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Der Ritt der Glorreichen Drei

Die Western von Sam Peckinpah, Monte Hellman und Warren Oates

Dass die beiden Namen Sam Peckinpah und Monte Hellman zusammen gehören oder zumindest zusammen gehören können, erscheint auf den ersten Blick nicht offensichtlich. Aber da man bei beiden Männern dem ersten Blick nur bedingt vertrauen darf, macht es auch Sinn, dass man beim Betrachten des Vorspanns zur gerade erschienenen Peckinpah-Dokumentation "Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah" von Mike Siegel liest "Narrated by Monte Hellman". Kultisch verehrt werden sie beide, auch wenn Hellman hierzulande so gut wie unbekannt ist. Und beide haben eines gemeinsam: Warren Oates als Anker ihrer bekanntesten und besten Filme.

Der Charaktermime mit dem unverwechselbaren Gesicht war dank seiner Visage eigentlich in Hollywood prädestiniert zum Bösewicht in Nebenrollen. Hellman und Peckinpah sahen jedoch etwas anderes in Oates - einen potentiellen Hauptdarsteller. Unter sich und in verschiedenen Kombinationen miteinander erschufen die drei Männer einige der faszinierendsten und ungewöhnlichsten Filme der 1960er und 1970er. Viele davon entstanden in einem Genre, das Peckinpah liebte wie kaum ein zweiter, und in dem Hellman und Oates brillierten. Dies ist die Geschichte der außergewöhnlichen Western von Sam Peckinpah, Monte Hellman und Warren Oates.

 

Sie beginnt für zwei der drei Männer nicht auf der großen Leinwand, sondern der kleinen Mattscheibe. Peckinpah und Oates kamen beide vom Fernsehen, wo sie ihre Lehrjahre verbrachten, zumeist im Westerngenre. Gerade Peckinpah bewies ein besonderes Gespür für diese Gattung, dabei spielten sein Aufwachsen auf einer Farm und sein Interesse an den anachronistischen Ehren- und Verhaltenskodexen des Westerners eine ständige Rolle. Nach Drehbüchern für den Dauerbrenner "Gunsmoke" (Rauchende Colts) durfte er für die Serie "The Rifleman" (Westlich von Santa Fé) dann neben dem Verfassen der Episoden diese auch vom Regiestuhl aus umsetzen.

Hier traf er auch erstmals mit Warren Oates zusammen, der in einer "Rifleman"-Folge einen Betrunkenen mimte. Peckinpah muss sofort etwas in Oates gesehen haben, denn auch in der nächsten Serie Peckinpahs war er wieder dabei. Bei dieser Show, die realistisch das Leben des Cowboys Ende des 19. Jahrhunderts darstellen sollte, handelte es sich um "The Westerner". Sie wird heute als eine der besten und realistischsten Serien des Genres gesehen, wurde aber 1960 nach nur einer halben Staffel abgesetzt. Bei Ansicht der kurzen Ausschnitte in "Passion & Poetry" kann man die Qualität zumindest erahnen und nur bedauern, dass es von der Serie keine Veröffentlichung gibt. In der von Peckinpah inszenierten Folge "The Marshal" gab Oates seine nächste Talentprobe ab.

Immerhin ebnete "The Westerner" Peckinpah trotz der Absetzung indirekt den Weg zum Kino, denn mit Titelheld und Hauptdarsteller Brian Keith verstand Peckinpah sich blendend. Und nachdem Keith 1961 mit Partnerin Maureen O'Hara gerade in der Disneykomödie "The Parent Trap" seinen größten Leinwanderfolg feiern konnte, ermöglichte er Peckinpah dessen Kinodebüt. "The Deadly Companions" war kein großartiges Drehbuch, ein B-Western mit deutlichen Logikschwächen, aber Peckinpah hatte einen verlässlichen Hauptdarsteller und die erste Möglichkeit, mit dem Breitbildformat der großen Leinwand zu experimentieren.

"Companions" hat ein paar Szenen, die die Stärken des späteren Peckinpah erahnen lassen, ist aber insgesamt nicht sehr erinnerungswürdig. Das Erinnerungswürdigste passierte hinter den Kulissen, nämlich ein Streit mit Produzent Fitz Simmons, der das Ende hinter Peckinpahs Rücken umschnitt, um den Heldencharakter von Brian Keiths Figur zu bewahren. Der Streit mit Produzenten um den "final cut" wurde ein ständig wiederkehrendes Thema in Peckinpahs Karriere, das allerdings nur selten zugunsten des sturen Regisseurs ausgehen sollte.

 

Die größte Sensation von "Ride the High Country" (Sacramento) war, wie schnell Peckinpah von einem mäßigen B-Western zu einem kleinen Meisterwerk des Genres kommen konnte. War "Companions" gerade mal passabel, zeigte "Ride The High Country" eine ganz andere inszenatorische und inhaltliche Klasse. Eine große Hilfe war dabei sicherlich das gute Drehbuch von N.B. Stone Jr., das von Peckinpah und Robert Williams noch mal umgearbeitet wurde. Und natürlich die Besetzung, die einen wahren Coup darstellte. Mit Randolph Scott und Joel McCrea standen zwei Veteranen zur Verfügung, die sich über Jahre in B-Western ihr Brot verdient hatten.

Damit waren sie die perfekten Darsteller für die Rollen der alternden Revolverhelden Gil Westrum (Scott) und Steve Judd (McCrea), die die Goldreserven eines Goldgräbercamps transportieren sollen, was aber aufgrund diverser Zwischenfälle schwierig wird. Zum einen treffen sie auf die junge Elsa Knudsen (Mariette Hartley), die von zu Hause wegläuft, um sich mit einem der Hammond-Brüder, einer Familienbande von lokalem Gesindel, zu verheiraten und dies schon bald bereut. Zum anderen ahnt Steve nicht, dass sein alter Freund Gil plant, ihn mit Hilfe seines jungen Komplizen Heck (Ron Starr) zu verraten. Peckinpah begann hier, sein Ensemble an Darstellern zusammenzustellen, die ihn durch einen Großteil seiner Filmographie begleiteten, so etwa R.G. Armstrong und L.Q. Jones. Oates war wie Jones als einer der Hammond-Brüder zu sehen, und blieb von dem bösen Familienclan am meisten im Gedächtnis, auch wegen einer humorigen Szene, in der er sich weigert, sich für die Hochzeit seines Bruders zu waschen.

 

Peckinpah packte viele seiner Gedanken und Gefühle über seine eigene Familie, sein Aufwachsen im Westen und seinen Vater - der offenbar das Modell für Steve Judd war - in den Film, und dieser emotionale Mehrwert liefert dem eigentlich recht simplen und gradlinigen Western neben den tollen Bildern von Lucien Ballard und den Darstellerleistungen seine Klasse. "All I want is to enter my house justified" sagt Steve Judd; eines der simplen aber dann doch tiefgründigen Prinzipien, die hier gesagt werden. Respekt, Freundschaft, Loyalität, Verrat und Erlösung - alle Peckinpahschen Themen sind hier schon vereint, eingebunden in eine traditionelle Westernstruktur. Vieles findet im Subtext statt, allein schon durch das Casting von Scott und McCrea. Sie stehen symbolisch für eine vergangene Westerngeneration und auch für einen veralteten Typ des Westerners, überhaupt einen anderen Lebensstil. Auch dies sollte sich als eines der ständigen Themen Peckinpahs erweisen, das er in Film für Film abarbeitet und welches für die elegische Stimmung eines Großteils seiner Western - sogar die vermeintliche Komödie "The Ballad of Cable Hogue" - verantwortlich ist.