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"Babylon 5" - die legendäre Science-Fiction-Serie - Staffel 1

"Ich war dabei, als das dritte Zeitalter der Menschheit begann…" Mit diesen Worten wurde in den 1990er Jahren ein neues Kapitel der Fernsehunterhaltung aufgeschlagen. Dem nicht gerade großen Kreis qualitativ hochwertiger Fernseh-Science-Fiction gesellte sich damals mit "Babylon 5" eine Serie hinzu, die nicht nur intelligente und spannende Unterhaltung auf hohem Niveau bot, sondern sich vor allem langfristig in der schnelllebigen Fernsehlandschaft halten konnte und mit ihrer episch angelegten Geschichte neue Maßstäbe setzte. Dabei hatte im Vorfeld kaum einer an den Erfolg des Projektes geglaubt. Immer wieder sah sich Serienschöpfer Joe Michael Straczynski den Unkenrufen all derjenigen ausgesetzt, die es für unmöglich hielten, eine weitere große Science-Fiction-Serie dauerhaft neben den Ablegern der "Star Trek"-Franchise zu positionieren. Doch der eiserne Wille des hünenhaften Russen sollte sich auszahlen.

Mitte der 1990er Jahre stach die Serie optisch durch ihre vollständig am Computer erzeugten Spezialeffekte hervor. Auch wenn diese heute nicht mehr zeitgemäß wirken und es längst Videospiele gibt, die aufwändigere und überzeugendere Grafiken bieten, verleihen die liebevoll gestalteten Raumschiffe und die rasant inszenierten Schlachten der Serie ihren eigenen, unverwechselbaren Charme. Allerdings war man während der ersten Staffel noch ein gutes Stück vom Gipfel der eigenen Möglichkeiten entfernt, und so rufen manche Trickaufnahmen hier doch weitaus eher ein amüsiertes Lächeln als bewunderndes Staunen hervor.
Der bleibende Eindruck, den "Babylon 5" von Anfang an hinterlassen hat, hatte aber ohnehin wenig mit der Optik zu tun. Was die Serie damals aus dem Fernseh-Einheitsbrei heraushob war vor allem die Tatsache, dass Straczynski die epochale Geschichte von Anfang an auf fünf Staffeln (von denen jede einem Jahr in der Serienhandlung entsprach) konzipiert und in groben Zügen im Voraus festgelegt hatte. So gesehen kann "Babylon 5" als Vorläufer von heutigen Serienhits wie "Lost" gesehen werden, die ähnlich verfahren. Als Konsequenz daraus zieht sich vom Pilotfilm bis zur allerletzten Episode ein roter Faden durch die Serie; sie besitzt ähnlich einem Roman eine in sich abgeschlossene Handlung mit Auftakt, Mittelteil und Schluss, wobei die fünf Staffeln als einzelne Kapitel der Geschichte zu sehen sind und auch jeweils eigene Titel tragen. An einer derartigen Form des Erzählens hatte sich im Fernsehen zuvor niemand versucht - und wie sich im Verlauf der Produktion zeigen sollte, barg sie auch einige Risiken.

Im Februar 1993 wurde in den USA der Pilotfilm ("Die Zusammenkunft") ausgestrahlt, der dem Zuschauer die Ausgangssituation der Serie verdeutlicht: Im Jahr 2257 nimmt die Raumstation Babylon 5 ihren Betrieb mit dem Ziel auf, den interstellaren Frieden sicher zu stellen. Unter Leitung der Erdallianz finden sich auf der Station Vertreter fast aller intelligenten Rassen zusammen, um auf neutralem Boden und über den diplomatischen Weg an der Vermeidung neuer und der Klärung bestehender Konflikte zu arbeiten (so eine Art Vereinte Nationen des Weltraums also).
Neben den Menschen stehen dabei drei weitere Völker im Mittelpunkt der gesamten Serie: Die einen Knochenkamm am Kopf tragenden Minbari hätten in einem grausamen Krieg zehn Jahre zuvor die Menschheit beinahe vernichtet, waren schließlich aber doch bereit, Frieden zu schließen. Das einstmals große Sternenimperium der Centauri umfasst nur noch wenige Planeten, wird aber noch immer nach alter Tradition von einem Imperator regiert. Und das stolze Volk der reptilienartigen Narn ist gerade dabei, sich von der Jahrhunderte langen Besatzung und Versklavung durch die Centauri zu erholen.
Alle drei Rassen haben Botschafter auf die Raumstation gesandt, die von Commander Jeffrey Sinclair geleitet wird, der auch gleichzeitig der Botschafter der Menschheit ist. Die Zahl im Namen der Station rührt übrigens daher, dass es bereits vier Vorgängermodelle gegeben hat, die jedoch entweder Sabotageakten zum Opfer fielen oder - so geschehen im Fall von Babylon 4 - unter mysteriösen Umständen spurlos verschwanden. Damit ist Babylon 5 die "letzte, beste Hoffnung auf Frieden", wie es im Vorspann so dramatisch heißt.

Die erste, 1994 in den USA ausgestrahlte Staffel trägt den Titel "Zeichen und Wunder". Ihre Handlung beginnt, als die Station bereits ein Jahr in Betrieb und das Leben im Weltraum für ihre Bewohner und Besatzungsmitglieder bereits zur Routine geworden ist. Commander Sinclair und sein Team müssen sich in den ersten Episoden mit den scheinbar alltäglichen Problemen einer Raumstation im 23. Jahrhundert herumschlagen. Dazu gehören Weltraumpiraten, mit gefährlichen Kräften ausgestattete außerirdische Artefakte oder die Morddrohungen eines Attentäters.
Weiterhin werden Themen wie die Frage nach dem Leben nach dem Tod ("Der Seelenjäger"), Rassismus ("Angriff auf die Außerirdischen") oder die Auseinandersetzung mit fremden Kulturen und Religionen aufgegriffen ("Angriff auf G'Kar", "Die Gläubigen"). Auffallend ist dabei die stark schwankende Qualität der einzelnen Folgen - neben so manchen brillanten Storys bekommt man auch einige Gurken vorgesetzt, in denen sich zum Beispiel ein einem C-Horror-Film entsprungenes Monster ("Ein unheimlicher Fund") oder ein langweiliger Mystiker, der sich auf der Suche nach dem heiligen Gral befindet ("Der Gral"), tummeln.
Positiv hervorzuheben ist aber die insgesamt stimmige, von Anfang an absolut glaubwürdige Atmosphäre der Serie. Trotz des geringen Produktionsbudgets ist es den Setdesignern und Kostümbildnern mit viel Kreativität gelungen, den Eindruck einer in sich schlüssigen Zukunftsvision zu vermitteln, der auch durch die bereits erwähnten CGI-Bilder passend unterstützt wird.

Von Anfang an besticht die Serie auch durch ihre differenziert gezeichneten Charaktere. Zu den Lieblingen der Fans zählte dabei von Anfang an Susan Ivanova, Commander Sinclairs Stellvertreterin. Die von Claudia Christian verkörperte Russin trägt einen wesentlichen Teil zum Humor der Serie bei, erlangt durch die wiederkehrende Thematisierung ihres jüdischen Glaubens und ihrer durch persönliche Erfahrungen hervorgerufenen Abneigung gegen die Telepathen-Organisation "PsiCorps" aber auch eine bemerkenswerte charakterliche Tiefe. Zu den besonders herausragenden Figuren zählt auch Londo Mollari, der Botschafter der Centauri, den Peter Jurasik brillant und mit extra für die Rolle zugelegtem "außerirdischem" Akzent spielt (unbedingt die Originalversion anschauen!). Überraschenderweise ist eine der Figuren, die weniger überzeugen können, ausgerechnet Hauptprotagonist Sinclair. Der von Michael O'Hare dargestellte Commander wirkt zu steif und unnahbar, wird aber immerhin mit einer Hintergrundgeschichte ausgestattet, die ihm und den Zuschauern die erste Staffel hindurch Rätsel aufgibt und für Spannung sorgt.

Als dem ersten Kapitel der Saga um die zylinderförmige Raumstation fällt den ersten 22 Episoden vor allem die Aufgabe zu, die Charaktere vorzustellen und einige wichtige Handlungsstränge anzustoßen. Demzufolge ist von dem zusammenhängenden epischen Bogen im Sinne einer in jeder Episode kontinuierlich fortgeführten Story hier noch nicht viel zu spüren, und das Ganze wirkt vor allem zu Beginn etwas zäh. Dennoch gibt es zahlreiche Andeutungen auf zukünftige Geschehnisse in den Folgestaffeln - etwa Mollaris Traum, in dem dieser seinen eigenen Tod vorherzusehen glaubt, oder die außerirdische Maschine in "Die Heilerin", die am Ende der vierten Staffel noch einmal eine tragische Bedeutung erlangen wird.
Ein Thema, das immer wieder auftaucht, ist die Andeutung kommenden Unheils, die Vorahnung einer großen Finsternis, die hier aber noch nicht konkreter wird, viel Raum zum Spekulieren lässt und auf diese Weise die Neugier der Zuschauer weckt. In diesem Zusammenhang sind drei Episoden zu erwähnen, die wahrscheinlich die besten dieser ersten Staffel darstellen: In "Visionen des Schreckens" besucht erstmals der geheimnisvolle Mr. Morden die Station, und wie es zunächst scheint hat er dabei nur eine sinnlose Frage im Gepäck. Doch der Pakt, den Morden schließlich mit Mollari schließt, stellt für Letzteren den Beginn einer tragischen Entwicklung von geradezu Shakespeareschem Ausmaß dar. In "Verloren in der Zeit" taucht plötzlich die Vorgängerstation Babylon 4 wieder auf, nur um nach einer rätselhaften Erkundung durch die Crew kurz darauf erneut zu verschwinden, ohne dass Sinclair und seine Truppe das Geheimnis um sie gelüftet hätten. Erst in der dritten Staffel wird ihnen - und dem Zuschauer - die Tragweite dieses Mysteriums bewusst werden. Den krönenden Abschluss der ersten Staffel bildet mit "Chrysalis" eine Episode, in der am Ende nichts mehr so ist wie zuvor und die gleich mit mehreren Cliffhangern aufwartet.
Zusammenfassend lässt sich über die erste Staffel sagen, dass die Serie eine Zeit lang braucht, um richtig in die Gänge zu kommen und die Qualität der Episoden hier im Durchschnitt schlechter ist als in den Folgestaffeln. Allerdings werden zahlreiche Grundsteine für künftige Entwicklungen gelegt, die man zum Teil beim ersten Ansehen noch gar nicht durchschauen kann.

Die ersten 22 Episoden sind sowohl in einer einzelnen DVD-Box als auch als Teil der Sammelbox, die die komplette Serie enthält, erhältlich. Neben der deutschen, englischen und französischen Sprachfassung gibt es als Bonus eine Einleitung und zwei informative Audiokommentare von Straczynski, zwei Featurettes mit Interviews und Making-of-Infos sowie in Form von Computerdatenbanken anwählbare Informationen zur Raumstation und den sie bewohnenden Personen.
Allen, die ein gewisses Faible für Science-Fiction haben, und dieses außergewöhnliche Genre-Juwel noch nicht kennen, sei unbedingt ans Herz gelegt, sich die DVDs zu besorgen und ins "Babylon 5"-Universum abzutauchen. Denn dies ist erst der Anfang einer wahrlich großartigen Geschichte.


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Maximilian Schröter