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"Die wilden Siebziger!" - Staffel 4 auf DVD

Eric, Donna, Hyde, Fez, Jackie und Kelso sind wieder da - auch wenn es in der Clique richtigen Stunk gibt. Der Grund: Eric und Donna haben sich getrennt, und versuchen beide, die gemeinsamen Freunde auf ihre jeweilige Seite zu ziehen. Andere große Ereignisse kündigen sich an: Jackie muss arbeiten, Donna findet Kelso attraktiv, Fez bekommt eine nicht-psychotische Freundin und auch Hyde trifft eine Herzensdame.

Direkt an den Cliffhanger der letzten Staffel anschließend beherrscht die Trennung von Eric und Donna diese vierte Staffel, was sich durchaus in einigen für eine Sitcom erstaunlich ernsten Folgen niederschlägt, die aber doch immer wieder durch einige herzliche Lacher aufgelockert werden. So etwa in der zweiten Folge "Doppelter Liebeskummer", in dem Red mit herrlich fröhlichem Gesichtsausdruck dem depressiven Eric vorschlägt, man könne doch gemeinsam per Spatenhieb Maulwürfe killen.
Angesichts der ernsten Hintergrundgeschichte daher also erstaunlich, dass Staffel Vier der "wilden Siebziger" wieder enorm gut unterhält. Man könnte angesichts der anhaltenden Qualität fast von Stillstand auf hohem Niveau sprechen, wenn nicht Staffel Vier sogar wieder ein kleiner Schritt aufwärts wäre. Während in der letzten Season eine Routine einkehrte, die sich auch in einigen eher mittelmäßigen Folgen niederschlug, gibt's hier wieder durchgehend zu lachen. Und auch im vierten Jahr sind den Machern der "wilden Siebziger" nicht die guten Ideen, besonders im Detail, ausgegangen, von plötzlich auftauchenden Cartoonherzen bis hin zu einer Musicalfolge, in der die Besetzung unter anderem "Happy Together" zum Besten gibt, und die mit durchaus beeindruckender Choreographie aufwartet.
Wie sehr man hier im Positiven die Erwartungen unterläuft, verdeutlicht sehr schön die Folge "Eric und die Pickel". Als die Story mit der Suche der Clique nach einem coolen Spruch fürs Jahrbuch beginnt und sich Eric & Co. nach und nach an gemeinsame Abenteuer erinnern, erwartet man nichts anderes als eine sogenannte "bottle show", den kostensparenden Zusammenschnitt von Szenen aus alten Episoden. Und dann das: Sind sämtliche Erinnerungen doch tatsächlich neue Szenen, saukomische noch dazu. Die bekannten Szenen gibt's dann selbstironisch im Abspann per Standbild nachgeliefert.
Ein weiteres Highlight ist sicherlich die Weihnachtsepisode "Die drei Weisen aus dem Weltall", in dem besonders Kelsos Vorschläge zur Verbesserung der Weihnachtsgeschichte ("oder...aus dem All") für Vergnügen sorgen. Und wie immer gibt es einige herrliche Filmzitate, darunter eine schöne Hommage an die "West Side Story". Die Eröffnungsfolge der Staffel kopiert gar ganz konsequent den Weihnachtsklassiker "Ist das Leben nicht schön?".

Änderungen gegenüber der Vorgängerstaffel gab es wieder bei der Stammbesetzung: Tanya Fox als Bobs dämliche Ehefrau Midge ist nicht mehr von der Partie, dafür ist Tommy Chong als Oberhippie Leo zum Ensemblemitglied mit Vorspannauftritt aufgestiegen. Als Gaststars sind diesmal Luke Wilson als Kelsos coolerer großer Bruder, Richard Karn ("Al Bowland" aus "Hör mal wer da hämmert", der seine Paraderolle hier herrlich persifliert) und "The Who"-Frontmann Roger Daltrey als ignoranter Musiklehrer an Bord. Und mit "Big Rhonda" sowie Bobs neuer Freundin Joanne, die dem grummeligen Red ordentlich Kontra gibt, hat man auch schöne neue Nebenfiguren geschaffen, zu denen sich noch der schon aus der letzten Staffel bekannte Pastor Dave gesellt.

Die technische Umsetzung der diesmal in schaurig-schönem Orange-Giftgrün gehaltenen Box ist wie immer solide, ohne besonders zu glänzen. Im Bonusbereich wird auf die auch eher nutzlosen Einführungen der Schauspieler verzichtet, die interessant anzusehenden TV-Spots sind noch dabei. Das Making Of "Making Company" und die Rückblicke von Mila Kunis und Laura Prepon leiden wie üblich unter zu vielen Ausschnitten und recht banalen Wortbeiträgen.
Auch David Trainers Audiokommentare sind nur minimal interessanter geworden. Ein wenig rügen muss man nun noch die deutschen Untertitel, die diesmal doch diverse Klopper reingehauen haben. Dass man die Wörter "sign" und "sun" falsch hört ist ja die eine Sache, aber wie kann man das denn bitte verwechseln, wenn im Bild deutlich ein Schild zu sehen ist? Und das dem Making Of seinen Titel gebende Zitat "Making Company", mit dem der Regisseur das Gemeinschaftsgefühl des Ensembles als Erfolgsrezept ausmacht, wird sinnentstellend als "Gespür für Komik" übersetzt. Da wäre ein bisschen mehr Detailtreue durchaus angebracht.

An Spielfreude und komischem Timing mangelt es der Serie dagegen nicht, daher gilt auch im vierten Anlauf: Schlaghosen an und ab auf die Zeitreise!

Simon Staake