogen, dass er selbst beim Sex mit zwei Frauen mehr auf sich selbst als auf die beiden Bräute schaut.

Es ist unglaublich, was Harmon da erschaffen hat. Sie hat es geschafft, Patrick Bateman ein Gesicht zu geben, und aus einem eher frauenfeindlichen Buch einen eher frauenfreundlichen Film zu machen, ohne dabei das Buch zu verändern. Die einzigen starken Charaktere in diesem Film sind die Frauen, alle Kerle sind schlichtweg Idioten. Neben der Regisseurin sind auch die Schauspieler brillant: Chrstian Bale ist Patrick Bateman (was er hier schafft, hätte DiCaprio, der eigentlich Bateman spielen sollte, nie auch nur im entferntesten hingekriegt), er verkörpert einerseits das perfekte Böse, andererseits einen bemitleidenswerten Menschen, der nicht zu Gefühlen fähig ist. Chloe Sevigny als Jean, der einzige Mensch, dem Bateman gegenüber so etwas wie Liebe zuläßt, spielt sehr einfach und gibt dadurch ihrem Charakter die Tiefe, die er braucht, um glaubwürdig zu wirken.

Aber der Höhepunkt des Films sind die Ausstattung und der Soundtrack. Alles, aber auch alles sieht aus und hört sich an wie in den Achtzigern. Eine unglaubliche Leistung.

Natürlich ist bei der Verfilmung eines so gewalttätigen Buches wie „American Psycho“ die Frage nach der Gewaltdarstellung äußerst wichtig. Ja, der Film ist krass, aber nicht übertrieben. Dennoch sollte man Leuten mit schwachem Gemüt von „American Psycho“ abraten.

Alles in allem erfüllt dieser Streifen alle Erwartungen, ist genauso brillant wie das Buch. Wie dieses schafft es auch der Film, schwärzesten Humor und schockierende Gewalt zu einer guten Geschichte über einen Mann auf der Suche nach seinem Selbst zu kombinieren. Und das in einer Welt, in der das, was du kaufen kannst, definiert, was du bist.

 

 

10

Christian Bale ist einfach genial. Obwohl American Psycho seine erste große Hauptrolle ist und das gleichnamige Buch jahrelang als unverfilmbar galt, meistert er die Rolle des Patrick Bateman grandios. Für mich einer der besten Schauspieler, die es zurzeit gibt. Habe nach dem Film direkt das Buch gelesen und fand es auch klasse.

8

Der Film ist gut und das liegt hauptsächlich am überragenden Christian Bale, er ist wirklich die absolute Idealbesetzung.
Der Film reicht dennoch nicht ganz an die Klasse des genialen Buches heran, was jedoch daran liegt, dass man das Buch wohl nicht adäquat umsetzen kann.

10

Dieser Film ist einfach nur genial. Ich wundere mich warum er keinen Oscar bekommen hat. Christian Bale spielt diesen psychopatischen Wallstreet Yuppie einfach nur perfekt. man muss einfach zeitweise mitlachen weil es schon so krankhaft ist das es wieder witzig ist. soundtrack ist natürlich auch perfekt, vor allem der anfang mit diesem klassischen musikstil in seiner wohnung die übrigens beneidenswert ist, ebenso der körper von bale, also ab ins fitnesstudio ;).

di caprio hätte das nich mal in hundert jahren so perfekt hinbekommen.

3

nettes Filmchen das aber vergeblich versucht ein "Mind Fuck Movie" zu sein. Die Geschichte ansich ist bis auf das Ende das dem Ganzen noch einen pseudo komplexen intelligenten Anstrich geben soll seicht und die Handlungen des Bateman nicht wirklich nachzuvollziehen da sein Wahnsinn bzw. sein abgleiten in diesen nicht dargestellt werden, sondern nur dessen direkte Auswirkungen (Morde) und somit eben dieses Verhalten weitgehend unverständlich bleibt.Falls mann während eines Films und auch noch danach über diesen nachrätseln will ohne dass die Antwort sofort auf der Hand liegt oder sich Unstimmigkeiten auftun dem sei zu ganz anderen Filmen wie zum Beispiel "Memento" geraten

Erschreckend fand ich wie ich

Erschreckend fand ich wie ich mich mit der Figur Patrick Bateman idenzifizieren konnte, wie mich sein Leiden berührt hat, was mich im ersten Moment erschreckt hat, aber dann habe ich begriffen, dass der Film akuteller ist denn je. Batrick Bateman leidet unter der extremen Oberflächlickeit seines Lebens, seines Umfeldes, seiner Gedanken, ohne die Befriedung grundlegender menschlicher Bedürfnisse, weil sie als unwichtig oder auch überhaupt nicht wahrgenommen werden. In einer Zeit, die von blitzschneller, berieselnder Nervenreizung bestimmt ist, ist unsere Zeit ähnlich öberflächlich wie die Yuppie-Gesellschaft der 80ziger. Blitzschnell von Information zu Information, von Bild zu Bild, ohne sich tiefergehend und länger mit den Dingen zu beschäftigen und die großen Zusammenhänge zu erkennen. Geprägt von Facebook und Co., Menschenbeobachtungen, die nur auf Bildern beruhen, die oft verschleiernd und selbstdarstellend sind, die auf Aussehen und Kleidung und oberflächlichen Haltungen basieren, eben weil über Bilder auch nicht mehr ausgedrückt werden kann. So sind keine tiefergehenden Charakterstudien möglich, wie in Batemans Umfeld. Und so beziehen auch wir unsere Geistesbefriedigung nicht aus Ruhe, Abenteuer, Freundschaft oder Liebe, sondern aus Kleidung, aus unseren tollen Haltungen zu den Dingen, an Bildern aus unseren Leben, die angeblich zeigen wie geil es ist. Und so greift der Narzissmus um sich ohne das wir es merken, das tiefere Selbst kommt zu kurz und seine Unzufriedenheit, wird von uns kaum noch wahrgenommen, weil wir ja schon wieder von Seite zu Seite zeppen. Auch wenn es bei mir nicht in die psychopatischen, extremen Gegenden gegangen ist wie bei Batman, habe ich ihn doch verstanden und mit ihm gefühlt, sein Leiden ist symptomatisch gerade für die heutige Internetzeit. Und obwohl er ein paar dramaturgische und inszenatorische Schwächen hat, ist der Film gerade wegen seines Konflikts und der herausragenden Ausarbeitung davon, einer DER Filme überhaupt unserer Zeit in meinen Augen, auch wenn er vor 13 Jahren herausgekommen ist. Das Internet ist schlichtweg nicht mehr kontrollierbar, was als netter Zeitvertreib vor 10 Jahren hochgekommen ist, ist gigantisch gewachsen, und wir haben es verpasst genügend darüber zu reflektieren, weil wir immer noch denken, dass es ein netter Zeitvertreib ist. Am gefährlichsten ist der Teufel halt immer, wenn er sich nicht als dieser zu erkennen gibt.

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