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Alfie

Alfie
tragikomödie , usa 2004
original
regie
charles shyer
drehbuch
charles shyer, elaine pope
cast
jude law,
marisa tomei,
susan sarandon,
omar epps,
jane krakowski, u.a.
spielzeit
102 Minuten
kinostart
10. März 2005
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

Gibt es Typen wie "Alfie" heute wirklich noch? Der Londoner arbeitet in New York als Chauffeur und nutzt jede Gelegenheit, eine der wohlhabenden und gelangweilten Luxusdamen vom Rücksitz zu vernaschen. Wenn Sie aber zu anhänglich werden verschwindet der stadtbekannte Casanova lieber - bloß keine Verantwortung übernehmen oder gar die Freiheit verlieren. Dann zieht er sich lieber zu Julie zurück, ihres Zeichens allein erziehende Mutter und hervorragende Köchin. Eine feste Bindung möchte er aber auch mit ihr nicht eingehen und besucht sie daher nur, wenn er gerade mal etwas Wärme braucht. Seinem besten Kumpel hilft Alfie zwar dabei die Ex zurückgewinnen, dies allerdings auf ganz eigene Art - indem er erstmal mit ihr ins Bett steigt. So einer ist Alfie und kommt doch mit seinem netten Aussehen und unwiderstehlichen Charme immer wieder durch. So scheint es jedenfalls lange Zeit, bis sich diese so schön geordnete Welt des Egomanen Stück für Stück aufzulösen beginnt und er mit den bitteren Konsequenzen seines Handelns konfrontiert wird.

Sicher gibt es diese Typen auch heute noch, nur wirken sie im Gegensatz zu den sechziger Jahren nicht mehr allzu gewagt und provokant. Zu jener Zeit jedoch verkörperte Michael Caine genau diesen Alfie in einer gleichnamigen Komödie, die ihn für lange Zeit zur coolsten Sau des britischen Kinos machen sollte. Kein Wunder im Zeitalter von Flower Power und freier Liebe. Heute lockt man damit allerdings keinen mehr hinter dem Ofen hervor, und so darf die Idee einer Neuverfilmung auch mit Skepsis betrachtet werden. 
Die Entscheidung des US-Publikums den neuen "Alfie" weitestgehend zu ignorieren hat aber wohl noch andere Gründe, denn dieser Film bricht die Regeln für Erfolgsformate gleich im halben Dutzend. So ist die Hauptfigur erstmal alles andere als ein Sympathieträger und für amerikanische Verhältnisse immer noch sehr unakzeptabel. Und auch nachdem ihr einige unvermeidliche Lektionen verabreicht werden, ändert sie nicht plötzlich ihre ganze Persönlichkeit um geläutert dem Happy End entgegenzutaumeln. Nix da, so leicht kann keiner aus seiner Haut und dementsprechend singt Mick Jagger im Abspann auch "Old Habits die hard" (der Mann sollte es ja wissen). Dieser Film verwandelt sich tatsächlich Stück für Stück von einer leichten Komödie zum bemerkenswert realistischen Drama, diverse harte Nackenschläge inklusive. Denn Alfie muss schließlich selbst erfahren, wie es ist auf der Seite der Verlassenen und liegen Gelassenen zu stehen und bekommt letztendlich alles zurück.

Jude Law lässt uns dabei am langsamen Absturz seiner Figur intensiv teilhaben, indem er sich uns mitteilt. Der selten genutzte Kunstgriff, die Hauptfigur nicht nur erzählen sondern gleich direkt in die Kamera sprechen zu lassen, erweist sich hier als äußerst gelungen (wobei die Idee nahe lag, machte das doch auch der Michael Caine-Alfie). Und so nimmt er uns mit zunächst atemberaubender Geschwindigkeit mit auf seine Reise, gibt zunächst den aufgeblasenen Blender und später den zerknirschten Verlierer. Jude Law hat in den letzten Monaten in ziemlich vielen Filmen mitgewirkt, aber dieser ist wirklich der Seine. Als Erzähler ist er in jeder Szene dabei und geht in seiner Performance auch regelrecht auf. Ein wahrer Tour de Force-Ritt der Emotionen, trotzdem fast immer mit einem Augenzwinkern. Unterstützt wird er dabei von Namen wie Marisa Tomei oder Susan Sarandon, die dafür sorgen, dass ihre Figuren ein wenig mehr als nur die übliche Staffage sind.
"Alfie" macht Spaß, ab und zu sogar etwas nachdenklich und am Ende ein wenig melancholisch. "Old Habits die hard", wie wahr. Ein schöner Film.

Volker Robrahn

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