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Die Oscar-Verleihung 2014

Rosenmontag am Rhein? Davon bekommt der Filmszene-Redakteur aus der norddeutschen Hansestadt höchstens etwas mit, wenn ihm die Häufung von Karnevalssendungen im deutschen Fernsehen auffällt. Daher fällt ihm auch die Entscheidung für das angebotene Kontrastprogramm nicht schwer, bei dem sich ebenfalls in steter Abfolge Menschen auf die Bühne stellen um mal mehr, mal weniger Witziges zum Besten zu geben.  Sie haben allerdings auch noch die Aufgabe Preise zu vergeben und zwar die nach wie vor begehrtesten ihrer Art im Filmgeschäft. Die Frage, ob die mehrstündige Oscar-Verleihung das Aufbleiben lohnt, stellt sich dabei jedes Mal aufs Neue und wird von uns was die Ausgabe 2014 angeht mit einem  eindeutigen "bedingt" beantwortet.

Ein guter Teil des Unterhaltungswertes dieser  Veranstaltung steht und fällt mit  dem jeweiligen "Host", der durch die Show führt und dabei bereits mit seiner Eröffnuhgsnummer die ersten starke Akzente setzt. Nachdem  Seth MacFarlane letztes Jahr als frisches Gesicht zu überzeugen wusste überrascht es fast ein wenig, dass man ihn für die 86. Ausgabe nicht gleich erneut gebeten hat, sondern mit Ellen DeGeneres auf einen in den USA etwas größeren Namen setzt und dazu auf eine Rückkehrerin, denn DeGeneres moderierte die Show bereits einmal im Jahr 2007. Ihr einführender Monolog entpuppte sich allerdings als recht schaumgebremstes und nur leidlich amüsantes Abarbeiten der geskripteten Gags, DeGeneres verzichtete darauf sich wie einige ihrer Vorgänger  in die wichtigsten nominierten Filme hineinzukopieren oder diese mit einem musikalischen Ständchen zu bedenken.

Schon der erste vergebene Preis war dann allerdings ein im mehrfacher Hinsicht bemerkenswerter. Denn mit Jared Leto ging der Oscar für die beste männliche Nebenrolle an einen "Teilzeitschauspieler" der sechs Jahre lang keinen Film gedreht hatte, bevor er nun für seinen an AIDS erkrankten Transvestiten in "Dallas Buyers Club" ausgezeichnet wurde. Leto ließ es sich dabei nicht nehmen, ein von der Academy stets sehr gern gehörtes politisches Statement abzugeben und die "für ihren Traum kämpfenden Menschen in der Ukraine" zu grüßen - man ließ ihn gewähren ohne mit der gefürchteten Keule schnell eingespielter Musik einzugreifen. Zudem verwies natürlich gleich dieser erste Preis auf die Fachkompetenz der Filmszene-Redaktion, lagen wir hier doch mit unserer Voraussage absolut richtig. Als mit der Auszeichnung für die beste Maske sogleich der zweite Oscar anschloss, schien sich mit "Dallas Buyers Club" sogar so etwas wie ein Geheimfavorit für den großen Sieger des Abends abzuzeichnen.

Im Anschluss konnte dann erstmal die letzte kleine Hoffnung auf einen Oscargewinn deutscher Filmschaffender zu den Akten gelegt werden, denn die beiden Regisseure Max Lang und Jan Lachauer gingen für ihren animierten Kurzfilm "Room on the Broom" leider leer aus, womit ihnen aber immerhin eine Begegnung mit der aus dem Ruhestand gezerrten Laudatorin Kim Novak erspart blieb, der es kaum gelang aus ihrem extrem gelifteten Gesicht die siegreichen Namen herauszupressen.   

Nachdem der Oscar für den besten fremdsprachigen Film nach Italien ging ("La Grande Bellezza") und die Kurzfilm- und technischen Kategorien abgehandelt waren, bei denen erwartungsgemäß "Gravity" die ersten Auszeichnungen verzeichnen konnte, stieg die Spannungskurve wie üblich erst im letzten Drittel der Show richtig an.  Bis dahin galt es einige Collagen und Musiknummern zu überstehen sowie selbstverständlich die Performance der vier nominierten Filmsongs, womit es immerhin auch einen Auftritt von U2 zu goutieren gab, die aber auch nicht die Ehre für den ansonsten von der Academy komplett ignorierten Nelson Mandela-Film retten konnten, sondern sich der Disney-Schnulze "Let it go" aus dem ungleich populäreren "Die Eiskönigin - Völlig unverfroren" geschlagen geben mussten.

Es stellte sich die Frage, ob der Durchmarsch von "Gravity" in den technischen Kategorien auch bei den Hauptpreisen weitergehen würde, und spätestens als der Preis fürs beste Originaldrehbuch nicht unverdient an Spike Jonze für "Her" ging deutete sich an, dass mit "American Hustle" womöglich einer der ganz großen Favoriten völlig leer ausgehen könnte. Beides trat tatsächlich ein, denn Alfonso Cuarón ergatterte den Oscar für die beste Regie und damit insgesamt stolze sieben Oscars für "Gravity", während der zehmal nominierte "American Hustle" ohne eine einzige Auszeichnung blieb und somit zweifellos der Verlierer des Abends war (vor den ebenfalls sieglosen "Nebraska" und "Wolf of Wall Street"). Der letztlich dann doch erwartungsgemäß als bester Film erfolgreiche "12 Years a Slave" und der "Dallas Buyers Club" können dagegen mit ihren jeweils drei Oscars durchaus zufrieden sein. 

Und Ellen DeGeneres? Die bemühte sich mit mal mehr (ein Allstar-Selfie) mal weniger gelungenen Aktionen (Pizza fürs Publikum) um Auflockerung und zog sich letztlich genauso mit einem "war ganz okay" aus der Affäre wie die gesamte Veranstaltung. Was  für eine Feier des vermeintlich Besten vom Besten irgendwie doch etwas wenig ist, aber keinesfalls für die Vorhersagen unseres feinen kleinen Onlinemagazins gilt. Denn für Filmszene.de sagte der Kollege Helmke dieses Jahr bemerkenswerte 20 von 24 Gewinnern korrekt voraus und lag dabei in allen Hauptkategorien richtig. Da hätte man ja fast gar nicht mehr selbst zu gucken brauchen...

Die vollständige Liste der diesjährigen Oscar-Gewinner:

BESTER FILM
"12 Years a Slave"

BESTE REGIE
Alfonso Cuarón (Gravity)

BESTER HAUPTDARSTELLER
Matthew McConaughey (Dallas Buyers Club)

BESTE HAUPTDARSTELLERIN
Cate Blanchett (Blue Jasmine)

BESTER NEBENDARSTELLER
Jared Leto (Dallas Buyers Club)

BESTE NEBENDARSTELLERIN
Lupita Nyong'o (12 Years a Slave)

BESTES ADAPTIERTES DREHBUCH
John Ridley - "12 Years a Slave"

BESTES ORIGINALDREHBUCH
Spike Jonze - "Her"

BESTER FREMDSPRACHIGER FILM
La Grande Bellezza - Die große Schönheit (Italien)

BESTER ANIMATIONSFILM
Die Eiskönigin - Völlig unverfroren

BESTE KAMERA
Gravity (Emmanuel Lubezki)

BESTE KOSTÜME
Der große Gatsby

BESTER SCHNITT
Gravity

BESTE MASKE
Dallas Buyers Club

BESTE FILMMUSIK
Gravity (Steven Price)

BESTER ORIGINAL-SONG
"Let it go" aus "Die Eiskönigin - Völlig unverfroren"

BESTE AUSSTATTUNG
Der große Gatsby

BESTER DOKUMENTARFILM
20 Feet from Stardom

BESTE KURZDOKUMENTATION
The Lady in Number 6

BESTER ANIMIERTER KURZFILM
Mr. Hublot

BESTER KURZFILM
Helium

BESTER TONSCHNITT
Gravity

BESTER TON
Gravity

BESTE VISUELLE EFFEKTE
Gravity

 

Volker Robrahn

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