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"Babylon 5" - die legendäre Science-Fiction-Serie - Staffel 4

In den ersten drei Jahren legte "Babylon 5" mit jeder neuen Staffel an Spannung, Storydichte und Qualität zu, so dass die Erwartungen an die Serie inzwischen entsprechend hoch waren. Wie bereits in der Besprechung der ersten Staffel erwähnt, wurde die Serie nach einer Art "Fünfjahresplan" erstellt, in dem die in einem Zeitraum von fünf Jahren spielende Handlung im Voraus grob festgelegt war. Selbst der ungeplante Austausch eines Hauptdarstellers zu Beginn der zweiten Staffel änderte nur wenig an der übergreifenden Serienhandlung. Bei der Produktion der vierten Staffel sah sich Serien-Chef Joe Michael Straczynski jedoch mit einer Hürde konfrontiert, die deutliche Konsequenzen auf die Handlung der auch dieses Mal wieder von ihm im Alleingang geschriebenen 22 Episoden haben sollte: Lange Zeit schien nämlich für "Babylon 5" bereits nach der vierten Staffel das Aus zu kommen; erst nach Beendigung der Dreharbeiten gab Warner Bros. doch noch grünes Licht für das fünfte Jahr, woraufhin Straczynski den Entschluss fasste, die bereits gedrehte Abschlussepisode nach hinten zu verschieben und für das Ende der dann wirklich letzten Staffel aufzuheben.

Unter dem Druck stehend, alle offenen Handlungsbögen schneller als geplant zu einem befriedigenden Ende zu bringen, treibt Straczynski die Geschichte also stellenweise im Hetztempo voran. Die ersten Folgen drehen sich um den noch immer andauernden Krieg gegen die Schatten, der in "Das dritte Zeitalter" auf unerwartete und sicherlich für einige Zuschauer enttäuschende Weise beendet wird. Wer Action und groß angelegte Weltraumschlachten erwartet, muss sich noch ein wenig länger gedulden. Zur selben Zeit befindet sich der Botschafter der Centauri, Londo Mollari, auf seinem Heimatplaneten, der seit einiger Zeit von dem jungen Cartagia regiert wird. Der von Wortham Krimmer gespielte Imperator kommt zwar nur in wenigen Episoden vor, stellt mit seinem exzentrischen Auftreten jedoch einen der denkwürdigsten Charaktere der gesamten Serie dar. Die Szenen mit Cartagia, dem von ihm gefangen genommenen G'Kar und dem zwischen den Fronten stehenden Londo bieten Schauspielkunst vom Feinsten und sind nicht selten sogar spannender und unterhaltsamer als der im Rest der Galaxis tobende Krieg.
Derweil darf Sheridan-Darsteller Bruce Boxleitner, bevor er im späteren Verlauf der Staffel mehrmals in den Krieg zieht, zunächst ein besonnenes Charakterstück abliefern. Alle Warnungen ignorierend war er am Ende der dritten Staffel zum Heimatplaneten der Schatten geflogen; seitdem ist sein Schicksal ungewiss. Um hier nicht zuviel Storydetails preiszugeben, sei lediglich gesagt, dass Straczynski sich bei der Ausarbeitung von Sheridans Werdegang zum einen wohl am Prinzip der klassischen mythischen Heldenreise orientiert hat; zum anderen lässt sich gerade an Sheridans Figur gut erkennen, dass "Babylon 5" zahlreiche Parallelen zu Tolkiens "Herr der Ringe" aufweist (ein anderes Beispiel dafür stellt die in der vierten Staffel eingeführte Figur des Lorien dar, bei dem schon der Name direkt auf Tolkien verweist).

Doch nicht nur Verweise auf die Fantasiewelten Anderer lassen sich finden, auch Parallelen zu realen Ereignissen werden in der vierten Staffel vermehrt deutlich. Der schon erwähnte Centauri-Imperator Cartagia weist Züge wahnsinniger römischer Kaiser wie Nero oder Caligula auf und auch auf der Erde ist mit Präsident Clark ein Mann an der Macht, dessen Politik an unschöne Kapitel der erdgeschichtlichen Vergangenheit erinnert. So wecken etwa das unter ihm eingerichtete Komitee für Anti-Erd-Aktivitäten und die damit verbundenen Befragungen von Bürgern zur Identifizierung und Verurteilung angeblich unter dem Einfluss fremder Mächte stehender Staatsfeinde Assoziationen zur Kommunistenhatz der McCarthy-Ära im Amerika der 50er Jahre. Auch der alienfeindliche Standpunkt der neuen Erdregierung und die gewaltige Propagandamaschinerie, mit der unter anderem Sheridan und seine Crew auf Babylon 5 als Verräter gebrandmarkt werden sollen, haben zahlreiche reale Entsprechungen.
Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch die Episode "Lügenpropaganda", in der ein Reporterteam nach Babylon 5 reist, um Sheridan und seine Leute ihre eigene Sicht der Ereignisse darstellen zu lassen. In der letztendlich ausgestrahlten Sendung werden jedoch die vor den Kameras abgegebenen Statements völlig aus dem Zusammenhang gerissen, um Sheridan als größenwahnsinnigen Verrückten darzustellen, der um jeden Preis die Herrschaft über die Erde an sich reißen will. Um diesen Verleumdungen entgegenzutreten, ruft Sheridan später in der gleichnamigen Episode "Die Stimme des Widerstands" ins Leben, einen stationseigenen Fernsehsender, der der Propaganda der Erdregierung mit einer anderen Perspektive auf das aktuelle Geschehen entgegentreten soll.

Insgesamt scheint das vierte Jahr von "Babylon 5" also inhaltlich eines der außer Kontrolle geratenen politischen und gesellschaftlichen Umstände zu sein. Auch auf Minbar, dem Heimatplaneten von Botschafterin Delenn, kommt es zu einem Bürgerkrieg, in dem die drei bestehenden Kasten um die Vorherrschaft kämpfen. Leider wird dabei die zeitliche Beschränkung, der Straczynski beim Erzählen seiner Geschichte unterlag, besonders deutlich; die Ereignisse werden zu überstürzt geschildert, so dass dieser Handlungsbogen nicht wirklich zu fesseln weiß. Immerhin erfährt man in "Das Traumorakel" mehr über Delenns Vergangenheit und die tragische Rolle, die sie während des Krieges ihres Volkes gegen die Erde gespielt hat.
Der rote Faden der Geschichte ist auch in der vierten Staffel durchgehend präsent, wird jedoch immer wieder mit zu hoher Geschwindigkeit abgespult, so dass an manchen Stellen einige Ereignisse oder Charaktere zu kurz kommen. Leider betrifft dies auch die oben erwähnten Fanlieblinge Londo und G'Kar, die in der zweiten Staffelhälfte des Öfteren durch Abwesenheit glänzen und erst gegen Ende wieder ins Scheinwerferlicht rücken (wobei diese Formulierung in Londos Fall nicht vollkommen zutrifft, sieht es doch für den Centauri-Botschafter inzwischen ganz schön düster aus). Dafür kommt dann aber endlich die Story von Sheridans Kampf gegen die Erdregierung voll zum Tragen, wobei auch die Liebhaber lauter und knallbunter Raumschlachten wieder auf ihre Kosten kommen.
In "Das Verhör" gelingt schließlich Präsident Clark ein großer Schlag gegen Sheridan, der eigentlich die vierte Staffel abschließen und die Zuschauer mal wieder nach einem riesigen Cliffhanger rätselnd zurücklassen sollte. Aus den geschilderten Gründen wurden diese Ereignisse schließlich weiter vorne in der Geschichte angesiedelt und der Bürgerkrieg noch schnell zu Ende gebracht. Zudem wurde mit "In hundert, in tausend Jahren" eine neue Schlussepisode für die vierte Staffel gedreht, die unter anderem die Frage aufwirft, ob der von Sheridan begründete Frieden überhaupt Bestand haben kann. Ein weiteres Mal wird die Geschichte um die Raumstation hier aus einer veränderten Erzählperspektive weitergesponnen - in diesem Fall in Form mehrerer aus der fernen Zukunft auf das Geschehen zurückblickender Kurzgeschichten - doch gibt es innerhalb der Serie sicherlich gelungenere Beispiele für derartige Experimente.

Die vierte Staffel mag, was die Schauplätze und Handlungsstränge betrifft, die abwechslungsreichste der fünf Staffeln darstellen und hätte leicht zum bis dahin besten Jahr der Serie werden können, wenn man nicht unter dem Zwang gestanden hätte, die Geschichte zu komprimieren und damit den Ereignissen nicht immer den nötigen Raum geben zu können. Vielleicht hätte Straczynski nicht versuchen sollen, doch noch so viel wie möglich unterzubringen, sondern konsequent den Rotstift ansetzen und etwa die Ereignisse auf Minbar komplett streichen sollen, um mehr Zeit für die Darstellung der wichtigeren Handlungsstränge zu haben und nicht die ein oder andere Figur stellenweise unter den Tisch fallen lassen zu müssen. Andererseits muss man auch gestehen, dass trotz all der Kritik, die man an ihr üben kann, diese vierte Season - bedenkt man die Umstände - immer noch überraschend gut gelungen ist und Fernsehunterhaltung vom Feinsten bietet.

Das Bonusmaterial auf den DVDs hätte auch dieses Mal ein wenig umfangreicher ausfallen können. Immerhin gibt es wie gewohnt wieder zwei äußerst informative Audiokommentare Straczynskis, sowie einen weiteren, in dem einige Hauptdarsteller zu Wort kommen. Dazu kommt noch ein kurzes Feature über den deutschen Komponisten Christopher Franke, der mit seiner Musik einen erheblichen Beitrag zur epischen Atmosphäre von "Babylon 5" beigetragen hat. Dessen darf man sich in der ebenfalls beigefügten "DVD-Suite" gleich nochmals überzeugen, die mit Szenen aus der Serie unterlegte Soundtrackauszüge bietet. Dazu kommen noch ein paar Minuten verpatzter Szenen und die üblichen Infos über Personen, Institutionen und Ereignisse des "Babylon 5"-Universums.


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Maximilian Schröter