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Die Ursprünge eines einmaligen Phänomens - die "Star Trek Classic"-Serie auf DVD

Bei allem Respekt für die "Voyager", die Crew des französischen Captains Picard oder die von Krisen gebeutelte Raumstation Deep Space Nine: Auf keine andere Veröffentlichung haben die Freunde der Franchise Namens "Star Trek" wohl so sehnsüchtig gewartet, wie auf die DVD-Edition der Original-Serie aus den sechziger Jahren. Denn auch viele, die mit den späteren Ausuferungen des Trek-Universums eher wenig anfangen konnten, bekommen bei den Namen Kirk und Spock doch ein gewisses Leuchten in den Augen. Dabei ist über den Beginn des vielleicht größten Fernsehphänomens schon so viel gesagt und geschrieben worden, dass ein paar Stichworte hier genügen sollen: Schwerfälliger Start nach einem abgelehnten Pilotfilm, mäßige Quoten aber doch genug begeisterte Fans für zumindest drei Staffeln vor der Einstellung, und erst danach durch ständige Wiederholungen eine immer weiter steigende Popularität, die bis heute vier Nachfolgeserien und zehn Kinofilme sowie unzählige Merchandisingartikel hervorgebracht hat.
Wobei der ganz besondere Charme der jetzt vorliegenden allerersten 29 Episoden der Marke "Star Trek" einfach darin besteht, dass man von all dem später folgenden Spektakel noch rein gar nichts wusste und einfach nur eine neue und originelle Science-Fiction-Serie auf die Beine stellte. Eine Serie mit einem eher begrenzten Budget, aber auch mit einem hoch motivierten Schöpfer namens Gene Roddenberry, der seinen "Zug zu den Sternen" so ganz nebenbei noch mit einer gar nicht so albernen Moral und Ernsthaftigkeit ausstattete. Und während Ausstattung und Tricktechnik aus heutiger Sicht schon ab und an zum Schmunzeln reizen, hat kaum eine andere TV-Serie in den Punkten Atmosphäre, ausgefeilte Charaktere und interessante Geschichten die Jahrzehnte so gut überstanden. Im Gegensatz zu den Nachfolgeserien, die alle unter mehr oder weniger starken Anfangsproblemen litten, stimmt die Chemie zwischen den Figuren und die Qualität der Storys hier bereits von Beginn an. Daher enthält auch die nun vorliegende erste Staffel bereits einige der absoluten Highlights einer ja ohnehin eigentlich komplett mit dem Attribut "klassisch" zu versehenden Serie.

"Spitze des Eisbergs" gehört dazu, eigentlich der zweite Pilotfilm der Serie, was gut daran zu erkennen ist, dass hier die Uniformen noch ganz anders aussehen und auch Dr. McCoy noch nicht mitwirkt. Denn auch bei der DVD-Veröffentlichung hält man sich bedauerlicherweise wieder an die damalige Ausstrahlungsreihenfolge und nicht an die eigentliche Produktionsreihenfolge - daher folgt die chronologisch erste Folge dann hier auch erst an dritter Stelle. Mit "Implosion in der Spirale" folgt darauf eine der wildesten und ungewöhnlichsten Episoden überhaupt und in "Spock unter Verdacht" werden dann erstmals die Romulaner eingeführt. Dies geschieht damit immerhin noch vor den Klingonen, die ihren ersten Auftritt (noch im alten Mongolen-Look) erst im "Kampf um Organia" haben. Auch der "Griff in die Geschichte" ist dabei, eine Zeitreisegeschichte, die bei fast allen Umfragen nach den besten und beliebtesten Trek-Episoden vordere Plätze belegt. Und mit "Der schlafende Tiger" wurde durch die Einführung des charismatischen Gegenspielers Kahn bereits die Saat für einen erst rund 15 Jahre später folgenden Kinofilm gelegt.
Wirklich schwache Episoden gibt es so wenige wie in vielleicht keiner anderen einzelnen Staffel der Franchise: Die "Pappmonster"-Folgen "Das Letzte seiner Art" und "Ganz neue Dimensionen" gehören dazu und wohl auch der Versuch, mit dem Zweiteiler "Talos IV - Tabu" das Material des eher misslungenen ersten Pilotfilms (noch mit einem anderen Captain) nachträglich in die Serie zu integrieren.

Insbesondere für das deutsche Publikum ist die vollständige Sammlung dieser Werke in der Originallänge und mit der Option, auf den Originalton umzuschalten, eine längst überfällige und erfreuliche Sache. Denn nicht nur, dass bei der ursprünglichen Bearbeitung durch das ZDF zahlreiche Folgen radikal beschnitten wurden und die deutschen Zuschauer lange Zeit gar nicht wussten, dass ihnen knapp die Hälfte der Episoden gleich komplett vorenthalten wurde. Auch die gewollt schnodderige und auf lustig getrimmte Synchronisation entsprach dabei eher nicht der größeren Ernsthaftigkeit des Originals, welches einen deutlich feineren Humor pflegte. Ein entsprechender Vergleich ist dank der Möglichkeiten des DVD-Zeitalters nun problemlos möglich, zumal der deutsche Ton fast erwartungsgemäß nur in Mono angeboten wird.
Womit wir dann noch zu einer weiteren Selbstverständlichkeit dieses Zeitalters kommen, nämlich dem zu erwartenden Bonusmaterial. Gerade bei einer älteren Serie wie dieser ist es natürlich besonders interessant, was da eventuell noch so ausgegraben wurde, und um das Fazit hier gleich einmal an den Anfang zu stellen: Diese Extras sind doch ein rechtes "Mixed Bag". Als Routine darf man da wohl schon die Interview-Rückblicke der Beteiligten auf die damalige Produktion und das eher kurze Charakterprofil von Mister Spock bewerten. Etwas willenlos wirkt das "Trekker Connection Spiel" und ob man William Shatner ganze zehn Minuten dabei zusehen möchte, wie er auf seiner Ranch Pferde zureitet, überlassen wir mal jedem selbst. Sehr schön, und auch bei früheren "Star Trek"- Veröffentlichungen noch nicht da gewesen, sind aber zwei weitere Programmpunkte: Die ausführlichen Textkommentare zu drei ausgewählten Episoden und vor allem die damaligen TV-Trailer zu allen 29 Episoden, denn die hat man entweder sehr lange nicht oder vor allem hierzulande noch gar nicht gesehen.

Drei Boxen wird diese DVD-Edition diesmal nur umfassen, denn nach drei Staffeln war damals bekanntlich Schluss mit "Star Trek", wenn auch nur vorübergehend. Was mit diesem ersten Jahrgang nun aber in einer hübschen gelben Plastikbox bereits vorliegt, ist auf jeden Fall ein verdammt wichtiges und erstklassiges Stück Fernsehgeschichte.

Frank-Michael Helmke