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"Babylon 5" - die legendäre Science-Fiction-Serie - Staffel 2

Entgegen dem Glauben vieler Kritiker und Experten schaffte es "Babylon 5" in die zweite Runde. Die Einschaltquoten der ersten Staffel waren gut genug, dass Warner dem kreativen Kopf hinter der Serie, Joe Michael Straczynski, grünes Licht für 22 weitere Episoden gab, die ab November 1994 in den USA und ein gutes Jahr später auch hierzulande über die Bildschirme flimmerten. Dabei hatte man nach der anfänglichen Skepsis nun sogar so viel Vertrauen in den Mann, dass man ihm bei der inhaltlichen Gestaltung der Staffeln zwei bis vier fast völlig freie Hand ließ, was Straczynski nutzte, um die epische Geschichte ganz nach seinen Vorstellungen weiterzuerzählen.

Die zweite Staffel trägt den Titel "Schatten am Horizont" ("The Coming of Shadows") und weist einen völlig neu gestalteten Vorspann inklusive neuer Titelmelodie auf, wodurch die Tatsache unterstrichen werden soll, dass nun ein neues Kapitel in der Saga um Babylon 5 aufgeschlagen wird. Doch schon in der ersten Folge "Die Feuerprobe" wird klar, dass nicht nur der Vorspann ausgetauscht worden ist: Ohne Vorwarnung wird man davon in Kenntnis gesetzt, dass der bisherige Commander der Station, Jeffrey Sinclair, auf besonderen Wunsch der Minbari als Botschafter auf deren Heimatplaneten versetzt worden ist. Sein Nachfolger ist John Sheridan (Bruce Boxleitner), der bisher ein Raumschiff der Erdallianz kommandiert hat und elf Jahre zuvor zum Kriegshelden wurde, als es ihm gelang, im Krieg gegen die Minbari deren Schlachtkreuzer "Black Star" zu vernichten. Dementsprechend sorgt seine Ernennung zum Captain von Babylon 5 unter den Minbari für Empörung, da viele von ihnen Sheridan immer noch als "Starkiller" in Erinnerung haben. Sheridan selbst wiederum ist sich anfangs gar nicht sicher, ob eine Raumstation überhaupt der richtige Platz für ihn ist, und sehnt sich nach seinem alten Schiff zurück.

Als Zuschauer fühlt man sich zunächst etwas überrumpelt und anschließend leicht irritiert, denn gerade hatte man sich an die nachdenkliche Art Sinclairs gewöhnt, da wird einem ein ständig grinsender Sunnyboy vorgesetzt. Die hier von Bruce Boxleitner (der zuvor vor allem aus der Serie "Agentin mit Herz" bekannt war) zur Schau getragene Leichtigkeit nervt anfangs fast genauso sehr wie Michael O'Hares stoische Ruhe in der ersten Staffel, bildet aber nur den Anfangspunkt in Sheridans Entwicklung hin zu einer härteren, entschlossenen Persönlichkeit, die bereits in der zweiten Staffel ihren Anfang nimmt, so dass dem Captain das Grinsen bald wieder vergeht.

Natürlich stellt sich dabei die Frage: Warum dieser Wechsel der Hauptfigur? Eine eindeutige Antwort darauf ist nicht zu geben, von vornherein geplant war der Austausch jedenfalls nicht. Gerüchten zufolge hatte Michael O'Hare keine Lust mehr auf den Job, woanders wieder heißt es, die Verantwortlichen bei Warner hätten Bedenken gehabt und auf seinen Rauswurf gedrängt. Straczynski selbst sagt dazu in einem der Audiokommentare zur zweiten Staffel, die Einführung einer zweiten Hauptfigur sei nötig gewesen, weil Sinclair sonst im Mittelpunkt zu vieler verschiedener Handlungsstränge gestanden hätte (gegen diese Aussage spricht allerdings die Tatsache, dass ja die Handlung der gesamten Serie im Voraus durchgeplant war und Sinclairs Wegfall nicht Teil des ursprünglichen Handlungsbogens war).
Was auch immer den Ausschlag gab, die Veränderung war bestimmt keine schlechte Entscheidung und ein erster Hinweis darauf, dass es bei "Babylon 5" jeden treffen konnte und auch keiner der Hauptdarsteller vor dem Serientod bzw. Rausschmiss sicher war (Gegen Ende der Staffel zeigt sich dies erneut, auch wenn an dieser Stelle nicht verraten werden soll, welches Cast-Mitglied leider keine Lust mehr auf ein weiteres Mitwirken in der Serie hatte und infolgedessen von Straczynski konsequent herausgeschrieben wurde).
Zweiter Neuzugang neben Sheridan ist der von Robert Russler gespielte Kampfpilot Warren Keffer, den Straczynski jedoch nur auf Wunsch der Produzenten in die Geschichte hineinschrieb. Die waren der Meinung, der Serie mit dieser Figur ein kräftiges Quotenplus bescheren zu können. Straczynski behandelte Keffer im Folgenden jedoch recht stiefmütterlich, ließ ihn nur in wenigen Episoden auftauchen und bereits in der dritten Staffel wieder in Vergessenheit geraten, was wohl auch gut so war. Dies stellte jedenfalls für lange Zeit einen der letzten Eingriffe in die oben erwähnte kreative Freiheit Straczynskis dar.

Nach der Einführung Sheridans nimmt die Geschichte schnell wieder Fahrt auf und es kristallisieren sich im Verlauf der nächsten Folgen zwei Haupthandlungsstränge heraus. Zunächst ist da natürlich die immer stärker werdende Bedrohung durch eine unbekannte, uralte Rasse, auf die man bereits einige Blicke erhaschen durfte. Immer zahlreicher werden die Anzeichen dafür, dass die "Schatten" auf dem entlegenen Randplaneten Z'ha'dum ihre Kräfte sammeln und sich zur Eroberung der Galaxis bereitmachen.
Neben dieser äußeren Bodrohung bekommen es Sheridan und seine Mitstreiter jedoch auch mit einem Feind aus den eigenen Reihen zu tun. Es finden sich mehrere Indizien dafür, dass Präsident Clark, der seit Jahresbeginn an der Spitze der Erdallianz steht, für die Ermordung seines Vorgängers verantwortlich ist; zudem machen sich unter der neuen Regierung einige beunruhigende Entwicklungen bemerkbar, zu denen etwa die neu ins Leben gerufene Organisation "Nightwatch" gehört, die ihre Mitglieder zur Überwachung ihrer Mitbürger auffordert und damit Assoziationen zu den Zukunftsvisionen George Orwells weckt.

In fast jeder der 22 Episoden wird mindestens eine dieser beiden Thematiken angesprochen, so dass man spätestens in der Mitte der zweiten Staffel tatsächlich nicht mehr das Gefühl hat, einzelne, in sich abgeschlossene Serienfolgen anzuschauen, sondern einer fortlaufenden Geschichte zu folgen. Diese findet ihren ersten Höhepunkt in der Titelepisode "Schatten am Horizont", in der erneut ein Krieg zwischen den seit langem verfeindeten Völkern der Centauri und der Narn ausbricht.
Besonders der tragische Niedergang des Centauri-Botschafters Londo Mollari sorgt in dieser und mehreren anderen Folgen für Dramatik. Als Mollari später in "Die Armee des Lichts" an Bord eines Schlachtschiffs Zeuge der Bombardierung der Narn-Heimatwelt wird, die sowohl seinen größten Triumph als auch seinen tiefsten Fall darstellt, ist das einer der ganz großen Gänsehautmomente der Serie. Überhaupt entwickeln sich Mollari und sein Erzfeind G'Kar allmählich zu den heimlichen Stars der Serie, wofür insbesondere ihren Darstellern, Peter Jurasik und Andreas Katsulas, großes Lob gebührt, die sichtbar in ihren Rollen aufgehen.

Die Qualität der Episoden hat im Vergleich zur ersten Staffel noch einmal einen Schub nach oben gemacht, nicht zuletzt aufgrund des nun zutage tretenden, durchgehenden Storybogens. Da ist es zu verzeihen, dass die Autoren auch mal ziemlich formelhaft alte Science-Fiction-Klischees bedienen, wenn John Sheridan in "Alarm in Sektor 92" erst von Aliens entführt wird bevor in "Duell unter Freunden" ein außerirdisches Wesen von ihm Besitz ergreift. Härter darf sich der Captain in "Das Geheimnis von Z'ha'dum" zeigen, wo er herausfindet, dass der immer wieder auf der Station auftauchende Mr. Morden ein Überlebender derselben Forschungsexpedition ist, bei der Sheridans Frau Anna ums Leben kam. Fest entschlossen, die Wahrheit über die gescheiterte Mission zu erfahren, hält er Morden gefangen, um schließlich eine furchtbare Entdeckung zu machen.
Trotz all der Verschwörungen und Bedrohungen kommt aber auch weiterhin der Humor nicht zu kurz. In "Minbari lügen nicht" eröffnet auf der Station ein Laden für "Babylon 5"-Merchandise, dessen Sheridan-Teddybären und Londo-Mollari-Puppen den Stationsbewohnern ziemlich auf den Geist gehen, und in "Auf dem Pulverfass" muss Commander Ivanova lernen, dass man im Dienst der Diplomatie auch mal dazu bereit sein muss, mit dem Botschafter einer fremden Spezies Sex "auf die andere Art" zu haben. Erwähnenswert ist auf jeden Fall auch noch die Episode "36 Stunden auf Babylon 5", die durchgehend in Form einer Sondersendung des interstellaren Fernsehsenders ISN präsentiert wird (fiktive Werbeunterbrechung inklusive) und damit nicht zum letzten Mal einen gelungenen Perspektivenwechsel auf das Seriengeschehen bietet.

Mit der zweiten Staffel befindet sich "Babylon 5" eindeutig auf dem richtigen Kurs (sofern man das von einer Raumstation sagen kann). Die Einführung eines neuen Hauptprotagonisten hat keineswegs geschadet, sondern bringt frische Impulse. Die Serie insgesamt gewinnt an Tiefe und lässt nun deutlich den großen Handlungsbogen erkennen, der Straczynski von Anfang an vorgeschwebt hat. Wie der Staffeltitel andeutet, senken sich nun Schatten über die Galaxis - in Form der so bezeichneten außerirdischen Rasse, aber auch in Form der neuen Erdregierung und der schon erwähnten Nightwatch-Organisation, des Narn-Centauri-Krieges oder auch als Zwielicht, das einige der Charaktere umfängt. Genug Material also als spannender Ausgangspunkt für die dritte Staffel.

Die DVD-Box der zweiten Staffel wartet neben den 22 Episoden in mittelprächtiger Bildqualität noch mit einigen Specials auf. Serienschöpfer und Drehbuchautor Straczynski steuert zwei interessante Audiokommentare zu Schlüsselepisoden bei, einen dritten Kommentar liefern die hörbar gut aufgelegten Darsteller Bruce Boxleitner, Claudia Christian und Jerry Doyle. Zudem findet man unter den Specials eine Einleitung zum zweiten Jahr in der "Babylon 5"-Saga und zwei kurze Dokumentationen, in denen man unter anderem erfährt, dass "Babylon 5" zwei Jahre in Folge mit dem Hugo, dem wohl wichtigsten Science-Fiction-Preis, ausgezeichnet wurde (aus der zweiten Staffel erhielt die Folge "Schatten am Horizont" die Auszeichnung). Abgerundet wird das Bonusmaterial wie auch schon im ersten DVD-Set durch aufrufbare Infos zur Raumstation und ihren Bewohnern.
Eine ausführlichere Dokumentation wäre sicherlich wünschenswert gewesen, aber auch so bieten die 22 Episoden Fernsehunterhaltung auf höchstem Niveau und sind Grund genug, sich die DVD-Box zuzulegen, um zu erfahren, wie die Geschichte um Babylon 5 weitergeht.

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Maximilian Schröter