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„Snow White & The Huntsman“ – ein Interview mit Kristen Stewart

stewart 1Noch hat der „Hype“ nicht wirklich nachgelassen. Obwohl es für die zahlreichen Anhänger sogar ein eigenes „Fanevent“ in Berlin gab, versammeln sich auch am Tag der Presseinterviews weit über 100 bei Nieselregen ausharrende Autogrammjäger um vor allem eine zu sehen: Kristin Stewart, die durch die „Twilight“–Filmreihe innerhalb kürzester Zeit zu einem der größten Medienstars geworden ist, bei dem sich die Fans (und auch gewisse Teile der Presse) für jede halbgare Neuigkeit aus ihrem Privatleben interessieren. Nimmt man dazu das Image ihrer berühmtesten Figur Bella Swan, die in den einzelnen Teilen der Vampirreihe meist recht unglücklich vor sich hin leidet, so gibt es doch ein paar stichhaltige Gründe, sich auch die Schauspielerin Kristin Stewart als mittlerweile unter großem öffentlichen Druck stehende, gehetzte Person vorzustellen, bei der man im Gespräch eventuell sehr vorsichtig und zurückhaltend vorgehen muss. Aber wenn es diese Belastung tatsächlich geben sollte, so ist davon in der knappen halben Stunde die wir uns gegenübersitzen rein gar nichts zu spüren.

Während sich Stewart für den obligatorischen Photocall natürlich noch etwas aufgehübscht und die Haare gestylt hatte, begegnet sie uns beim Interview in legerer Freizeitkleidung, bestehend aus Jeans, schwarzem T-Shirt und einer darübergelegten schlichten Weste. „Ich unterscheide stets klar dazwischen, wann ich ganz ich selbst bin und wann ich etwas darstelle“ erklärt sie und obwohl diese Interviewrunde natürlich ganz zweifelsfrei zum Job gehört, sei sie hier eben als „sie selbst“ erschienen und nicht etwa als irgendeine Kunstfigur.

Es gibt keinerlei Anlaufschwierigkeiten beim Gespräch, kein vorsichtiges Herantasten. Stewart plaudert sofort über ihr gestriges Essen in einem angesagten vietnamesischen Restaurant von Berlin, das auch „völlig okay war, aber ich habe keine Ahnung warum einige Leute darum so einen Riesenwirbel machen, nach dem Motto, das ist das Beste überhaupt, da musst Du mal gewesen sein – don’t believe the Hype“. Dann sprechen wir aber über die Dreharbeiten zu dem Film für den sie heute hierhergekommen ist, über „Snow White and the Huntsman“. Sie schwärmt von der Herausforderung sich dabei auch physisch ständig „pushen“ zu können, von den Kämpfen und der Reiterei, denn „es gibt in Hollywood leider nicht allzu viele Produktionen bei denen das für eine Frau möglich ist. Und die Männer bewegen sich dann oft als richtige Superhelden über die Leinwand, aber um so etwas geht es hier nicht. Denn alles was Snow White tut bleibt immer in einem realistischen, glaubwürdigen Rahmen – wir versetzen sie halt nur in ein paar wirklich gefährliche Situationen und schauen dann zu, ob sie überlebt. Sie ist jedenfalls kein „Girlie“ mehr wie etwa im alten Disney-Film, denn das wäre einfach nicht mehr zeitgemäß.  Heute dürfen Männer sich auch etwas emotionaler geben und Frauen können auch mal physische Stärke zeigen – ohne dass sie deshalb aber  ihre typisch weiblichen oder männlichen Eigenschaften gleich komplett aufgeben müssen“.

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Obwohl sie auch als „Snow White“ wieder ihre Portion an Leid und Qual zu ertragen hat, eingesperrt und gejagt wird, ist es nicht so, dass sie es gezielt auf solche Rollen anlegen würde, meint Stewart. „Es ist nicht eine spezielle Art von Düsternis oder Qual die mich an solchen Figuren reizt, sondern die Tatsache, dass etwas Interessantes mit ihnen passiert, dass sie etwas durch- und erleben, dass den meisten von uns im normalen Leben natürlich nicht widerfährt. Sich in diese besonderen Situationen hineinzuversetzen, das ist das Reizvolle daran.“ Die Frage, ob sie sich nicht langsam mal eine fröhliche, mitten im Leben stehende Figur als Rolle wünscht, ist dabei eigentlich schon beantwortet, denn mit der Verfilmung des berühmten Romans „On the Road“  nach Jack Kerouac, den Stewart selbst mit Begeisterung  in ihrer Jugend gelesen hat, hat sie genau so etwas völlig Anderes gerade abgedreht. „Meine Figur in „On the Road“ könnte wohl kaum weiter entfernt sein von „Twilight“ oder auch „Snow White“. Das ist eine wilde, lebensbejahende Person die völlig im hier und jetzt lebt. Und die eine echte Führungspersönlichkeit ist, die ständig im Mittelpunkt stehen möchte – im Prinzip genau das was ich eben nicht bin. Also musste ich das „spielen“ und  das war eine sehr coole und großartige Erfahrung.“

Das Gespräch verläuft auch deshalb sehr angenehm und unangestrengt, weil sich in unserer überschaubaren Runde unter Kollegen, die sich kennen, tatsächlich keiner genötigt sieht, die bei Prominenten so beliebten Fragen nach Liebesbeziehungen und Affären zu stellen – obwohl dies noch nicht mal eines der Gespräche ist, bei denen man sich vorher dazu verpflichten musste, sämtliche „privaten“ Fragen sowieso beiseite zu lassen. Doch so wie sich Kristen Stewart präsentiert, würde sie vermutlich auch damit sehr souverän umgehen, so wie sie es jetzt mit der vor dem Hotel lauernden Schar an Verehrern tut. „Es ist ja auch nicht so, dass man mich nicht mehr nach dem Thema „Twilight“ fragen dürfte“, erläutert sie. „Ich bin zwar einerseits froh, dass diese Geschichte demnächst zu Ende geht, aber nur so wie man eben glücklich ist etwas Angefangenes auch irgendwann zu einem Abschluss zu bringen. Das ist ja schließlich das Ziel und deshalb wird das dann in diesem Herbst eine schöne Sache. Aber es bleibt ein Teil meines Lebens und zwar ein ziemlich bedeutender, der mir Türen geöffnet hat, durch die ich sonst noch lange nicht hindurch gekommen wäre“.  

stewart 3Soweit, dass sie über den Endschnitt von „Snow White“ mitentscheiden konnte, reicht ihr Einfluss dann aber doch noch nicht, was sie in dem einen oder anderen Fall außerordentlich bedauert. „Es gibt da einen Moment ganz am Ende des Films, als Snow White schließlich zur Königin gekrönt wird. Da wir die Figur immer so angelegt haben, dass sie sich als eine aus dem Volk betrachtet, die nicht über den einfachen Leuten steht, haben wir eine Szene gedreht in der sich nicht nur das Volk vor seiner neuen Königin verbeugt, sondern in der anschließend auch ich niederknie – ich bin der Meinung, dass hätte ganz perfekt zu meiner Figur gepasst, aber leider ist diese kurze Szene jetzt nicht mehr im Film enthalten“. Als sie dazu von uns Journalisten Zustimmung erhält und darin bestärkt wird, dass man förmlich auf so eine Reaktion an der betreffenden Stelle wartet,  ist die junge Schauspielerin nicht mehr zu halten, brüllt „Verdammt, ich wusste es, das macht mich immer noch wahnsinnig!“ und haut dabei nur halb im Spaß mit der Faust auf den Tisch. Ein ungewöhnlicher Gefühlausbruch, der dann noch einmal bestätigt, dass wir es mit einer ziemlich natürlichen und  erfrischenden Person zu tun haben. Der solche Dinge zumindest bei ihren eigenen Regiearbeiten, die sie bereits in Form von zwei Kurzfilmen plant, dann jedenfalls nicht mehr passieren werden. Es scheint, als hätte diese Dame noch viel vor - man darf es ihr durchaus zutrauen. 

Volker Robrahn

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