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Agora - Die Säulen des Himmels

Agora - Die Säulen des Himmels
historien-drama , spanien 2009
original
agora
regie
alejandro amenabar
drehbuch
alejandro amenabar, mateo gil
cast
rachel weisz,
max minghella,
oscar isaac,
michael lonsdale, u.a.
spielzeit
126 Minuten
kinostart
11. März 2010
homepage
http://www.agora-derfilm.de
bewertung

6 von 10 Augen

 

Die Stadt Alexandria im Jahr 391 nach Christus. Unter der Führung ihres Vaters Theon lehrt auch die schöne und gebildete Hypatia (Rachel Weisz) an der berühmten Bibliothek Mathematik und Astronomie. Vor allem letzterer gilt ihre ganze Leidenschaft und davon lässt sie sich weder durch die Avancen ihres Schülers Orestes (Oscar Isaac) noch durch die des Sklaven Davus (Max Minghella, Sohn des verstorbenen Regisseurs Anthony Minghella) nennenswert ablenken. Hypatia und die anderen Gelehrten unterschätzen aber auch lange Zeit die Bedrohung, die für sie durch den wachsenden Einfluss des Christentums entsteht. Das scheint aus dem Kampf gegen Heiden und Judentum als Sieger hervorzugehen und beginnt bald, die bis dahin tolerierten Zustände in Frage zu stellen. Die reine Wissenschaft statt eines starken Glaubens und vor allem eine selbstbewusste Frau in führender Position - das alles ist den neuen Autoritäten bald ein großer Dorn im Auge.

Wenn sich der Regisseur Alejandro Amenabar, der bereits in so unterschiedlichen Genres wie dem Psycho- und Gruselthriller ("Open your Eyes", "The Others") und dem bewegenden Drama ("Das Meer in mir") beeindruckende Arbeiten abgeliefert hat, nun den großen Historienfilm als neues Spielfeld ausgesucht hat, dann ist das schon mal grundsätzlich sehr interessant und vielversprechend. Da es sich zudem um eine der größten spanischen Produktionen der letzten Jahre handelt, hat man sich auch bei der Ausstattung nicht lumpen lassen und zeigt sich auch in dieser Hinsicht als international absolut konkurrenzfähig.
Falls so geplant, dürfte es aber mit der Vermarktung außerhalb des alten Europas trotzdem schwierig werden, vor allem was das gelobte Kinoland USA angeht. Denn die zentrale Aussage dieses Einblicks in das zerfallende römische Reich am Ende des 4. Jahrhunderts lautet in etwa so: Der Einfluss und die starren Dogmen der Religionen, vor allem aber des Christentums führten nicht nur zu von Fanatikern begangenen Grausamkeiten, sondern haben die damals schon gebildete und aufgeklärte Gesellschaft weit zurückgeworfen und dafür gesorgt, dass deren Wissen für Jahrhunderte verloren ging. Ein cineastischer Schlag ins Gesicht also für all jene treuen Bibelkrieger, die anderswo große Erfolge wie "Narnia", "Blind Side" oder jeden Film von Mel Gibson bevölkern. Ein Hieb, der aber vermutlich eher unbemerkt bleiben wird, auch wenn man Amenabar allein für seine Konsequenz und Direktheit, mit der er hier seinen Standpunkt fast gänzlich ohne Weichspüler und Relativierungen deutlich macht, Respekt zollen muss- völlig unabhängig davon, ob man ihm da nun gänzlich zustimmen mag oder nicht.
Über die historische Hypatia ist nur wenig bekannt, ihr gesamtes wissenschaftliches Werk ging verloren und so etwas lässt nun natürlich viele fiktionale Freiräume zu. Und hier übertreibt das Drehbuch dann (vermutlich), wenn es die Astronomin in einer Szene mal eben den Zusammenhang und die Funktion der Gestirne unseres Sonnensystems erkennen lässt, mehr als tausend Jahre vor Galilei und Kopernikus. Sie hatte halt nur keine Gelegenheit mehr ihre Entdeckungen zu verbreiten, denn da waren die verblendeten Fanatiker davor, welche diese anmaßende Frau vorher demütigten und aus dem Verkehr zogen.

Mit Rachel Weisz gönnt sich die Produktion erfreulicherweise eine hervorragende Darstellerin für ihre zentrale Figur, die genau die nötige Mischung aus Schönheit und Verletzlichkeit, aber auch Intelligenz und Härte verkörpern kann. Alle übrigen Rollen wurden jedoch mit No Names besetzt, von denen dann auch keiner lange in Erinnerung bleibt, insbesondere die Dreiecks-Liebesgeschichte erweist sich weder als besonders spannend, noch als handlungsrelevant und wirkt eher wie ein fälschlicherweise als nötig empfundenes Element zur Laufzeitverlängerung und eventuellen Publikumserweiterung.
Überzeugen kann neben Frau Weisz und der erwähnten Ausstattung dann vor allem noch die Kameraarbeit, etwa beim Ansturm des Pöbels auf das langgezogene Areal der Bibliothek, dessen heuschreckenartiger Vormarsch in einer von oben gefilmten durchgehenden Einstellung eindrucksvoll begleitet wird. Gelegentliche Spielereien mit "Google Earth"-artigen Zooms hinauf ins Weltall wirken zwar leicht befremdlich, seien aber beim Thema Astronomie legitimiert.

Mit seiner Konzentration auf die politische Aussage und die gesellschaftliche Situation des behandelten Zeitabschnitts bei gleichzeitiger Vernachlässigung einer packenden Handlung, die auch im mehr als zwei Stunden Laufzeit keine interessanten Charaktere jenseits der Hauptfigur zulässt, erweist sich "Agora" als ein dramaturgisch etwas karger und sperriger Film. Der letztendlich dann auch erstaunlich kalt und unberührt lässt, trotz aller erkennbaren Motivation (und Wut) seines Autors und Regisseurs.

Volker Robrahn

"Und hier übertreibt das Drehbuch dann (vermutlich), wenn es die Astronomin in einer Szene mal eben den Zusammenhang und die Funktion der Gestirne unseres Sonnensystems erkennen lässt, mehr als tausend Jahre vor Galilei und Kopernikus"

Nur mal am Rande, die Funktion der Gestirne unseres Sonnensystems waren tatsächlich damals bekannt. Galilei und Kopernikus haben diese nur wiederentdeckt und weiter verfeinert. Galileis Erkenntnisse stammen bspw. aus dem Studium antiker Schriften, die aus Konstantinopel nach Italien gerettet wurden.
Damals kannte man sogar die Dampfmaschine. Mehr als 1300 Jahre vor ihrer neuzeitlichen "Entdeckung".

9

guter film. sonnst stimme ich meistens mit eurem urteil, diesmal irrt ihr etwas.

10

Obwohl ich jede Woche ins Kino gehe und dabei nicht nur Filme für Cordjacken und Wollpuloverträger dabei sind, hat mich der Film im Gegensatz zum Rezensenten sehr berührt. Dass sich ihm auch das Beziehungsgespinst der Protagonisten nicht erschlossen hat, liegt meiner Meinung nach nicht am Film. Dieser beschreibt sehr anschaulich den Anfang des Niedergangs der duch das römische Reich entstandenen Zivilisation. Kyrill Patriarch v. Alexandria kommt dabei nicht sehr gut weg, was aber weitgehend historisch belegt scheint. Es wird dabei sehr deutlich, das die religiöse Tolleranz, die das Reich über Jahrhunderte stabilisierte, mit dem aufkommen des Christentums erst überstrapaziert wurde, dann in Bezug auf die Christen in das Gegenteil verkehrt und nach dem Ende der Verfolgung nun in absolute religöse Intolleranz der nun Christlichen Mehrheit umschlug.

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