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"Die wilden Siebziger!" - Staffel 3 auf DVD

Zeitreise, die Dritte. Wieder geht es zurück nach Point Place, Wisconsin, zu Eric Forman (Topher Grace), Donna (Laura Prepon), Hyde (Danny Masterson), Kelso (Ashton Kutcher), Jackie (Mila Kunis) und Fes (Wilder Valderama) sowie natürlich Êrics Eltern Kitty (Debra Jo Rupp) und Red (Kurtwood Smith). Als wir die am Ende der letzten Staffel verließen, gab es gar einen Cliffhanger: Hyde wurde wegen Drogenbesitzes verhaftet. Entsprechend geht es dann in der Auftaktfolge "Red sieht rot" auch gleich um die Pläne des cholerischen Familienoberhaupts, "dumbass" Eric und seine Freunde vom Potrauchen abzuhalten.
Ansonsten beherrschen die üblichen als auch ein paar neue Ziele und Probleme das Leben der Clique: So müssen Eric und Donna erstmals miterleben, welche Tücken das Beziehungsleben hat, wenn beide Partner unterschiedliche Vorstellungen haben. So sorgt sein traditionelles Frauenbild in der Folge "Im Baby-Fieber" für massiven Ärger, und als Donna in "Sex & Drugs & Rock'n'Roll" als "die heiße Donna" Radiomoderatorin wird, erleidet Eric eine Eifersuchtsattacke. Die Eric-Donna-Beziehung bildet also wieder das Rückgrat der Staffel und endet wiederum mit einem Cliffhanger, der für diese absurd-witzige Serie doch ungewohnt ernsthaft und dramatisch daherkommt.
Apropos: Tatsächlich gibt es auch einige ernstere Momente in den anderen Storylines, etwa Hydes Wiederfinden seines Vaters (Robert Hays, bekannt aus "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug") und dessen Kampf mit der Vaterrolle. Und Fes wird nach erfolgloser Mädchenjagd in den ersten Staffeln nun endlich fündig, muss aber in den Folgen "Die Schizobraut" und "Fez und Donna" feststellen, dass seine liebe Caroline eine Psychopathin ist. Es werden also wieder durchaus ernste Themen angepackt, verpackt wie immer in die übliche Mischung aus Dialog- und Situationswitz.

Positiv ist anzumerken, dass man sich nicht mit arg zu überbordenden Storylines herumschlägt, die das Tempo bremsen. Daher kann die Staffel ohne größere Altlasten loslegen. Einzige direkte Fortschreibung aus der Vorgängerstaffel ist freilich die so unerwartete wie unerfolgreiche plötzliche Verliebtheit von Jackie in Hyde. Jackies Versuche, den Romantik-resistenten Hyde für sich zu gewinnen, bilden eine gute fortlaufende Story, ebenso wie Fes' Kampf mit der psychotischen Caroline.

Wie üblich sind es kleine visuelle Spielereien und das Auge fürs Zwischenmenschliche, die auch den dritten Trip in "Die Wilden Siebziger!" zum Vergnügen werden lassen. Wenn etwa in der Folge "Red, die Leiche des Jahres", in der Eric und Donna sich gegenseitig den Sex verweigern, beide mit den Freunden zur Beratung zusammensitzen und die Serie dann per Splitscreen die jeweiligen Ratschläge herrlich witzig kontrastiert, weiß man, warum man diese Serie mögen muss.
Highlights in dieser Staffel sind sicherlich die Folgen "Das große Fressen", "Das romantische Wochenende" und "Erics Tätowierung", während die "Halloween"-Episode "Hitchcock lässt grüßen" (mit eigenem Halloween-Vorspann!) als Parodie von Hitchcocks bekanntesten Filmen zwar eine nette Idee ist, aber doch eher nicht so gut funktioniert.

Auch wenn sich in den Extras alle enthusiastisch zur dritten Staffel der Erfolgsserie äußern, es gab zumindest ein wenig Ärger im Paradies, wie man an der Rolle von Erics Schwester Laurie (Lisa Robin Kelly) sieht. Aufgrund von Differenzen mit den Produzenten wurde Lisa Robin Kelly gegen Mitte der Staffel sang- und klang- und vor allem erklärungslos von einer Woche auf die nächste aus der Serie geschrieben, was man an dem notwendigerweise geänderten Vorspann erkennt. Da die deutschen Folgen in etwas anderer Reihenfolge ausgestrahlt wurden, geht's im deutschen DVD-Set allerdings noch mal für eine Folge zum alten Vorspann und Kellys Teilnahme zurück. Dafür ist wenigstens Tommy Chong als Oberstoner Leo wieder ein paar mal mit dabei.

Bei den Extras hat man sich neben den bekannten (und nur für Fans interessanten) Audiokommentaren von Serienregisseur David Trainer diesmal einige neue Sachen ausgedacht. So gibt es zu allen Episoden den US-TV Spot und zu fast allen eine Einführung eines Schauspielers. Da diese, ebenso wie die Interviews für die Doku "Ein Blick zurück auf Staffel Drei" während des Drehs der siebten und letzten Staffel entstanden, fehlen hier die bekanntesten Gesichter Topher Grace ("Spiderman 3") und Ashton Kutcher ("Der Butterfly-Effekt"), da beide zu dem Zeitpunkt nicht mehr in der Serie dabei waren. Also muss die B-Riege der Jungen (Masterson, Valderama, Kunis) neben den Älteren die Arbeit übernehmen.
Schnell ist hier auch ein Unterschied ausgemacht. Die jungen Darsteller haben meist nicht mehr anzumerken außer dass diese Folge nun besonders witzig ist, während Kurtwood Smith und Debra Jo Rupp eher Anekdoten vom Set erzählen, letztere allerdings sehr ausschweifend. Der Informationswert hält sich hier also in Grenzen. Wenigstens Don Stark alias Bob Pinciotti bringt einigen ironischen Humor ein.
Die TV-Spots dagegen sind sehr interessant, um zu sehen, wie die Serie beworben wurde. Die "Blick zurück"-Doku bringt wieder wenig Erhellendes, außer der von allen Interviewten vorgetragenen Erkenntnis, dass Staffel drei ihre Lieblingsstaffel war und sie sie für die beste halten. Dem muss man jetzt nicht unbedingt zustimmen, aber man merkt dem Ensemble an, wie gerne sie an der Serie arbeiten und gearbeitet haben und wie eingespielt sie in ihrem dritten Jahr zusammen waren.

Eingespielt gilt hier dann auch für alles: das Ensemble, die DVD-Umsetzung, und die Serie selbst. Sie spult ihr Gagprogramm gelungen ab, was zwar nicht immer Genialität mit sich bringt, aber zu jedem Moment gute Unterhaltung. Auch wenn man nicht ans Niveau der grandiosen ersten Staffel herankommt und auch das der zweiten denkbar knapp verpasst, so bleibt "Die Wilden Siebziger!" eine wunderbar charmante, kurzweilige Serie, bei der die Lachmuskeln immer noch ein gutes Ausdauertrainingsprogramm bekommen.

Simon Staake