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"Babylon 5" - die legendäre Science-Fiction-Serie - Staffel 3

Nachdem in der ersten Staffel von "Babylon 5" die Figuren vorgestellt und in der zweiten die Ereignisse ins Rollen gebracht wurden, wird es nun im dritten Jahr für die Bewohner der Raumstation im Epsilon-Sektor richtig ernst. Die Staffel trägt den Titel "Point of no Return" (den unglücklichen, von der entsprechenden Episode übernommenen deutschen Titel lassen wir mal außen vor) und genau darum geht es hier: Entwicklungen, die sich nicht mehr rückgängig machen lassen - auf galaxisweiter Ebene ebenso wie persönlicher. Dass die gesamte Staffel dabei wie aus einem Guss wirkt, ist vor allem der Tatsache zu verdanken, dass Serienschöpfer Joe Michael Straczynski alle 22 Episoden selbst geschrieben hat - zu seiner Zeit ein Novum in der Fernsehgeschichte.
Die Schatten, jene unheimliche, uralte Rasse, die bereits seit einiger Zeit im Verborgenen ihre Kräfte mobilisiert, treten nun offen zutage und greifen scheinbar wahllos Planeten und Kolonien fast aller anderen Völker an. Diese Bedrohung durch einen übermächtigen Feind nimmt Präsident Clark auf der Erde zum Vorwand, das Kriegsrecht zu erklären und so von dem Skandal um seine Person und der Tatsache, dass er seinen Vorgänger ermorden ließ, abzulenken. Unter den Erdstreitkräften bricht daraufhin ein Bürgerkrieg aus und Captain Sheridan und seine Crew auf Babylon 5 entscheiden sich dafür, sich offen gegen Clark zu stellen. Nun gibt es kein Zurück mehr - die Raumstation sagt sich von der Erde los und führt damit einen Krieg an zwei Fronten: gegen die Schatten und gegen die eigene Regierung.

Wie diese galaktischen Kriege mit persönlichen Schicksalen verbunden werden, macht dabei den Reiz der Serie aus. Wenn in "Bombenterror" die Todfeinde Londo Mollari und G'Kar gemeinsam in einem Fahrstuhl festsitzen und sich gegenseitig angiften, dann sagt das mehr über die Verhältnis zwischen ihren beiden Völkern als jede mit Spezialeffekten gespickte Raumschlacht. Später erreicht G'Kar seinen persönlichen Punkt ohne Wiederkehr, als er in "Der Selbstversuch" mithilfe einer Droge, die dem Anwender vorübergehend telepathische Fähigkeiten verleiht, aus Mollaris Kopf all die Gräueltaten herauszieht, die dieser G'Kars Volk angetan hat. Für seine Tat wandert G'Kar in eine Arrestzelle auf der Station, wo er - mit sich selbst allein gelassen - zu neuen Einsichten über das Leben und das Universum kommt, die seine weitere Entwicklung entscheidend prägen werden. Mollari wiederum, der durch seinen Pakt mit den Schatten eigentlich schon längst unwiderruflich den Pfad des Bösen eingeschlagen hat, versucht, das Ruder doch noch herumzureißen und alle Verbindungen zu Mr. Morden, dem Verbindungsmann der Schatten, aufzulösen. Daraufhin ersetzt Morden zunächst Mollari einfach durch dessen Rivalen Lord Refa, bevor es ihm schließlich in "Zeit des Abschieds" gelingt, ihn doch wieder auf seine Seite zu ziehen, womit es auch für Mollari endgültig kein Zurück mehr gibt.
Dass "Babylon 5" keine Serie der glatten, perfekten Charaktere ist, zeigt auch die Entwicklung, die der Stationsarzt Stephen Franklin in der dritten Staffel durchläuft: Unter dem Druck, immer längere Schichten arbeiten zu müssen, um alle Patienten versorgen zu können, greift er zu Aufputschmitteln und gerät so in den Strudel der Abhängigkeit. In "Zeit des Abschieds" quittiert er schließlich seinen Dienst und geht auf Wanderschaft durch die düstere "unterste Ebene" der Raumstation, wo er sich selbst zu finden hofft.
Auch Captain Sheridan hat es in seinem zweiten Jahr als Kommandant von Babylon 5 alles andere als leicht. Zwar übergibt ihm die Minbari-Botschafterin Delenn in "Das Schattenschiff" den "weißen Stern", ein auf der überlegenen Technologie der Minbari und der Vorlonen basierendes Schlachtschiff, mit dem Sheridan immer wieder Missionen an verschiedensten Orten der Galaxis unternimmt, was mehr Action und Abwechslung in die Serie bringt. Doch in den letzten Folgen der Staffel sieht Captain Sheridan sich vor eine Entscheidung gestellt, bei der ihm keine Waffen oder Raumschiffe helfen können und die - wenn man einer Vorhersage des mysteriösen Vorlonen-Botschafters Kosh glauben darf - seinen sicheren Tod bedeuten wird.
Neben all den altbekannten Charakteren wird auch in der dritten Staffel ein Neuzugang präsentiert: Marcus Cole (Jason Carter) ist einer der Ranger, die unter der Führung des ehemaligen Babylon 5-Commanders Jeffrey Sinclair ausgebildet werden, um in der Galaxis für Frieden zu sorgen. Während man sich anfangs noch fragt, was denn dieser bärtige und seltsam gekleidete Sonderling in der Serie zu suchen hat, lernt man ihn später vor allem für seinen Humor schätzen. Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle auch der von Walter Koenig (Pavel Chekov aus der ersten "Star Trek"-Serie) gespielte Alfred Bester, ein scheinbar gefühlskalter Psi-Cop, der der Besatzung von Babylon 5 bereits in den ersten beiden Staffeln das Leben schwer gemacht hat und im dritten Jahr sogar zwei Auftritte hat.

"Babylon 5" entfaltet in der dritten Staffel endgültig sein volles Potential. Die epische Geschichte vom Kampf der mit anderen Völkern vereinten Menschheit gegen böse Mächte kommt nun voll zum Tragen und abgesehen von wenigen Folgen, die nicht viel zum übergreifenden Handlungsbogen der Serie beitragen, legt die Serie hier mit jeder Episode an Spannung zu, so dass man das dritte Jahr von "Babylon 5" unzweifelhaft auch als das Beste bezeichnen darf. Da kann man auch mal ein Auge zudrücken, weil die Staffel mit "Das Rätsel von Grau 17" die vielleicht schlechteste Episode der Serie enthält. Von den zahlreichen guten bis phänomenalen Episoden soll hier stellvertretend der Zweiteiler "War without End" (im Deutschen "Ranger Eins" und "Tausend Jahre durch die Zeit") genannt werden. Darin wird endlich das Geheimnis um die bereits in einer Folge der ersten Staffel kurz aufgetauchte Station Babylon 4 gelüftet, und auch Sheridans Vorgänger Sinclair hat noch einmal einen Auftritt in der Serie, bevor er mit einem wahren Paukenschlag abtreten darf, der den Zuschauer mit weit offenem Mund zurücklässt.

Am Ende der Staffel ist der Krieg noch nicht zu Ende, das Schicksal mehrerer Charaktere ungewiss und die Spannung, wie es wohl weitergehen wird, so hoch wie nie zuvor. "Babylon 5" ist mit der dritten Staffel um einiges düsterer, aber auch differenzierter in der Figurenzeichnung geworden. Das DVD-Set bietet neben den 22 Episoden wie gewohnt einige kleine, aber feine Specials, darunter drei Audiokommentare und drei kurze Featurettes, die sich dieses Mal vor allem mit dem Design der Alienmasken und der Kulissen beschäftigen. Selten war Fernseh-Sciencefiction so gut wie hier.


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Maximilian Schröter